Review

Ja, es ist der schiere Wahnsinn: 1968 hat man dem damals noch recht unbekannten Vielfilmer Franco die ziemlich erfolgreiche Fu-Manchu-Reihe überlassen. Verrückt.
Bei Todeskuß ('68) und Folterkammer ('69) durfte er sich austoben. Dazu sei angemerkt, daß Kinowelt bei ihrer DVD-Box beide Filme auf 1968 datieren. Für mich wirken die Streifen auch eher wie eine Back-to-Back Produktion. (Eventuell wurde der verhackstückelte Folterkammer '68 gedreht, aber erst '69 editiert und auf den Markt geworfen?)

Nun geht es jedoch erstmal um den gelungeneren der beiden, nämlich Todeskuß. Die story ist relativ nebensächlich: Wie immer, möchte der böse Asiate (erneut grandios dargestellt von Christopher Lee) die Weltherrschaft an sich reißen. Dazu muß er natürlich seine Erzfeinde, allen voran Scotland-Yard-Koryphäe Nayland Smith, ausschalten. Eben diese seine Gegner suchen währendessen nach seinem geheimen Hauptquartier.
Und so wirft uns Franco eine ganz witzige, für seine Verhältnisse sogar richtig unterhaltsame Grusel/Abenteuer/Krimi-Mischung hin. Hervor sticht hier auf jeden fall Götz George in einer seiner frühen Filmrollen (der Schimi steckte schon damals in ihm!). Die restliche Besetzung kämpft sich blaß aber bemüht durch die dünne Handlung und die Djungel-Location (eine weitere Ausnahme stellt noch der Banditen-Boss dar, aber dazu gleich).
Im Gegensatz zu Folterkammer, gibt es hier auch noch etwas titts & asses. Für Jesus-Verhältnisse zwar ziemlich zahm zelebriert, aber immerhin. Auch einige Tropfen Blut blitzen zwischendurch auf.

Jetzt zum nächsten Höhepunkt neben George, welcher aus gleich zwei Besonderheiten besteht: die stimmige Nebenhandlung des mexikomäßigen Banditen-Anführers, welcher erst Fu Manchus Gegner, später sein Handlanger ist. Dieser Nebenstrang ist nämlich fast ein Film-im-Film. Das Besondere:
1. Diese Szenen sind sehr sauber und atmosphärisch gedreht. Zudem "direkt" an der Geschichte, nahezu Franco-untypisch.
2. Es ist ein kleiner Western.
Und Franco sagte einmal, daß er niemals Western inszenieren würde, da er sie zu sehr schätzt! (zu lesen in einer alten Ausgabe der Splatting Image, Nummer ist mir grad entfallen)

Insgesamt ein wirklich erfreuliches Franco-Werk, welches natürlich nicht mehr den Charme des ersten Teils widerspiegelt, aber einfach Spaß macht. Zwar lachen wir hier des öfteren an Stellen, an denen der Film es gar nicht vorgesehen hat, doch knallt uns Jess hier keine reine Trash-Granate vor den Latz! Bei diesem Stück Kino könne wir viel mehr Francos Hingabe für den Film und das Filmen (noch) spüren...
Für alle Freunde des Europäischen Kinos, des Low Budgets, aber auch des Pulp-Grusels und der "Schüchternen Exploitation" eine absolute Empfehlung. 7/10

MovieMadness

Details
Ähnliche Filme