Was tut man, wenn man gerade einen mehrfach oscarprämierten Film abgeliefert hat, der auch noch die urtypische amerikanische Erfolgsstory vom Underdog, der sich durchsetzt, behandelt hat und plötzlich in aller Munde ist, während man im Geld schwimmt?
Man hat ein Problem.
Sylvester Stallone war mit „Rocky“ ganz groß rausgekommen, hatte eine Oscarnominierung eingefahren und den intellektuell eher begrenzten Fighter Balboa jedem nahe gebracht – nun mußte er seinen neuen Starstatus halten und, was immer fatal für physisch überzeugende Darsteller ist, er mußte auch dauerhaft als Schauspieler sich durchsetzen.
Die zwei Filme, die Stallone im Anschluß drehten, legen dann auch Zeugnis davon ab, wie schwierig das sein kann, denn „Paradise Alley“ war wenig mehr als ein grob kaschiertes Cash-In mit dramatischen Bezügen, nur eben als „temporary picture“ und als Ringer und „F.I.S.T.“ war die Charakternagelprobe, die ein Ego zu bezwingen hatte. Stallone versagte.
Dabei standen die Zeichen durchaus auf Erfolg: Stallone war populär und mit Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“) hatte man einen politisch interessierten Regisseur an der Hand, der durchaus in der Lage war, Anspruch mit Unterhaltung zu mischen. Ein junger Joe Eszterhas, der ein Jahrzehnt später mit seinen Skripten eine Skandalwelle lostreten sollte, sah sein erstes Werk vor die Kameras gehen und die Story vom Aufbau einer amerikaweiten Fernfahrergewerkschaft hatte den nötigen Biss, vor allem weil sich die Titelfigur des Johnny Kovak unübersehbar an der realen Gewerkschafterfigur Jimmy Hoffa orientierte.
Allerdings merkt man dem Skript von Eszterhas an, daß es bei weitem noch nicht die ausgereifte Klasse besaß, die es benötigt hätte um einen Meilenstein zu produzieren, zerfiel es doch weitgehend in zwei Teile (und als Zweiteiler hätte der Film auch geschlossener gewirkt), nämlich erstens der Aufstieg des Johnny Kovak in den 30ern als Gewerkschafter, der nur mittels der schlagkräftigen Hilfe des organisierten Verbrechens das Monopol der Fabrikbesitzer brechen und seine Leute schützen kann und zweitens gut zwanzig Jahre später die Folgen, die sich aus diesem Verhalten ergeben.
Stallone war sichtlich bemüht eine Charakterstudie abzuliefern, kommt aber wieder robust-wortkarger Semi-Gebildeter daher, der stark ausschaut, aber sonst ein fideler Simpel ist. Kovak entpuppt sich im ersten Drittel so dermaßen als Balboa-Kopie, das es schon fast schmerzt und auch der Handlungsstrang rund um sein schönes Mädchen (und seine spätere Frau) ist daran stark angelehnt – dumm nur, daß in der finalen Schnittfassung gerade die Privatszenen praktisch nichts hergeben.
Auch sonst bietet der Film wenig außer der Story von dem Mann mit den guten Absichten, der dem Pfad zur Hölle folgt, nachdem in Straßenschlachten seine wackeren Streiter und Streiker aufgemischt und teilweise sogar getötet werden.
Kovak ist lange Zeit wenig mehr als ein bestehender Klopper, der anderen das Reden überläßt, dann aber prima rumschreit, wenn es drauf ankommt, der Rest ist solides, aber unaufregendes Arbeiterdrama im Thirties-Look, das Jewison allerdings perfekt einfängt.
Der Weg nach oben ist lang und opfergepflastert und mit der Mafia muß auch paktiert werden und irgendwann kommt dann der große Sprung, Stallone ist etabliert, angesehen und boxt sich schließlich sogar den Posten des Gewerkschaftsführers in die Tasche, bis ihm ein findiger Politiker mittels Hearing auf die Pelle rückt und er zum Sicherheitsriskiko wird.
Leider wirkt das über die volle Distanz zunehmend albern, dem Hauptdarsteller zuzusehen, wie er mit ergrauten Schläfen einsilbige Sätze in Mikrofone grollt und ansonsten mit starrer Boxermiene dreinstarrt, als würde gleich Apollo Creed auf ihn losgehen. Mimisch mehr als eingeschränkt erweckt Stallone alles, nur keine Emotionen beim Publikum, was noch irritierender wirkt, weil er im Film ständig von allen Arbeitern bejubelt wird. Die Mafiaverbindungen wirken dürftig und man hat das Gefühl, der Film würde genau das aussparen, was einen wirklich interessiert, ist aber zu sehr auf den Star fokussiert, was der Geschichte an sich schadet (F.I.S.T. wurde vor dem Start erheblich gekürzt.).
Am Ende traute Stallone der eigenen Courage wohl nicht, nicht mal drehbuchgemäß sterben war jetzt noch angenehm, doch schlußendlich blieb doch alles beim alten und auch das funktioniert nur bedingt, der Film strandet in gewollter Künstlichkeit, inmitten derer sich man dann ein echtes Hoffa-Portrait wünscht.
An der Kasse ging der Film zwar nicht ganz unter, war aber kaum ein besonderer Erfolg, so daß Stallone sicherheitshalber nichts anderes übrig blieb, als doch eine Rocky-Fortsetzung zu drehen. Das Volk wollte Gewinner sehen und Stallone ging seinem Starimage damit auf den Leim. Das hier ist ein interessantes Zeitdokument, aber kaum ein Drama, daß irgendwo richtig zu Hause ist. (5/10)