Review

Actionkomödie aus den prall ausgefüllten frühen Neunziger, wobei als Regisseur der kaum bis gar nicht bekannte Nilson Cheung Gon-am fungieren soll, die Sprache von Presenter und Producer Wong Jing allerdings durchgängig und derart auffällig selbst in kleineren Momenten zur Erscheinung gezwungen wird, dass dessen Einfluss wie selbstverständlich zu registrieren ist. Gerade im direkten Vergleich mit dem kürzlich zuvor produzierten Truant Hero(es), der auch offiziell unter dessen Namen läuft und die gleichen Hauptdarsteller in unwesentlich anderem Setting mit derselben Ausgangsstellung versammelt, ist die nah andeutende Übertragung unzweifelhaft zu bemerken. Eine bunt anzuschauende Mischform aus stetig denselben Gags, die auch nahezu immer einer gleich sprudelnden Quelle, nämlich der des simplen Missverständnisses entspringen, und zusätzlich mit dem gerade zeitgenössischen Phänomens der Popkultur unterspritzt sind. Schnell geschrieben, schnell gedreht, und wie für nur kurze Wochen der Aktualität gültig, versprechen sämtliche Arbeiten von Wong eine Reise zurück in die Zeit, in der neben all den lärmenden Witzen vom Lustspiel niedrigen Standes auch fast die sentimentalische Rührung durchbricht:

Das vollkommen gegensätzliche Polizisten-Duo "Ball" Lam Gu-won [ Aaron Kwok ] und "Fish" [ Ng Man-tat ] bekommt von ihrem Vorgesetzten Sergeant Lai [ Chor Yuen ] den Auftrag, den überaus wohlhabenden Geschäftsmann Lee Tai-sing [ Dennis Chan ] vor den Mannen von kidnapper's chief [ Lee Siu-kei ] zu beschützen. Um diese Aufgabe möglichst unauffällig zu erledigen, tauscht Lam mit Lees im Ausland aufgezogenen Sohn Jessy Lee [ Deric Wan ] die Identität, und tritt so auch in der Firma und in Gegenwart der Managerin und Jessys ehemaligen Sandkastenfreundin Jacky Chuck [ Maggie Cheung ] auf, während er seiner eigentlichen Flamme Shun [ Chingmy Yau ] die vorübergehende Abwesenheit einer Kooperation mit chinesischen Kollegen in Shenzhen vortäuscht. Doch nicht nur die Entführer versuchen die Anschläge, auch ein flüchtiger Räuberchef [ Xiong Xin-xin ] hat noch eine alte Rechnung offen.

Hierbei trägt vor allem der gerade seine ersten großen Erfolge im Showbusiness feiernde Aaron Kwok viel zu der eigentümlich aufgepeitschten und gleichzeitig vollständig gestrig wirkenden Atmosphäre bei; Kwok, eigentlich als Sängerknabe in das Licht der Medien gezerrt, leuchtet aus farbigster Zugänglichkeit, da schlichtem Box Office Verständnis auf die Zuschauer herab. Das damals gegenwärtige Vorstellungsvermögen setzt ihn besonders zu Beginn vom treffend mit dem Zusatz King of a Thousand Face betitelten komplett körperbetont in eine Videoclipästhetik ein, spielt auf der Tonspur die damals gängigen Weisen der ersten Alben an und verzehrt sich vollständig zu einem popartigen Kaleidoskop der Mainstream-Zerstreuung. Ob nackter Oberkörper, enge Hosen im mittlerweile schlechten, aber immerhin die Beine betonenden Schnitt, wehendes Haar und ein Ritt auf flotten Maschinen, durchgängig wird die hohle Fassade der öffentlichen Inszenierung zum alles bestimmenden Bewusstsein und der steigende Marktwert des oberflächlich erscheinenden Multitalents wie ähnlich zuvor bei Wongs Zugpferd Andy Lau zum einzig prüfenden Kriterium genommen. Wobei Kwok neben all der [oder auch durch die] Poserei im Großmonolog da ebenfalls Impulse selbstironischen Witzes zeigt, sich beinahe selbst karikiert, auch die wenigen akrobatischen Martial Arts Szenen bedienen kann und so zumindest die Waage der Sympathie zu seinem Gunsten ausschwingen lässt.

Die Potenzierung der allumfassend medialen Illusion und so auch das ewig Gültige von Wong Jing's Workshop Ltd. Arbeiten wird hierbei durch die Undercover-Aktion und dem Wechseln vieler Identitäten noch verstärkt; streiten sich im Film die Figuren selber um ihre Zugehörigkeit, verlieren diese gar oder wechseln sich in Tarnung und Täuschung zwischendurch schon wie im Zeitraffer ab, was gleichermaßen relativierend und qualifizierend die Stärke und die Schwäche der Handlung darstellt. Künstlich auf das Nun und Hier befristet und ebenso künstlich nur durch die unzähligen Variationen von Fight Back to School über Tricky Brains bis Tricky Master 2000 weiterlebend, hat auch der Film in nächster Nachbarschaft zu einem hohl galoppierenden Unterhaltungsrequisit kein wirkliches Dasein mit Autarkie und Erkenntnis verdient, ist aber auf rundweg sicherem Boden gepflanzt. Ein Nebeneinander von schon geäußerten Einfällen, mit der Vermeidung selbst geringster Änderungen. Kennt man einen, kennt man notgedrungen alle.

Ernährung und so auch Vernichtung erhält man dabei speziell vom Umgang mit der Mimik, Gestik und dem allgemein chaotischen, aber auch exakt getimten und in seiner Rastlosigkeit doch geordnet ausgedrückten Komödienzustrom von Stephen Chow, dessen Rhythmus von Wort- und Sprachverdrehung und burlesker Slapstickkomik man hier mehr oder minder und trotz vieler Bemühungen oft mit schlechterem, wenn auch nicht zu verkrampft erzwungen und so noch halbwegs angenehm wirkenden Ergebnis kopiert. Auch der ewige Sidekick Ng Man-tat und viel lockere Sexualmoral plus allerlei "bitch and wolf" Spielchen und Bikini-shots bei Poolparties tun ihr Bestes, den Wirbel der Déjà-vus zum allgemeinen Verständigungsmittel zustande kommen zu lassen.

Dramaturgisch mit höchstens mit Beiworten bekleidet wird die Geschichte zusätzlich mit einigen handgreiflichen Bestandteilen ergänzt, die den meisten westlichen Zuschauern noch das Erfreulichste an dieser Synthese zukommen lassen. So bekommt es der Millionaire Cop im Laufe der Anpassung auch mit diversen Gefahren zu tun und muss unterschiedliche Schurken bekehren, was Choreograph Yuen Tak zu so manchen Anregung inspiriert. Gerade die Attacken von Xiong Xin-xin sind auch mit nötiger Angriffslust, dies unterstreichender, da teils verstörend schräg stehender Kamera und vergleichsweise ausgeklügelter Kombinatorik der Bewegungen angeordnet, auch wenn die leichte Beschleunigung des Spieltempos durchaus augenfällig ist. Eine Straßenschießerei von Räubern und Polizisten, die anschließende Prügelei auf einem Baugerüst aus Bambus sowie eine weitere Auseinandersetzung in einer Eissporthalle, in der sich mit Schneidewerkzeugen an den Füssen duelliert wird, stellen sich als funktional robuste Einschübe in das sonstige Klamaukige dar und erschaffen im Lagerhaus-Finale mit der gar im Kontext heraus bearbeitenden Savior of the Soul Hommage ein schönes Beispiel gleichzeitig angenehm unaufdringlicher Parodie mit sich ergänzender Szenenfügung und Affektgestaltung.

Details
Ähnliche Filme