Review
von Leimbacher-Mario
Läuft bei Pacino - NICHT
"Hundstage" aka "Dog Day Afternoon" ist ein Klassiker, den leider viel zu wenig Leute kennen. Ein Heist-Movie, einzigartig, vielseitig, tiefgreifend & unterschätzt, wie Sidney Lumet allgemein als Regisseur. In dem NYC-Meilenstein, der als ein Eckpfeiler des 70er-Jahre-Kinos gelten kann, begeht ein junger Al Pacino mit seinem Kumpel einen Banküberfall mitten im dreckigen New York - doch schnell merkt er, wie wir Zuschauer ebenso, dass das alles doch nicht so gut durchdacht war wie er meinte & wieviel schief laufen kann, an einem verflixten Tag. Spätestens wenn die Polizei, die Presse & halb New York um die Bank versammelt steht, gerät das Ganze zu einer Show sondergleichen, die auch noch auf wahren Begebenheiten beruht & man sich nicht besser hätte schreiben können - die besten Stories schreibt wohl immer noch das Leben. Ein wundervoller Film, so viel lustiger, zynischer & fortschrittlicher als erwartet. Nicht nur einer DER filmischen Banküberfälle & Al Pacinos beeindruckender Karriere-Kickstart, sondern noch immer aktueller & frischer, als alle Hollywood-Heists der letzten 10 Jahre zusammen. Augenöffnend gut!
Kein Thriller, kein Gangsterfilm, kein Drama & keine Komödie - doch irgendwie auch all das gleichzeitig. Unfassbar fortschrittlich was Geschlechterrollen angeht, unglaublich flüssig gespielt & von einer scheinbar spontanen Komik, dass man aus dem Lachen über die abstruse Situation in der Bank & die Quasi-Freundschaft zu den "Geiseln", nicht mehr heraus kommt. Al Pacino & John Cazale spielen die Räuber ohne Plan göttlich - mehr Sympathie & Mitleid, hatte ich selten für ein Team Gangster. Dazu als zukunftsweisende Gesellschaftskritik der bissige Kommentar zu dem Theater vor der Bank & das perfekt genutzte, sparsame Setting - niemand konnte Ein-Ort-Dramen so wie Sidney Lumet. Fast so gut wie "12 Angry Men" & herausragend in jeder Hinsicht. Die Balance aus Komik & Ernsthaftigkeit gelingt, selbst wenn das Ende dann nochmal einen bitteren, finalen Beigeschmack behält. Die Details wie das Hängenbleiben der Waffe ganz zu Beginn am Riemen oder die Reaktion des Publikums auf Sonnys/Pacinos Homosexualität - ich bin schwer beeindruckt & geschockt von einer derartigen Qualität, von Mut & dem meisterlichen Script. Lumet profitierte schon immer von genialen Scripts, doch in den Händen eines unfähigeren Regisseurs, hätte gerade "Hundstage" trotzdem vollkommen in die Hose gehen können.
Fazit: einer der besten & überraschend lustigsten Banküberfälle der Filmgeschichte. Dazu der aufgehende Star des unsterblich guten Al Pacino, von dem man sich nicht abwenden will & nicht genug bekommen kann. Ein weiterer großer Wurf von Sidney Lumet!