State Trooper Charlie Baileygates leidet unter Schizophrenie. Verursacht durch die Trennung von seiner Frau, die in dem kleinwüchsigen Afro-Amerikaner Shonte, der wie sie ebenfalls Mensa-Mitglied ist, einen Seelenverwandten gefunden hat und ausgelöst durch die Demütigungen von seiner Umwelt, die seine Gutmütigkeit ausnutzt, entwickelt Charlie ein Alter Ego namens Hank Evans. Hank ist Charlies Spiegelbild, er scheut die Konfrontation nicht, er provoziert sie, ohne sich um die Konsequenzen seiner Eskapaden Gedanken zu machen, die Charlie ausbaden darf.
Als sich Charlies Probleme verschlimmern, verschreibt ihm sein Boss eine Woche Urlaub. Bis dahin soll er noch einen Routineauftrag erledigen, der darin besteht, die flüchtige Irene Waters in New York auszuliefern. Dieser entpuppt sich aber als ungleich brisanter als zunächst angenommen. Da Irene Informationen über die illegalen Machenschaften ihres Ex-Freundes hat, nutzt dieser seinen Einfluss aus und spannt ein Netz korrupter Polizisten in die Fahndung nach Irene ein. Als dann die Leiche eines Polizisten auftaucht, für dessen Tod Charlie verantwortlich gemacht wird, sind beide, oder besser gesagt alle drei, auf der Flucht.
Ich, Beide & Sie wartet mit einer ganzen Humorpalette auf, greift aber nicht immer zu den richtigen Farbtöpfen und bedient sich häufig aus der untersten Schublade, da diese anscheinend am einfachsten zu erreichen ist und gleichzeitig am effektivsten scheint, um den Geschmack des durchschnittlichen Zuschauers anzusprechen. Der Film ist gefüllt mit zotigen Obszönitäten, Fäkalhumor und Geschmacklosem; die "Highlights": Hank rächt sich für die Notdurft des Nachbarhundes auf seinem Rasen; Charlie befasst sich in seinem Hotelzimmer näher mit Irene, ohne dass diese anwesend ist; Charlies Missgeschick auf der Toilette; die Offenbarung sexueller Präferenzen; die Strafe für scheinbar unerlaubtes Parken auf einem Behindertenparkplatz; der "gestopfte" Streifenpolizist.
Ein gelungener Running-Gag hingegen sind die Auftritte von Charlies Söhnen, die augenscheinlich aus einer Union seiner Ex-Frau mit Shonte stammen. Alle drei sind fleischgewordene Genies mit unerschöpflichem enzyklopädischem Wissen, die sich ihre schweren Köpfe über Quantenphysik zerbrechen, sich in Pentagoncomputer hacken und auch ansonsten einiges beherrschen, das im Gegensatz zu ihrem Erscheinungsbild und ihrer Affinität zum Straßenslang steht.
Vervollständigt wird das Klamaukspektrum durch die Sequenz, in der sich Hank und Irene in Golfmetaphern über Sex unterhalten, Whiteys Psychokiller-Geständnis, die unsterbliche Preiskuh, Charlies Komplimenten ("Zum Beispiel Ihre Frisur, sie sieht aus, als wäre sie Ihnen völlig schnuppe. Oder ihre Haut, sie zeigen sie, mit allen Unreinheiten.") und natürlich dem, was Carrey auszeichnet. Nämlich viel Situationskomik und seine Signatur: die Gesichtsakrobatik, hier gepaart mit physischem Humor, der zum Einsatz kommt, als Charlie und Hank zugleich aktiv sind und um die Vorherrschaft des gemeinsamen Körpers kämpfen.
Der Erzähler in der deutschen Fassung ist Arne Elsholtz (Synchronsprecher von Tom Hanks), dessen angenehmes Timbre Anteilnahme am tragikomischen Schicksal des Protagonisten suggeriert, aber gleichzeitig auch ironisch-distanziert wirkt.
Ich, Beide & Sie ist zwar einer von Carreys schwächeren Filmen, garantiert aber für Freunde des derben Humors ein knapp 2stündiges Vergnügen. Der Plot ist dabei relativ simpel strukturiert und kann damit als Anbiederung an die Zielgruppe verstanden werden.
Eine Sache bleibt trotzdem unklar: Warum wird mit dem Namen der Hauptfigur offensichtlich auf den Schauspieler Charles Bailey-Gates (Knight Moves (1992)) angespielt?
Ein Film von Jim Carrey, der wie dieser auf den schnellen Lacher angelegt ist, wird sich immer mit Dumm und Dümmer (1994), der Quintessenz des Klamauks messen müssen, dessen Stärke darin bestand, originell zu sein und die Grenze zum schlechten Geschmack mit Würde zu übertreten. Bei Ich, Beide & Sie hat man aber nicht selten das Gefühl, als würde hier die Grenze zum guten Geschmack nur selten überschritten.