Review

Kimar, der Anführer der Marschmenschen, macht sich Sorgen: Seine Kinder wollen weder schlafen noch essen und gucken sich den ganzen Tag nur Fernsehprogramme von der Erde an (die sich um einen gewissen Weihnachtsmann drehen). Er ruft seine Leute zusammen und befragt einen weisen alten Zausel, der auch prompt weiss, was Sache ist: In der modernen Marsgesellschaft haben die Kinder keine Zeit mehr, Kinder zu sein und dabei verlernt, Spass zu haben. Einzige in Frage kommende Gegenmassnahme: Ein Weihnachtsmann muss her und an alle Marskinder Geschenke verteilen.

Doch woher kriegt man so einen? Kimar tüftelt den Plan aus, einfach mal rüber zur Erde zu düsen und den Menschen ihr Exemplar zu klauen. Das wird auch sogleich in Angriff genommen, doch auf dem blauen Planeten scheinen sich hunderte von dicken bärtigen Männern in roten Kostümen rumzutreiben. Um herauszufinden, was dieser Blödsinn soll, landet man, um ein paar Erdenbewohner auszufragen, Auftritt Billy und Betty. Die verraten treudoof, dass die anderen bloss Helfer sind und der einzige echte Weihnachtsmann am Nordpol rumhängt. Die Marsmenschen setzen flugs Kurs dorthin und nehmen sicherheitshalber die Erdenkinder mit, die sollen ja nicht die Behörden informieren können. (Als ob auch bloss der hinterletzte Dorfpolizist, wenn ihm ein paar Hosenscheisser was davon erzählten, dass Marsianer Santa Claus entführen wollen, dies glauben würde.)

Dank überlegener Technik bringen Kimars Leute den Geschenkebringer in ihre Gewalt und ab geht’s zum Mars. Auf dem Weg dorthin versucht der böse Voldar, der eine Verweichlichung der marsianischen Nachkommenschaft befürchtet, die Erdenkinder und den Weihnachtsmann umzubringen. Sein Vorhaben scheitert und er wird verhaftet, aber auf dem Mars vermag er zu fliehen und schmiedet aus dem Untergrund Komplotte: Er sabotiert die Spielzeugmaschine, welche Kimar bauen liess, und entführt Santa… bloss, dass es sich bei dem eigentlich um Trottel-Alien Dropo handelt, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat…


Ursprünglich mal als Kinderfilm gedacht, wurde „Santa Claus Conquers the Martians“ spätestens durch seine Verarbeitung im „Mystery Science Theatre 3000“ zu einem Lieblingsfilm von Trashologen aller Herren Länder und der Zorn Ed Woods soll über mich kommen, wenn nicht zu Recht.

Das fängt ja schon bei der nominellen Hauptfigur an: Santa Claus ist hier ein ewig grinsender Lachsack, der ständig dumme Sprüche zum Besten gibt und jeweils selbst am lautesten darüber grölt. Und seine dreckige Lache muss man mal gehört haben, Kinder würde ich jedenfalls nicht unbeaufsichtigt in seine Nähe lassen.

Auf der anderen Seite haben wir die Marsmenschen: Die Schauspieler hat man grün geschminkt und in eher peinliche Pyjamas gesteckt (Kimar kriegt immerhin noch’n schickes Cape verpasst), die Köpfe wurden ihnen mit selten dümmlichen, mit Antennen und Schläuchen versehenen Helmen (die sie Tag und Nacht, drinnen wie draussen, tragen) verschandelt (durch die sie irgendwie wie die geistig behinderten Cousins der Borg wirken – dieser Witz entstand unter Zusammenarbeit mit österreichischen Journalisten). Und als ob das nicht genug wäre: Toll die Leistung von Kimar-Darsteller Leonard Hicks, der in einer Szene doch glatt seinen Einsatz verpatzt und Donna Conforti (Betty) ausreden lassen muss, bevor er seinen Satz wiederholt (ein zweiter Take kam wohl nicht in Frage). Vincent Beck hingegen trägt als Voldar einen ausnehmend scheusslichen Pornobalken auf der Oberlippe, damit man ihn auch auf den ersten Blick als Bösewicht erkennt, und Bill McCutcheon ist als trotteliger Dropo ein derartig nerviger Comic Relief, dass er tatsächlich schon wieder lustig ist. Und die miserabel choreographierten Zweikämpfe von Kimar und Voldar muss man gesehen haben. Mensch Meier… Die Marsmenschen reden hier übrigens alle Englisch und schreiben ihr Zeug auch auf Englisch an, aber wenn die Leute dort den ganzen Tag nur US-Fernsehen gucken, soll mich das nicht wundern. (Hier auf der Erde machen wir ja auch alles den Amis nach.)

Conforti und Victor Stiles (Billy) fallen einem als Kinderdarsteller nicht allzu sehr auf die Nerven, aber es wundert einen nicht, dass die beiden keine Karriere gemacht haben. ("I´m...*gähn*...scared." – Danke an bertors.) Nicht, dass die anderen Protagonisten grossartig was auf die Beine gestellt hätten. (Für die meisten dürfte dieser Film der Höhepunkt gewesen sein.) Aber in der Rolle eines von Kimars Kindern sieht man hier immerhin die junge Pia Zadora, später eine erfolgreiche, Grammy-nominierte Sängerin und aufgetreten in Streifen wie „Voyage of the Rock Aliens“ oder „Hairspray“ (wobei sie für ersteren prompt für einen Razzie nominiert wurde… gewonnen hat sie ihn aber für „The Lonely Lady“ und „Butterfly“).
Erwähnen möchte ich noch Carl Don, dessen nur kurz zu sehender Charakter, ein Raketenwissenschaftler namens Irgendwas Von Green, offensichtlich an Wernher von Braun angelehnt ist und einen der gräulichsten gefakten deutschen Akzente der Filmgeschichte spazieren trägt. (“Wir going to forget äbaut se träining...und go sträit affter sous marschn mankies!” – Danke an Vincent Malloy.)

Effekte und Ausstattung verraten ein geringes Budget (selbiges wird für diesen Film auf 200'000 Dollar geschätzt): Das Mars-Raumschiff wird durch lächerlichste Klein-Mäxchen-Modelleffekte vertreten, während die irdischen Streitkräfte durch tonnenweise Stock Footage dargestellt werden. Wer von den kultigen marsianischen Zeitgefrierungs-Pistolen getroffen wird, stellt sich einfach mal regungslos hin (wobei das mit dem „regungslos“ natürlich nie so ganz funktioniert).
Die Sets sind gar nicht mal so schlecht gestaltet: Die Innenräume des Raumschiffs und Kimars Zuhause sehen hübsch futuristisch aus (naja, was man anno 1964 halt für futuristisch hielt), wobei die Hebel-Kontrollen und Radar-Geräte auf der Brücke des Mars-Raumers allerliebst selbstgebastelt sind. Die Spielzeugfabrik auf dem Mars und Santas Heim am Nordpol sind auch ganz überzeugend, die Höhle von Voldar sieht aber verdächtig nach Pappmaché aus. So übrigens auch die Nordpol-Kulisse, die sie wahrscheinlich von einer Schulaufführung geklaut haben.
Wenn wir schon am kalten Ende der Erde sind: Der Eisbär, den hier ein Typ in einem Kostüm gibt, ist das mit Abstand grossartigste Viech seit dem aus dem Zoo entlaufenen Bären in „Herkules in New York“. Oh, und vergessen wir nicht Torg, den bösen Roboter, dessen Aussenhülle offensichtlich aus Karton mit aufgemalten Anzeigenadeln besteht. Ich werd nicht mehr…

Der schräge Score von Songschreiber („Orange-Colored Sky“, „Hop Dee Doo“) Milton Delugg gibt einem den Rest und das Titellied „Horray For Santa Claus“ knackt auch das widerstandsfähigste Gehirn. Als wären die Gemmen der Dialogkunst, die sich hier einem darbieten, nicht schon hirnwütig genug: „Are you a television set?“ „And Mrs. Claus has positively identified the kidnapers as martians.“ "All this trouble over a fat little man in a red suit."

Santas Ausruf „This doesn’t make sense!“ könnte als Werbezeile für den Film herhalten… Spätestens, wenn vier Kinder mit Ping-Pong-Bällen, Seifenblasen und Kriegsspielzeug einen erwachsenen Mars-Mann ausser Gefecht setzen, ist klar: „Santa Claus Conquers the Martians“ ist ein grossartiges Trash-Feuerwerk der spassigsten Sorte und sollte von jedem gesehen werden. Sämtliche Daumen hoch!

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