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Mit diesem Machwerk hat also alles angefangen, was letztes Jahr im Kinofilm Der Clown - Payday gipfelte. Ein Jahrzehnt ist's schon her und wenn man den Erstling mit der Kinoproduktion vergleicht, dann merkt man schon, dass beide Werke wahrlich Welten trennen. Denn der erste Film mit dem Clown ist stellenweise dermaßen peinlich, dass Werke wie Der Bunker oder Crazy Partners schon fast Michael Bay-Niveau zu haben scheinen. Zudem führte unser deutscher Action-Guru Nr.1 Hermann Joha (Der Träumer und das wilde Mädchen) hier noch selber Regie und kann sich auch einen mäßigen Gastauftritt nicht verkneifen. Nun gut, der Mann mag in Sachen Stunts ja vom Fach sein, doch mit dem Regieführen scheint er es nicht so zu haben. Das scheint er inzwischen selber eingesehen zu haben, weshalb er sich jetzt nur noch aufs Produzieren und die Stunt-Koordination beschränkt, was er wesentlich besser beherrscht als die Regie.

Düsseldorf soll Europazentrale der Russenmafia werden. Top-Agent Max Zander (Sven Martinek) und sein Kumpel Leo (Oliver Korittke) fangen jedoch eine Waffenlieferung in der Rheinmetropole ab. Damit machen sie sich den Russen Baklanov (Hanns Zischler) und sein Gefolge zu Todfeinden. Nach dem Mordanschlag auf Leo fasst Max einen Entschluss: Er schlüpft in die Rolle des maskierten, gnadenlosen Einzelkämpfers und erklärt als Clown verkleidet der Unterwelt den Krieg...

War Sven Martinek (Die Heilige Hure) im Kinofilm immer noch ein blasses Abziehbild einer Actionfigur, so befindet er sich hier erst in der Anfangsphase, weshalb seine Performance von (meist) saudummen Sprüchen und machohaftem Verhalten gefüllt wird. Innerhalb von zehn Jahren scheint er nur recht wenig dazu gelernt zu haben, auch wenn er immerhin einige dieser Allüren inzwischen abgelegt hat. Nur eine Ecke besser agiert Diana Frank (Ballermann 6) als blonder Love Interest, die aber auch ähnliche Gewohnheiten bezüglich ihrem Verhalten an den Tag legt. Da ist mir Eva Habermann deutlich sympatischer. Das allseits bekannte Trio Infernale wird dann noch von Thomas Anzenhofer (Operation Medusa) komplett gemacht, der sich hier mit wenig Screentime immerhin noch etwas aus der Affäre retten kann. Die bösen Klischee-Russen werden dann von Hanns Zischler (München) und Markus Knüfken (Millennium Mann) verkörpert, die wenig glaubhaft durch dieses Machwerk stolpern. Schließlich haben wir dann noch Oliver Korittke (Cowgirl) in seiner Prä-Musterknaben-Phase und Volkmar Kleinert (Operation Noah) als miesepetriger Vorgesetzter im Nebencast sowie den Cobra11-Döner in einem Cameo.

Actionmäßig geht hier wahrlich die Post ab, auch wenn die Action natürlich noch nicht die Qualität der Kinoproduktion hat. Die Action hat dann auch eine gute und eine schlechte Seite. Dass Hermann Joha beeindruckende Pyrotechnik abliefern kann, das weiß man und er beweißt es auch hier wieder, doch was die Shoot-Outs angeht so ist er eine echte Niete. Die Protagonisten ballern dümmlich in der Gegend rum, treffen selten was und wenn eine Kugel mal irgendwo einschlägt, dann blitzen allerhöchstens mal Funken auf. Großes Geschütz wird zwar schon in der Eröffnungssequenz aufgefahren, doch wird amateurhaft eingesetzt. Blutige Treffer gibt es so gut wie keine, weshalb Der Clown diesbezüglich gegen den im gleichen Jahr abgefilmten Adrenalin deutlich den Kürzeren zieht. Auch die Auswirkungen von Raketen und Granaten gestaltet sich hier lächerlich, da hiermit verglichen so mancher Silvesterkracher mehr drauf hat. So, genug an den enttäuschenden Shoot-Outs und Großkaliber-Einsätzen zumgenörgelt. Kommen wir nun zu dem, wofür Hermann Joha bekannt ist: die Stunts und Pyrotechnik. Abseits er erbärmlichen Granaten- und Bazooka-Explosionen schafft der Mann es doch noch ein paar nette Großexplosionen zu inszinieren. Was die Stunts angeht, so werden Fahrzeuge gleich zu Dutzenden zerschrottet, Autos fliegen freilich durch die Luft, überschlagen sich, und der Clown baumelt im Showdown mal wieder an 'ner Hubschrauberkufe - na ja, man kennt das alles ja inzwischen zu genüge. Ich glaube sogar, dass diese Kufen-Nummer einer von Johas absoluten Stuntfavoriten ist, so oft wie man den bereits in seinen Produktionen zu Gesicht bekommen hat. Es sieht meistens scheiße aus, aber na gut. Wem's gefällt. Die Handlung wurde eh mal gerade so beim Frühstück dahingekritzelt, und man hat ähnliche Szenarien schon zu genüge woanders und besser gesehen. Was in Der Clown aber zudem noch dermaßen stiften geht ist mal wieder die Logik. Da knallt Max mit einer Bazooka mal eben so das halbe Führerhaus eines LKW's weg und der Fahrer trägt keine Schäden davon und die Karre fährt danach sogar noch weiter. Ähnlich beim Attentat auf Leo. Der wird nämlich in einer bombigen Explosion weggebombt, bekommt einen Freiflug, lebt darauf sogar noch kurz, um ein paar pseudocoole Sprüche ablassen zu dürfen und hat nur Brandwunden abbekommen. Normalerweise hätte so eine Explosion ihn in Fetzen reißen müssen. Weitere Logikfehler reihen sich dann noch nahtlos an, die ich aber aus Platzgründen nicht weiter erläutern möchte. Weiter in den Mist wird Der Clown noch durch diverse peinliche Momente und Pseudocoolness gezogen. Nachdem Leo ins Jenseits gewandert ist, sucht sich Max zum Trauern erstmal 'n improvisiertes Bett im Kornfeld und gibt sich vorher gegenüber Anweisungen vom Vorgesetzten genretypisch bockig. Aber in was für einer saupeinlichen Weise er das macht ist schon fast bemitleidenswert. Hat er mal seinen Rachefeldzug begonnen, hat er natürlich auch gleich einen Chemibaukasten parat, um sich ein paar Bömbchen zu basteln. Die gezockte Mafiaknete wird dann großzügig an irgendwelche Sozial-Einrichtungen verteilt und mit dem Rest wird sich 'n fetter Porsche geholt und mit der lieben Claudia ein Motorrad-Shop halb leer gekauft. Bei dem vorhin erwähnten Attentat während eines Biker-Treffs zücken dann noch sämtliche Biker AK-47's, Schrotflinten und was der Biker von Welt heutzutage noch so alles unter der Jacke hat. Saudämlicher wird es dann noch als Claudia in die Griffel der bösen Russen gerät und von einem klischeehaften Volldeppen bewacht wird, der sich rasch seine 20 Super-Orgasmen herbeiträumt, als Claudia zu strippen beginnt. Dass er ihr damit nur auf den Leim geht, dürfte mehr als offensichtlich sein. Kaum hat sich Claudia befreit schlägt sie dummerweise den besorgten Max nieder und verdrückt sich dann sofort, als die Russen anrücken und nun Max in ihren Griffeln haben. Bescheuerter ist meiner Meinung nach noch kein Held in die Fänge des Bösen geraten. So viel zu den Peinlichkeiten und Dämlichkeiten, von denen man hier regelrecht überschüttet wird. Unfreilig komisch ist das alles dann auch noch. Wenigstens hat man sich ein dumm quatschendes Balg verkniffen. Musikalisch orientiert man sich (vor allem im Opener) an Terminator 2 und ab und zu wird mal ein Evergreen losgeschmettert.

Unterm Strich ist Der Clown eine herbe Enttäuschung - auch für Actionfreunde. Die großen Explosionen und Stunts gehen zwar noch teilweise in Ordnung, können aber bei weitem nicht das miese Gesamtbild aufrecht halten. Wenn's schon der Clown sein muss, dann doch lieber der Kinofilm, da man dort anscheinend aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und somit einen der besten deutschen Actioner abgedreht hat.

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