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Mag auch „Verrückt nach Mary“ der erfolgreichste Gross-Out-Humor-Film der Geschichte bleiben, das nachfolgende Farrelly-Brothers-Werk „Me, myself and Irene“ schlägt es inhaltlich deutlich um Längen, was die Fiesheiten und Geschmacklosigkeiten anbelangt.

Das hat jetzt nichts mit Witzigkeit und Güte zu tun, nur die Anhäufung von Beleidigungen und Verarschungen von Minderheiten oder Randgruppen, die Ansammlung zitierter oder gezeigter Körperflüssigkeiten oder Funktionen und der sexuelle abartige Gehalt sind hier eben alleroberste Spitzenklasse.

Und somit ist Jim Carrey auch am geeignetesten für die Rolle des schizophrenen Motorradcops, der mit seiner unterdrückten rachsüchtigen und fiesen Hälfte zu kämpfen hat, während die von ihm überstellte Schöne Probleme mit diversen Killern hat.
Neben seinen bewerten Qualitäten wie die unglaubliche Körperbeherrschung in Verbindung mit einer knautschigen Mimik, bekommt er so noch die Gelegenheit zum fliegenden Wechsel zwischen Opfer und Täter und kann seine ganze Bandbreite an Talent ausspielen.
Grundsätzliche Sympathie für den Darsteller Carrey natürlich vorausgesetzt.

Der Plot leidet entsetzlich unter der Dauerbelastung der Gags und ist wenig mehr als ein dünnes Gerüst, um die vielen Ekeleinfälle unter einen Hut zu bekommen. Die Farrellys vermeiden es durch die Witzquote zwar, Leerlauf entstehen zu lassen, doch die generelle Frage, was das denn nun alles soll, zieht sich durch den ganzen Film.
Der Handlungsstrang um die unschuldige Irene muss deswegen auch immer wieder neu aufgeklaubt werden, bis es im Showdown endlich zu einer Lösung der Probleme kommt.
Renee Zellweger leidet am meisten darunter, denn obwohl sie Carrey ständig zuarbeitet, kommt sie selbst nie zum Zug und scheint sich zu fragen, warum sie das wohl alles macht.

Lachen kann man aber trotzdem über das Ergebnis, der wesentlich brauchbarer getimt ist, als der unebene „Verrückt nach Mary“, der aber die konventionelle Form eines Unterhaltungsfilms besser einhielt. „Ich, beide und sie“ ist Filmkomödie in Auflösung begriffen, lustig, aber sehr formlos, ein ständig mutierendes Protoplasma, das nie zu einer endgültigen Form reift.
Einige Einfälle, wie die Hinrichtung einer überfahrenen Kuh, Carreys erster Rachefeldzug und sein Entsetzen über die sexuellen Vorlieben seines zweiten Ichs wissen aber dennoch zu punkten. Sich auf diese Art von Humor einlassen, ist wohl die einzige Chance, ihn überhaupt mögen zu können. (7/10)

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