Review

Viele Regiesseure haben in ihrer Laufbahn Filme gedreht, die entweder so schlecht waren, daß manch einer dachte: "bitte, von DEM Regiesseur?", manche Filme jedoch haben eine solche Klasse...und sind trotzdem vergessene Perlen, die nur darauf warten entdeckt zu werden: Stuart Gordons "Dolls" ist so ein Film.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein versnobtes Ehepaar macht mit Tochter aus erster Ehe einen eher unfreiwilligen Urlaub. Denn sowohl das Paar, als auch das Kind könnten sich etwas schöneres vorstellen, als zusammen zu verreisen. Als dann noch bei einem nicht enden wollenden Gewitter der Wagen stecken bleibt, reißt die Geduld. Monaco ist eh passe - dennoch will man die Sonne des nächsten Tages noch erblicken; trocken, ausgeschlafen, sicher. Was bietet sich da eher an, als ein (verlassenes(?)) Haus, welches nur ein paar Meter von der Straße steht?!
Da ihnen niemand öffnet, flüchten die drei durch ein offenes Kellerfenster in das Haus...doch außer einem "antiken" Ehepaar hausen dort noch tausende Puppen...ebenfalls antik, aber genau wie seine Erschaffer noch immer unter den Lebenden weilend. Denn wie besagt der Kindermund? "Nachts wenn man schläft, erwachen die Puppen..."

Stuart Gordons kleiner, aber feiner Streifen ist mit der beste Puppenhorrorfilm, der je gedreht wurde. Noch vor "Chucky" und vor den "Puppet Master" Teilen wurde wohl mit der atmosphärisch dichteste Beitrag dieses leider viel zu unbeachtetsten Genres geschaffen. Mitproduzent Charles Band war augenscheinlich von diesem Film so angetan, das er das Konzept um mordende Puppen aufgriff und seitdem von seiner Produktionsfirma "Full Moon" in regelmässiger Abfolge die "Puppet Master" Teile auf den Markt wirft. Aber keiner dieser Teile - selbst kein "Chucky" - kann mit so einer tollen Atmosphäre und Spannung aufwarten wie "Dolls".

Gordon vermischt hier Elemente des kindlichen Märchenfilmes, schwarzen Humor, Horror und einen Spritzer Splatter zu einem grandiosen Filmerlebnis. Besonders die Atmosphäre ist toll; man fühlt sich schon nach ein paar Minuten inmitten eines aufgeklappten Märchenbuches wieder. (In der Szene mit dem Teddy kommen gleich Erinnerungen an "Zeit der Wölfe" hoch).

Die Atmosphäre ist wie gesagt das beste, was man je in einem Puppenhorrorfilm gespürt hat. Sicherlich auch den tausenden von Puppen zu verdanken, die in dem alten Gemäuer auf jedem Wandschrank, auf jeder Kommode sitzen und in blitzdurchzuckenden Bildern ihre Glieder und Gesichter bewegen dürfen. Dazu der verträumte Score, der aber in den Spannungsmomenten komplett umschwingt und die kleinen Puppen noch bedrohlicher wirken läßt.

Herrausragend die Special-Effects von John Buechler, der einem Kevin Yagher in nichts nachsteht und fast genauso gut den Puppen Leben einhaucht, wie es bei Chucky geschah. Zwar sind die Puppen eher wortkarg (somit entfallen auch aufwendige Gesichtsanimationen), bewegen sich aber klasse. Die Stop-Motion-Effekte sind zwar als solche zu erkennen, gefallen mir aber persönlich besser als bei den Puppen des "Puppet Master". Was die Morde angeht, so stehen sie diesen in nichts nach. "Dolls" ist kein Splatterfilm, die wenigen F/X sind an einer Hand abzählbar, aber dafür hart und gut gemacht.

Dabei kommt der Gordon´sche Humor auch zum Tragen - ein Beispiel: eine der Punkerinnen kann sich mit ihrem Gürtel der meisten Puppen erwehren, doch als vor ihr eine Gruppe von Spielzeugsoldaten steht - die sie erst verspottet - muß sie eingestehen, das auch stecknadelgroße Kugeln weh tuen können...

Um die Punker tut es einem auch nicht leid, sie nerven eh. Denn darstellertechnisch die einzigen die negativ auffallen. Das ist schade, sind doch die Rollen ansonsten hervorragend besetzt. Neben dem alten Ehepaar ist es das kleine Mädchen Judy und der "große Junge" Ralph, die überzeugen. Diese Charaktäre werden liebevoll gespielt und...da es im weitesten Sinne ein Märchenfilm ist, gibt es für diese auch ein Happy End - oder?

Fazit: Freunde des Puppenhorrorfilms sei "Dolls" ganz nahe ans Herz gelegt. Wer sich an dem sprücheklopfendem Chucky oder den (leider kindgerecht gewordenen) Puppen des André Toulon sattgesehen hat, sollte definitiv 80 Minuten in "Dolls" investieren - es lohnt!

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