Nachdem „Kolchak“ 1972 eine Riesenwelle in den TV-Quoten verursacht hatte, was natürlich sofort ein in Auftrag gegebenes Sequel nach sich zog, welches im Frühjahr 1973 ausgestrahlt wurde, erweckten diese gründen Pfründe auch bei Anderen den Wunsch, mit dem Übernatürlichen die Hauptsendezeit zu erobern.
Einer dieser „Occult Detective“-Versuche war ebenfalls 1973 „The Norliss Tapes“, dabei stand bemerkenswerterweise wieder ein Journalist im Zentrum, so dass die operative Nähe zu „Kolchak“ wohl nahe liegt.
Anders als Darren McGavins rasender Reporter wurde bei „Norliss“ jedoch ein anderer und wesentlich mysteriöserer Ansatz gesucht: die Hauptfigur, ermittelnd im Übernatürlich im Auftrag seines Verlegers für ein Buch, ist nach ein paar sehr zögerlichen Telefonaten in den ersten Minuten, spurlos verschwunden. Alles, was man noch in seiner Wohnung findet, sind eine Reihe von besprochenen Kassetten, die sich sein Freund jetzt stellvertretend für den Zuschauer anhört, um per Rückblende das Publikum in die jeweiligen Fälle zu entführen.
In seinem ersten Fall wird er ausgerechnet von Angie Dickinson kontaktiert, die damals noch vor ihrem eigenen Serienerfolg „Make-Up und Pistolen“ stand, aber schon als Name etwas galt. Sie spielt eine gewisse Ellen Cort, die leider stetig Besuch von ihrem Männe bekommt. Das Problem: der Gute ist schon dahingeschieden an einer langsamen, schrecklichen Krankheit.
Wie sich schon bald herausstellt, liegt der Gute zwar in seinem Sarg – manchmal aber auch nicht, denn dann geht er auf Jagd schnappt sich Frauen und entnimmt ihnen komplett ziemlich unecht aussehendes Blut. Nebenbei hat der Verstorbene – Künstler seines Zeichens noch an einer großen Tonfigur gearbeitet und nun ratet ruhig mal alle, woraus die Modelliermasse zu 40 Prozent besteht. Seine Agilität gewinnt der Leichnam – schön grün im Gesicht und wild augenrollend – durch einen Skarabäusring, den er von einer Okkultistin bekommen hat. Leider macht ihn das auch recht kugelsicher.
Das klingt jetzt auf eine Distanz von 71 Minuten relativ ambitioniert, ist aber in der Endfassung ein ziemlich episodisches Biest. Gemäß der dramaturgischen Highlightsetzung bricht der Guteste nämlich dann alle 10 Filmminuten durch irgendein Fenster oder eine Tür, um unschuldige Opfer (dann bald tot) oder die Protagonisten (dann bald auf der Flucht) zu attackieren, vorzugsweise wenn Letztere wieder ein Puzzleteil des Rätsels durch Gespräche oder Suchen zusammen sortiert haben.
Danach – interessanterweise gießt es in diesem Film ständig in San Francisco in Strömen – muss dann die Polizei in Gestalt von Claude Akins immer wieder wortreich (und langweilig) alles aufräumen und einen Verdächtigen verfolgen, an den sie selbst nicht glaubt.
Am Ende geht es natürlich um die Überwindung des Todes durch die Erschaffung eine Hülle für eine dämonische Entität namens Sargoth und würde das Skript nicht die immer wieder einsetzende Stimmung totquasseln, hätte das durchaus Potential gehabt, denn atmosphärisch kann der „Director in charge“ nämlich, wenn er will und das brandheiße Finale hat sicherlich etwas für sich.
Regie geführt bei diesem Zinnober hat der 70er-Tausendsassa Dan Curtis, den wirklich auch der unbeleckteste TV-Zuschauer kennen sollte, ist er doch nicht nur für „Dark Shadows“ und „Kolchak“ verantwortlich, sondern hat uns allen auch mit „Landhaus der toten Seelen“ die Kindheit zur Hölle gemacht und Karen Black in drei Identitäen durch die „Trilogy of Terror“ gehetzt, wenn er sonst nicht gerade andere TV-Horror-Inkarnationen absonderte.
Geschrieben hat diesen leider nicht aufgegriffenen Pilotfilm niemand geringerer als William F. Nolan, der Autor von „Logan’s Run“ (auch Drehbuch), der so eine Art Stammautor für Curtis war und der auch das „Landhaus“ verfasste.
So hat der Pilot hier also eine wahrhaftig unheimliche Basis, taucht aber leider nicht in die nötigen dämonischen Tiefen ab, sondern belässt es bei mysteriösen Andeutungen (und eben der nicht sonderlich detailliert erkennbaren Entität am Ende) und handelt das Übrige als eine Art typische Detektivarbeit des Fernsehens der 70er ab, nur eben mit Horrorstreuseln. So brüllen also die Studiokulissen dem Zuschauer ihre Herkunft entgegen, während die Außenaufnahmen zwar sehr schön gestaltet sind, aber eben dann doch in Regen und Dunkelheit meistens unter gehen.
Der größte Schwachpunkt ist die holprige Dramaturgie, die noch durch das häufige Auftauchen des grüngesichtigen, augenrollenden und heulende Laute ausstoßenden Killerleichnams unterminiert wird, der wiederum ZU SEHR erkennbar ist und damit nur das: ein maskierter Darsteller.
Angenehm ist, dass es sich endlich mal nicht um eine Vampirstory handelt, obwohl Parallelen sichtbar sind und man kann auch getrost unterschreiben, dass „Norliss“ anderen Beiträgen wie „Baffled“ oder „Spectre“ locker die Rücklichter zeigt, doch leider ist Roy Thinnes (Hauptdarsteller der legendären SF-Serie „The Invaders“) hier nicht die charismatische Figur, die den Plot wirklich mit sich reißen kann.
Zu mehr als einer kurvenreichen Geisterbahnfahrt mit vielen Buh-Effekten und einer enormen Menge Kreischerei hat es leider nicht gereicht für den tapferen Reporter, aber hier wünscht man sich, man hätte die weiteren Tapes vielleicht auch noch hören können. „Kolchak“ war zwar origineller in der Machart, aber altbackener im phantastischen Plot und insofern nehmen sich beide nicht wirklich viel – sind ja auch vom gleichen Regisseur. (TV-6/10)