Review

"Die Brücken am Fluss" erzählt die Geschichte einer notgeilen Frau, die mal halbnackt im Wind steht, dann wieder nackt vor dem Spiegel liegt oder sich in der Wanne mit Hilfe von Wassertropfen an der Lippe nach ihrem baldigem Liebhaber verzehrt. Um das ganze ein wenig aufzupeppen gibt es die erste Stunde so tolle Dialoge wie: Möchten Sie eine Zigarette, ein Wasser, einen Eistee, einen Brandy, etwas Essen, ein Bier.... oder man fragt ob man beim Essen machen, Tisch decken oder Abwaschen helfen kann...wow!

Dazu brauche ich mir allerdings keinen Film anzusehen, das hab ich auch jeden Tag in irgendeiner Form zu Hause. Wenn man dann mal ein anderes Gesprächsthema gefunden hat, wird sich zum Beispiel darüber unterhalten, warum man denn nun aus einem Zug aussteigt, nur weil einem die Stadt gefallen hat - sehr aufregend!

Außerdem wimmelt es im Film an Ungereimtheiten. So ist es doch schon fraglich, dass man die Erlebnisse von 4 Tagen in 3 Tagebücher so detailliert aufschreiben kann. Die Frau hat ein tolles Gedächtnis! Allerdings stimmt da an der Einleitung schon was nicht. Da wartete sie angeblich darauf, dass ihre Familie endlich weg ist, denn sie hat ja nur 4 Tage Zeit. Wahrscheinlich ist sie Hellseherin, oder woher wusste sie dass da ihre Liebe des Lebens auf sie zukommt? Dann wirkt auch der Sohn am Anfang des Filmes mehr als unentschlossen. Erst will er den Brief wegwerfen, dann soll die Schwester eine Sekunde später weiterlesen...!

Mal davon abgesehen, dass der Film wie eine Schlaftablette wirkt, möchte ich mich auch zu folgendem Zitat einmal äußern: "Seit "Casablanca" wurde in den Kinos nicht so viel geweint." Nun frage ich mich ja warum. Also entweder ist moralisch gesehen Fremdgehen neuerdings in Ordnung (dann könnte man ja fast Mitleid haben) oder man weint, dass man sich diesen Film angesehen hat und seine Zeit nicht besser zu nutzen wusste.

Zum Schluss noch ein paar positive Aspekte des Filmes. Die Zwischeneinblendungen der Kinder sind ganz interessant, da man hier die Gespräche und Reaktionen auf das Verhalten der Mutter beobachten kann. Auch schauspielerisch gesehen kann man nicht meckern. Clint Eastwood und Meryl Streep spielen sehr überzeugend. Ich bin sicher kein Fan von solchen Filmen, aber da habe ich doch schon wesentlich bessere Streifen zum Thema Liebe mit mehr Tempo gesehen. Für Fans von Liebesfilmen und Romanzen könnte "Die Brücken am Fluss" durchaus ein lohnender Film sein. Alle anderen sollten den Streifen aber meiden!
gute 2 Punkte

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