"Dog Day Afternoon" ist einer der dichtesten Filme Sidney Lumets: konstant spannend, mit überraschenden Wendungen und getragen von der Präsenz des Hauptdarstellers Al Pacino. Dessen Performance ist vielleicht die beste seiner Laufbahn, zweifellos aber ein Höhepunkt neben "Serpico" (ebenfalls von Lumet), "Carlito's Way" und "Heat".
Die Story ist simpel: ein Banküberfall geht schief. Das ist an sich alles, wird aber angereichert mit den Kleinigkeiten des Alltags, des Menschen und der Wirklichkeit, die den Weg durch diesen fehlschlagenden Coup immer wieder in eine neue Richtung stoßen. Bereits zu Beginn zeichnet sich die Art der kommenden Ereignisse ab. Neben Sonny (Al Pacino) und Sal (John Cazale) gibt es zunächst noch einen dritten Komplizen, der aber in der Bank einen Rückzieher macht, als die Waffen bereits gezückt sind. Das Unerwartete, aber Menschlich-Allzumenschliche kommt dem Ideal eines Plans wieder und wieder in die Quere. Der Überfall entwickelt sich zu einer Geiselnahme, für die beiden Täter gibt es kein Zurück mehr.
Sonny ist der besonnenere, der zwar planvoll vorgeht und versucht einen Weg aus der verfahrenen Situation zu entwickeln, andererseits aber der Illusion erliegt, es könne eine rettende Option für sie geben und er könne durch Verhandlungen mit den Vertretern des Gesetzes einen Ausweg kreieren. Sal hingegen ist ein introvertiertes Nervenbündel, naiv und gefährlich. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der erste Schuss fällt. Allerdings ist dabei völlig offen, ob es ein Schuss der Geiselnehmer oder nicht vielmehr der Scharfschützen und Polizeibeamten sein wird, die in kürzester Zeit die Umgebung der Bank gesichert haben. Und dementsprechend gilt die Angst der Geiseln auch der Aussicht auf Befreiung durch die Polizei, da diese die größte Bedrohung für einen vorläufig stabilen Zustand darstellt. Solange sich die Geiseln mit Sonny und Sal arrangieren und die Polizei nicht eingreift, kommt Niemand zu Schaden geschweige denn zu Tode.
Sonny kommuniziert als Einziger, per Telefon oder vor der Tür, mit der Aussenwelt: der Polizei, seinem Lover, den er illegal geheiratet hat, seiner Ehefrau, seiner Mutter. Dabei wird immer klarer, wie isoliert er als Mensch ist. Mit seiner Frau ist keine Verständigung mehr möglich, mit seinem suizidgefährdeten Lover ist es eigentlich bereits aus, seine Mutter lebt in einer anderen Welt und die einzigen, die ihm wirklich zuhören, sind von der Polizei oder dem FBI. Wenn er schon erschossen werde, dann bitte von Jemandem, der ihn hasst, und nicht weil es sein Job ist. Sonny ist ein einsamer Mensch, der sich nach echter Aufmerksamkeit sehnt.