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Es ist ein ganz normaler Tag in Brooklyn, New York. Der Außenseiter Sonny Wortzig (Al Pacino, „Scarface“) benötigt Geld und hat beschlossen mit seinen Komplizen Salvatore (John Cazale, „The Dialogue“) und Stevie eine Bank auszurauben. Es soll ein „normaler“, sauberer Überfall werden, wie er sooft passiert. Jedoch wird dieser Überfall kein gewöhnlicher werden. So bekommt Stevie schnell kalte Füße und flieht und schlimmer noch, in der Bank sind nicht mehr als ein paar Mücken übrig. Noch schlimmer kommt es allerdings, als Sonny einen Anruf bekommt, kurz bevor er und Sal die Bank verlassen wollen, bei dem sich herausstellt, dass die Bank bereits von Polizisten umstellt ist. Daraufhin nimmt Sonny die Bankangestellten als Geiseln und versucht einen Plan B auszuarbeiten.
Schnell erweckt die Situation großes Medieninteresse und hunderte von Schaulustigen säumen die Straßen. Sonny erkennt die Situation und zieht das „Publikum“ auf seine Seite. Dabei tritt er immer wieder vor den Bankeingang und stellt neue Forderungen, was von den meisten Schaulustigen mit einem Jubeln quittiert wird.
Eine simple Story, beruhend auf einen der spektakulärsten Kriminalfälle der US-Geschichte, dient hier als Grundgerüst einer Gesellschafs- und Medienkritik und Psychogramms eines „Underdogs“.
Sidney Lumet (12 Angry Men) versteht es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen und verzichtet auf große Effekte und konzentriert sich zum Großteil auf die Hauptfigur des Sonny Wortzig. Bei den darstellerischen Leistungen ragt Al Pacino erwartungsgemäß heraus, wobei es ist sicherlich einer seiner besten Leistungen ist. Sein Innenleben wie auch seine Lebensumstände werden genau geschildert, weswegen es Lumet den Zuschauer leicht macht die Person zu verstehen. Durch diese Konzentration auf Pacinos Rolle und dessen Leinwandpräsenz, wirken die übrigen Darsteller fast ein wenig wie Randfiguren. Die Rolle des Sal ist relativ grob entwickelt. Er ist ein labiler Mensch, dem die ganze Situation mehr zusetzt als Sonny. Jedoch erzeugt auch John Cazales Darstellung Spannung, da er für den Zuschauer schnell zum potentiellen Menschen, der durchdreht, wird.

Zum anderen setzt sich „Dog Day Afternoon“ mit den Medien und ihren Einfluss auseinander und übt auch Kritik. Die Menschenmengen, eingeheizt von den Medien, entwickeln Sympathie für den „Underdog“ und feiern ihn auch jedes Mal, wenn er vor die Tür tritt. Filmisch gesehen muss man dem Film auch ein paar Längen attestieren, weswegen der Film mit zwei Stunden Laufzeit etwas zu lang ist.
Der Film zählt wegen seiner Thematik an sich sowie auch mit der Thematisierung von Homo- und Transsexualität auch zu den Vertretern des New Hollywood, wo mit den Konventionen nur allzu oft gebrochen wurde. Daher war der Film zu seiner ein solch interessanter.
Zum Schluss bleibt ein Film, der handwerklich als auch künstlerisch überzeugt und der die Kritik passend aber auch nicht aufdringlich platziert. Dass sämtliche bekannte Medienphänomene wie Sensationsgier oder Ansätze von Reality-TV hier ihren Platz finden, macht den Film auch heute noch sehr interessant.

9/10 Punkten

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