Alain Delon, hier die französische Antwort auf Charles Bronson, witzigerweise sogar mit ähnlicher Frisur. Die umstrittene "Death Wish-Reihe" mit Bronson in der Hauptrolle zog zahlreiche Plagiate nach sich und war der Auslöser von massig Selbstjustizfilmen nach dem selben Schema.
Hier rächt sich der Ex-Cop Daniel Pratt (Alain Delon) für den Mord an seiner Tochter. Doch vorher bekommen wir Idylle pur geboten. Pratt hat seinen Dienst in Lyon quittiert und lebt seitdem auf einer afrikanischen Insel. Dort hat er sein eigenes Fischereiunternehmen gegründet. Aber der Gute zockt auch gern, doch einer seiner Mitspieler will ihm den Gewinn nicht gönnen, so lernen wir Pratt gleich von seiner harten Seite kennen. Trotz seiner fünfzig Lenze ist Delon hier wirklich in Topform. Nicht nur was seine Körperkonstitution angeht, sondern auch auf sein Schauspiel bezogen. Sein Charakter Daniel Pratt ist deutlich an Paul Kersey angelehnt. Ein eigentlich sehr sympathischer Mensch, dem man die Gewaltausbrüche kaum zutraut. Nur hat Pratt eine etwas humorvollere Art und geizt auch nicht mit trockenen Onelinern.
Doch es wird bald ernst, denn ein Unbekannter hat eine fünfköpfige Todesschwadron ins Rennen geschickt. Die sollen Lyon von Verbrechern reinigen. Dafür zieht man sich lange Mäntel und Kapuzen an und schießt die vermeintlichen Verbrecher mit Shotguns über den Haufen. Dabei stirbt auch Pratts Tochter. Sofort macht er sich auf den Weg nach Frankreich, um sich die Täter vorzuknöpfen. Sein ehemaliger Chef Reiner (Jacques Perrin) sieht das gar nicht gern und setzt die junge Kommissarin Sabine (Fiona Gélin) auf Pratt an. Und so werden wir mal wieder Zeuge des dicksten Klischees der Filmgeschichte. Der alternde Pratt verguckt sich in die 24-jährige, ohne Lovestory kommt auch der Selbsjustizfilm nicht aus. Zudem kann man sich viel zu schnell denken, wer der Kopf der Todesschwadron ist.
Nach dem sehr exotischen Afrikaintermezzo geht es ins karge Lyon. Die Kulisse wirkt den 80er Jahren entsprechend, ist aber ein wenig zu monoton. Es kommt nie ein Flair wie in "Death Wish" auf.
Auch kommt der französische Bruder nur langsam in die Gänge. Nach seiner Rückkehr beginnt Pratt mit seinen Ermittlungen, ist der Polizei immer meilenweit voraus. Ein Informant wird brutal ausgequetscht, ein bisschen Liebesgeplenkel und schon bald steht auch Pratt auf der Abschussliste der Schwadron.
In der zweiten Halbzeit häufen sich dann auch die Actionszenen. Doch sie sind nur von kurzer Dauer. Kleinere Schusswechsel, ein ordentlicher Zweikampf auf der Baustelle und eine lustige Verfolgungsjagd mit der Polizei ist nicht ganz ausreichend, um den Zuschauer über 96 Minuten bei Laune zu halten. Immerhin hat Regisseur José Pinheiro (Panther II) das Gegebene sehr sauber und brutal inszeniert. Die Einschüsse fallen meist sehr blutig aus und auch die Morde der Miliz haben es in sich. Ein wenig enttäuschend fällt hingegen das Finale aus. Die Idee mit der Zirkusnummer ist zwar wirklich nett gemeint, aber noch ein wenig Action hätte "Der Panther" besser getan.
Man muss aber auch fairerweise zugestehen, dass hier alles realistischer daherkommt als zum Beispiel in den späteren "Death Wish Filmen". Pinheiro versucht hier auf realer Ebene zu spielen, was ihm auch wirklich gut gelingt. Trotzdem fehlt seinem Film Tempo und über weite Strecken auch Spannung.
Wer schon "Death Wish" mochte, der kann hier bedenkenlos zugreifen. "Der Panther" ist ungefähr das Selbe nur ein wenig realistischer, dafür mit weniger Tempo und Action. Dafür liefert Delon eine tolle Show, trotz horrenden Alters.
Die deutsche Fassung ist trotz vier Fehlminuten immer noch gut konsumierbar.