Review

Eines gleich vorweg: Beim ersten Mal "Rain Man" war ich zwar noch sehr jung, doch wie so viele meiner Mitstreiter schwer beeindruckt und möchte dem Film deshalb auch direkt am Anfang durchaus Qualität einräumen. Da ich Auszeichnungen genrell sowieso etwas skeptisch gegenüber stehe möchte ich auf die 4 abgeräumten Oscars gar nicht weiter zu sprechen kommen.

Als ich mir "Rain Man" in jüngerer Vergangenheit noch einmal nach langer Zeit zu Gemüte führte stieß die Tatsache das ausgerechnet durch diesen Film die Autismus-Thematik so stark an die Öffentlichkeit gelangte bei mir nicht direkt auf Unverständnis, jedoch auf eine Art Verwunderung. Der Versuch dem Laien, von denen ich mich gar nicht gesondert abgrenzen will, eben jene zu erklären ist meiner Meinung nämlich nicht direkt in die Hose gegangen, sondern etwas zwiespältig.

Die Erläuterungen Dr. Bruners im Film sind selbstverständlich sehr komprimiert und erscheinen mir somit absolut einleuchtend, nur beziehen sie sich halt nicht direkt auf das hier Relevante und können zu Missverständnissen führen. im Grunde ist es nicht der Autismus auf den hier speziell eingegangen wird, sondern die Besonderheit damit unter Umständen verbundender Inselbegabungen.

Die Figur Raymonds basiert auf einem Mann namens Kim Peek, der unter anderem Telefonbücher mithilfe seiner unglaublichen Fähigkeit zwei Seiten auf einmal zu lesen innerhalb kürzester Zeit auswendig lernen konnte etc, wie bei "Rain Man" auf so beeindruckende Art und Weise gezeigt wird. Nur war dieser zwar ein Savant, aber eben kein Autist. Man könnte hier zu der Annahme verleitet werden Autisten seien außerordentlich schlau, dem ist in der Regel nämlich nicht so. Das Gegenteil ist oft streng genommen der Fall, ohne damit die wirklich erstaunlichen Fähigkeiten einiger Autisten nicht anerkennen zu wollen. In der Tat sind manche Autisten außerordentlich begabt, gerade im Anbetracht ihrer eingeschränkten Wahrnehmung. Das ist  bemerkenswert und das vermittelt der Film auch recht gut, nur wird hier halt überhaupt nicht differenziert.

Die tollen Fähigkeiten hängen vermutlich damit zusammen das die Interessen von Autisten meist auf einige wenige Gebiete beschränkt sind, denen sie sich aber ausgiebig widmen. Ich glaube nicht das ihnen diese in die Wiege gelegt worden sind, was auf Inselbegabte laut Wissenschaft schon zutrifft und dieser aus meiner Sicht ganz entscheidende Aspekt bleibt hier vollkommen auf der Strecke.

Ich weiß aus persönlicher Erfahrung das es sehr wohl möglich eine sehr intensive Beziehung zu einem Autisten aufzubauen und aufrechtzuerhalten, was im Film jedoch aufgrund der stark übertriebenen Darstellung ihres introvertierten Charakters keineswegs deutlich wird. Ein Autist kann sehr viel Interesse für andere Menschen hegen, verfügt mitunter sogar über ein weitaus stärkeres Einfühlungsvermögen als andere Menschen, wobei ihnen die Fähigkeit fehlt dessen in angemessener Weise Ausdruck zu verleihen.

"Rain Man" prägte aus meiner Sicht also ein nicht ganz richtiges Bild dieser Krankheit würde ich sagen , anders als beispielsweise in dem Zusammenhang der eigentlich völlig belanglose Thriller "Stummer Schrei". Manche Filme mögen so zwar außerordentlich gut sein, vermitteln aber ein falsches Bild von der Realität. Ein besonders treffendes Beispiel hierfür dürfte wohl der berühmte "Weiße Hai" von Stephen Spielberg sein.
 
Mir leuchtet ein das für den Durchschnittszuschauer all dies vielleicht auch augrund nicht so ausgeprägten Intresses für die Thematik eine nicht so große Rolle spielt und ich räume ein das dadurch meine Begeisterung für "Rain Man" leicht getrübt worden ist. Wie schon am Anfang erwähnt möchte ich Levinsons Werk deshalb seine enormen Qualitäten keineswegs absprechen.

Was ich jedoch schon früher als einbisschen störend, oder besser gesagt schade empfand war der wie ich finde sehr aprupte Abbruch des Ganzen, denn gerade als es so richtig schön emotional wird ist schlagartig alles vorbei. Man soll aufhören wenn's am schönsten ist. Aus dieser Sicht ist alles richtig gemacht worden und doch wäre es spannend gewesen zu wissen wie es von da an mit den beiden weitergeht. Naja, aber das kann man sich zur Not ja auch im Kopf ausmalen.

PS: Da ich natürlich kein Psychiater oder ähnliches bin sind alle hier gemachten Angaben ohne Gewähr und dieser Text ganz besonders subjektiver Natur und ist bitte auch als solcher zu verstehen.

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