Kultregisseur Michel Gondry („Science of Sleep“) inszenierte kurz vor der Realisierung seines romantischen Meisterwerkes “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” den kleinen, aber feinen Kurzfilm „Pecan Pie“ – auch mit Weltstar Jim Carrey in der Hauptrolle und mindestens genauso verrückt wie die gemeinsamen Werke von Gondry und Charlie Kaufman.
Eine Handlung existiert nicht, kein Wunder bei einer Laufzeit von nur anderthalb Minuten. Nachts an einer Tankstelle: Ein seltsamer Mann fährt zum tanken vor, kurioserweise mit einem fahrenden Bett, inklusive Lenkrad und Motorengeräusch. Dazu schmettert der überdrehte Kerl den titelgebenden Elvis-Song „Pecan Pie“. Als das Bett wieder davon fährt wundern sich die beiden Angestellten gar nicht, wechseln kein Wort mehr, der Film ist vorbei.
Diese beiden Tankwarte werden übrigens dargestellt von Eric Judor und Ramzy Bedia, beide traten in der höchst peinlichen Klamotte „Die Daltons gegen Lucky Luke“ und zwar in Hauptrollen. Ihnen ist nur zu wünschen das nach einem solchen Heuler die Karriere noch nicht vorbei ist, ihr Auftritt in „Pecan Pie“ ist zu kurz und zu nichts sagend um etwas über das Talent der Darsteller zu berichten.
Im Prinzip zieht Carrey eine kleine Ego-Show durch und genießt sichtlich das kleine, anspruchslose Projekt, hemmungslos overactend geht der geniale Darsteller voll auf in dem kurzen Clip und wertet das Gesamtbild auf. Sein Mienenspiel und die liebevolle optische Gestaltung machen „Pecan Pie“ relativ sehenswert, auch wenn jegliche Aussage oder Pointe fehlt. Raum für weit her geholte Interpretationen ist durchaus vorhanden, wirklichen Anspruch auf eine tiefere Aussage kann man aber eigentlich nicht erkennen.
Der Kurzfilm besitzt die Atmosphäre eines Traumes, die kindliche Naivität und das ungewöhnlich Design erinnern in positiver Weise an die Musikvideos und auch an die Filme Gondrys, in weniger als zwei Minuten schafft es der Regisseur seinen eigenen Stil erkennbar zu machen.
Fazit: Für Fans von Gondry bzw. Jim Carrey lohnt es sich einen Blick auf „Pecan Pie“ zu werfen, vor allem da die Laufzeit wirklich ungewöhnlich kurz ist. Ein netter Happen für zwischendurch, liegt nicht schwer im Magen, macht aber auch nicht satt.
06 / 10