Review

Sidney Lumets Dog Day Afternoon gehört zu den gefeierten Filmklassikern Hollywoods - er ist ein "must" für jeden Filmliebhaber.

Der Film spielt an einem heissen Augustnachmittag, dem "Hundstag" im deutschen Verleihtitel, irgendwo in Brooklyn (nicht nur Woody Allen, auch Sidney Lumet war dafür bekannt, praktisch nur in New York zu drehen). Zwei Bankräuber, Sonny und Sal (Al Pacino und John Cazale) überfallen eine kleine Bank, das ganze sollte nur 10 Minuten dauern. Doch weil Sonny kurz vor ihrem Abzug ein Dokument verbrennt, steht wegen der Rauchentwicklung plötzlich die Polizei vor der Tür. Schon bald wird aus der Polizeikontrolle eine Belagerung und aus dem Raub eine Geiselnahme.
Damit sind die beiden Amateur-Bankräuber aber völlig überfordert. Eigentlich wollte Sonny, ein überkandidelter Looser mit grossem Herz, mit dem Geld Gutes tun.
Der Polizeichef (Charles Durning) scheint ehrlich bemüht, die Sache glimpflich ablaufen zu lassen, er zeigt sogar ein gewisses Verständnis für die Räuber - doch dann tritt das FBI auf den Plan...

Dog Day Afternoon basiert auf einer wahren Geschichte und Sidney Lumet tat alles Menschenmögliche, um dem Film einen authentischen Anstrich zu geben:
- Er liess einen grossen Teil der Dialoge improvisieren.
- Er liess auch gewisse Teile der Handlung improvisieren; die berühmteste Sequenz des Films, in welcher Pacino vor der Bank steht und unter Applaus der Zuschauermenge "Attica!" brüllt, entwickelte sich spontan aus einem plötzlichen Einfall Pacinos heraus. Es ist - zusammen mit der Titelsequenz - die einzige politische Manifestation im Film.
- Die Drehorte (Bank, belagerte Strasse, der Friseurladen, in dem die Polizei ihr Quartier einrichtet) lagen tatsächlich so nahe beieinander, wie das im Film den Anschein macht.
- Es gibt trotz des ernsten Hintergrunds viel zu lachen, denn Lumet wusste, dass keine Tragödie nur tragisch ist.

Lumets dokumentarischer Ansatz wirkt noch heute unverbraucht - damals war das in diesem Ausmass noch relativ neu. Das macht den Film frisch und spannend.

Ich war allerdings nicht so begeistert, wie ich es erwartet hatte. Dies, weil doch ein paar deutliche Schwachstellen auszumachen sind:
- Das Improvisieren der Dialoge macht sich ab und zu negativ bemerkbar, indem die Szenen manchmal in ineffektive Geschwätzigkeit ausarten und den Film über Gebühr verlängern. Der Fokus droht dadurch immer mal wieder, in Schieflage zu geraten.
Überhaupt ist der Fokus nie ganz klar; die Montage von Dokumentaraufnahmen von Brooklyn in der Titelsequenz deutet eine Kritik am Arm-Reich-Gefälle an; mit Sonny und Sal stehen zwei Underdogs im Mittelpunkt, doch die anfangs angedeutete Kritik wird nicht weiter ausgeführt.
- Sämtliche Charaktere bleiben vage, bis auf den von Pacino verkörperten Sonny. Er ist ganz klar das Zentrum des Films, Pacino ist sich dessen bewusst und er nutzt dies zu seinen (Karriere-)Gunsten aus. Man kann mit Fug und Recht behaupten, Dog Day Afternoon sei eine Pacino-Show. Damit unterläuft er das Konzept des Films mit seinem lebensnahen Ansatz.
Keine Frage, seine Leistung ist grandios, doch sie hat den Anstrich von Egomanie, er lässt kaum jemandem Platz neben sich, und das hat mir nicht gefallen.

Fazit: Ein etwas unfokussierter, handwerklich aber hervorragender und wegweisender Versuch in filmischem Realismus, der seine von Beginn weg vorhandene Spannung fast durchwegs aufrecht erhält. Man kann ihn sich mit Gewinn ansehen, und wer sich Al Pacino in einer seiner bekanntesten Rollen ansehen will und gutes Schauspiel schätzt, wird hier auf seine Kosten kommen.
Ebenso sei Dog Day Afernoon allen filmgeschichtlich Interessierten empfohlen.

Details
Ähnliche Filme