Neben den „Chucky“ und „Puppet Master“ Reihen gibt es noch einen kleinen, aber sehr feinen Film mit sog. Killerpuppen, entstanden unter der Regie von Stuart „Re-Animator“ Gordon. Und eins vorweg, der Film ist besser als seine Pendants oben.
Es sollte ein Ausflug werden, plötzlich steckt man mit dem Auto im Matsch fest und kommt nicht weiter.
David Bower, gerade frisch getrennt und jetzt mit der Zicke Rosemary Bower (Carolyn Purdy-Gordon) zusammen, macht einen Ausflug mit besagter Zicke und seiner kleinen Tochter Judy. Die Tochter ist nicht das Wichtigste für David, und die neue Steifmutter kann sie eh nicht leiden. Da sich ein Sturm ankündigt, machen sich alle drei auf den Weg zu einem großen alten Haus. Es öffnet zwar keiner, aber in der Not ist man erfinderisch und bricht quasi ein. Im Keller wird man dann von den Hausherren, Gabriel (Guy Rolfe) und Hilary Hartwicke (Hilary Mason) empfangen. Gabriel ist ein alter Puppenmacher, sein ganzes Haus ist voller verschiedener Puppen. Das alte Ehepaar gewährt der Familie gerne Unterschlupf für die Nacht. Auch als noch drei weitere Personen in das Haus gelangen, der Vertreter Ralph und zwei Teenys, endet die Gastfreundschaft nicht und alle bekommen ihr Zimmer. Das Ziel der beiden Teenys ist aber, hier und da etwas mitgehen zu lassen. Doch haben sie nicht mit den kleinen Freunden des Ehepaars gerechnet, welche auch ziemlich rabiat werden können. Auch die anderen im Haus sind alles andere als sicher...
Man glaubt es kau, aber Stuart Gordon hat selbst einen so kleinen und feinen Horrorfilm wie „Dolls“ mal gedreht. Sonst eher bekannt wegen Filme wie „Re-Animator“ und „From Beyond“, wird dieser kleine Film fast immer vergessen, völlig zu Unrecht.
Dabei liest sich das doch alles so gut. Produzent war mal wieder Brian Yuzna, und der etwas kundige Horrorfan kennst zumindest Guy Rolfe aus diversen „Puppet Master“ Filmen und Carolyn Purdy-Gordon, die auch immer Nebenrollen in Gordons filmen hat, kein Wunder, ist ja auch seine Frau.
„Dolls“ hat eine wirklich sehr geringe Laufzeit, nicht mal ganze 80 Minuten und so gibt es keine großspurige Einleitung, nach fünf Minuten kennt man die Personen und kann sie meisten nicht leiden, insbesondere Carolyn Purdy-Gordon als Oberzicke. Wirkliche Sympathiefiguren sind nur Jody und Ralph, dazu natürlich das etwas kurios wirkende Ehepaar, die man aber nicht wirklich einschätzen kann.
Langsam dann lüftet sich das Geheimnis, wer böse ist wird umgebracht, und das alles von den Puppen. Da der Film fast 20 Jahre alt ist, sind die Bewegungen der Puppen aus heutiger Sicht vielleicht etwas hölzern, dafür gibt es eine unglaubliche Anzahl derer und viele viele kuriose Ideen. Die Gesichter der Puppen wurden nach meinem Geschmack sehr gut animiert, man erkennt sofort die Gefühlslage der Puppen.
Von Stuart Gordon erwartet man deftige Effekte, die gibt es hier aber nur zum kleinen Teil, doch wenn dann sind sie wieder sehr gut gemacht. Wenn kleine Puppen an einem menschlichen Bein rumsägen, ist das schon sehr kurios. Doch „Dolls“ hat noch viel mehr, dieser Unterton vom schwarzen Humor, en schon Filme wie „Re-Animator“ auszeichnete.
„Dolls“ wird nie ganz ernst oder übermäßig brutal, dafür sorgt schon allein Stephen Lee aka Ralph, ein Erwachsener, der im Herzen aber jung geblieben ist und sich am besten mit der kleinen Jody versteht. Immer etwas überängstlich, dann wieder zu impulsiv und er muss leiden, man wird es sehen. Jedenfalls ist Gordon eine hervorragende Balance zwischen Horror und Humor gelungen.
Nach nicht mal 77 Minuten verlassen wir schon wieder das Haus der Hartwickes. Gerne hätte der Film von mir aus noch 15-20 Minuten länger gehen können, er macht einfach Spaß und langweilt nicht. Das Ende wirkt zwar vielleicht auf den ersten Blick ein wenig kitschig, im Nachhinein ist es aber schon etwas böse, wenn man etwas genauer drüber nachdenkt.
Fazit: Stuart Gordons Puppenfilm ist für mich eine kleine Perle des Horrorgenre. Solide Horrorkost, viel schwarzer Humor und gute Darsteller machen den Film zu einem Genuss. Selbst auf Gordons typische Grobheiten muss man nicht ganz verzichten und manche Ideen sind einmalig. So kann ich „Dolls“ bedenkenlos weiterempfehlen. Eine kleine Horrorperle, die leider zu oft übersehe wird.