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Eine Frage, die noch zu klären sein dürfte, ist, warum sich Hollywoodproduzenten immer wieder auf die Schnapsidee einlassen, einen Film über Autorennen zu produzieren. Mal abgesehen von spektakulären Unfällen obsiegt schließlich bei jedem Rennen eigentlich nur die Monotonie des unendlichen Rundendrehens.
Dementsprechend sind auch die Einspielergebnisse dieser Filme, denn ebenso handlungsarm wie ein echtes Autorennen nun mal ist, müssen solche Filme durch Soap-Opera-Elemente aufgewertet werden. Also Love-Stories, Gefechte mit Trainern, Mentoren und Geldgebern, Rivalitäten zwischen Fahrern, einige nur wenig Textil in Schach gehaltene Mörderhupen (weibliche Leser mögen mir verzeihen, aber es ist so...) und natürlich technische Defekte. Letztere sind immer besonders spannend, denn sie sorgen nicht selten für die spektakulären Crashs.

Obwohl das alles irgendwie auch in „Driven“ drin ist, weiß ich nicht wirklich, was ich denn nun gesehen habe, irgendwas zwischen „Denver-Clan“ meets „Rivalen der Rennbahn“ mit gesichtslosen Neu- und unmotivierten Altstars.
Ein gigantisches, seelenloses und schön doofes Kuddelmuddel, möglichst schnell und rasant inszeniert und dabei doch so spannend wie mein alter Kumpel, der Gefrierbrand.

Und wer sich hier nicht alles zickt! Mit gnadenloser Duldermiene (vielleicht auch Langeweile) sitzt sich Stallone durch seine vertraglichen Verpflichtungen, Reynolds gibt den klassischen Rennstalltyrann, Gina Gershon (natürlich) die Bitch vom Dienst, Robert Sean Leonard (erfolglos, da gesichtslos) den kalten Managerbruder und ein überwältigend blasser Kip Pardue (wer?) den Teenie-Traum im Cockpit, der unter dem Druck zusammenzubrechen droht oder wars vielleicht doch die Beziehung?
Da ist es fast ein Wunder, daß Til Schweiger als Rivale „Beau Brandenburg“ (muharhar) nicht als modernes Nazi-Schwein gezeichnet wird, sondern als leicht arroganter Konkurrent, der im rechten Moment das Herz am rechten Fleck hat und einen Kollegen rettet. Vermutlich lags an deutschen Investitionen in diesen Film.

Alles in allem kann man dieser Gurke gar nicht böse sein, weil man jede nächste Storywendung eh schon auf Meilen im Voraus riecht und eigentlich zwischendurch nur die Rocky-Musik eingespielt werden muß. Gegen „Driven“ wirkt der unsägliche „Tage des Donners“ mit Tom Cruise wie ein unterhaltsamer Streifen.

Natürlich solls ja ein paar PS-Freaks geben, die bei den Rennsequenzen, unzweifelbar das größte inszenatorische Talent Harlins, eine Spontanerektion bekommen und einige Unfälle haben auch das gewisse Flair, aber deswegen muß ich mir nicht gleich einen ganzen Film angucken.
Und danke nochmal, daß ihr Verona Feldbusch synchronisiert habt.
Nur der Auftritt von „Blümchen“ Jasmin Wagner als Boxenluder hätte noch etwas länger dauern können, die trifft nämlich anders als die anderen tatsächlich den ironischen Ton. (2,5/10)

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