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½ Mensch – das gleichnamige Album war nicht lange zuvor veröffentlicht, da kam es im Rahmen der Berlinale zu einem Treffen zwischen dem japanischen Cyberpunk-Regisseur Sogo Ishii und den Einstürzenden Neubauten. Und kurz darauf zur Kollaboration.
½ Mensch – der Film ist nun nicht viel mehr oder weniger als ein Deluxe-Musikvideo, gespickt mit einigen dokumentarischen Elementen. Im Klartext: viele Eigenarten und viel Krach. Schöner Krach.
Der Film beginnt mit einer Kamerafahrt über viele Trümmerhaufen, darunter ein Haufen ausrangierter Fernseher, in denen das Bandlogo aufflackert, dazu erklingt das morbid-schöne „Armenia“ (vom Album „Zeichnungen des Patienten O.T.“). Und dann erblicken wir die einstürzenden Neubauten in gewohntem Ambiente: einer verlassenen, heruntergekommenen, ausgeräumten Fabrikhalle. Und wir sehen Blixa Bargeld in der Blüte seiner Jugend („der schönste Mensch, den ich je gesehen habe“ – Nick Cave), in enganliegenden Lederklamotten und zu Berge stehenden Haaren. Als sie performen, wird nach und nach das gesamte Equipment einzeln vorgestellt: die verstimmte E-Gitarre, die Metallrohre, der elektrisch verstärkte Einkaufswagen, der Presslufthammer... und zu guter letzt eben auch F.M. Einheit, Alexander Hacke, N.U. Unruh, Mark Chung und Blixa Bargeld.
Doch aus diesem reinen Performance-Video wird allmählich etwas anderes, etwas Merkwürdigeres und gerade als „Halber Mensch“ einsetzt, taucht eine irrationale Gefahr auf, die die Bandmitglieder einzeln anlockt und voneinander trennt, und wie dann so jeder auf sich gestellt ist, taucht zu „Z.N.S.“ eine Armee tanzender grauer Wesen auf, angeführt von einem dicken Japaner und gerade als diese Handlung ihrem Höhepunkt entgegensteuert...
...folgt ein abrupter Schnitt und wir sehen die Neubauten beim Stimmen ihrer Instrumente, sie bereiten sich auf einen Auftritt vor, proben „Yü-Gung“, es folgen tatsächliche Live-Aufnahmen von einem Konzert in Japan.
Abgerundet wird der Film schließlich von den Stücken „Der Tod ist ein Dandy“ und „Das Schaben“, und die mit Weitwinkelobjektiv aufgenommenen Schlussaufnahmen der Band am Rande einer Großstadt, Blixa Bargeld ungehörte Worte in ein Megaphon schreiend sind tatsächlich von beeindruckender Schönheit.
Klingt möglicherweise alles ein wenig befremdlich, vielleicht sollte man auch die Musik mögen um den Film zu genießen, aber für Bewunderer der Band ist dies wahrlich ein Muss. Und auch für alle anderen sicherlich einen Blick wert.

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