Review

ACHTUNG! SPOILER!

Wes Olsens Film THE DARK SIDE OF MIDNIGHT ist eine ziemliche Zumutung.

Die Geschichte des Films handelt von einem geheimnisvollen Serienmörder, dem sogenannten „Creeper“ (Dan Myers), der seinen Wirkungskreis von Detroit in ein kleines amerikanisches Kaff verlegt hat, wo ihm bereits ein junges Mädchen zum Opfer gefallen ist. Da der örtliche Polizeichef Cooper (James Moore) mit dem Fall überfordert ist, engagiert er den mit allen Wassern gewaschenen Privatdetektiv Brock Johnson (Wes Olsen) der sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Nachdem ihnen der Killer dennoch mehrfach durch die Lappen gegangen ist, wobei dieser noch weitere Frauen und einen kleinen Jungen getötet hat, gelingt es Johnson schließlich, den „Creeper“ zu stellen. Zusammen mit seinem Unterschlupf wird er kurzerhand in die Luft gesprengt. Und Johnson kriegt zum guten Schluss „das Mädchen“...

Wenn es das Telefon nicht geben würde, wäre uns dieser Film mit Sicherheit erspart geblieben. Die Penetranz, mit der dem Zuschauer hier rekordverdächtig viele Szenen als Handlung verkauft werden, in denen die Protagonisten nur telefonieren, ist schlicht und einfach zermürbend. Ständig bimmelt, schrillt oder läutet irgendwo ein Telefon, ständig sitzen, stehen oder liegen die Darsteller irgendwo herum und wählen irgendwelche Nummern. Das kommt schon einem running gag gleich, hat aber Methode. Und nicht nur wegen dieses Telefonterrors, der sich nach ca. 30 Minuten ad infinitum steigert, stellt sich bei diesem Film ganz schnell die große Langeweile ein. Wer dennoch die schier endlosen 113 Minuten (!) durchhält, in der Hoffnung, dieser vom „Troma Team“ vermarktete Film könne noch die Eine oder Andere Überraschung bereithalten, sieht sich arg getäuscht.  It's all talk and no play! 

Die durchweg laienhaften Darsteller stammen sämtlich aus dem Freundes- und Familienkreis des Regisseurs Wes Olsen, und so treten sie auch auf, wobei so ziemlich jeder männliche Darsteller mit einem mehr oder weniger imposanten Schnauzbart gesegnet ist. Der von Dan Myers ohne die geringsten Ambitionen dargestellte „Creeper“, über dessen Motivation wir nichts erfahren, hat viel zu wenig zu tun, um irgendwie Eindruck zu hinterlassen. Mit seinem Holzfällerhemd und dem albernen Hut sieht er einfach nur aus wie ein typischer Hinterwäldler. 

Wes Olsen führte Regie bei diesem, im doppelten Wortsinn „Familienfilm“, hat das Drehbuch geschrieben, ist Produzent und Cutter und einer der Hauptdarsteller. Mindestens fünf weitere Personen mit dem Namen Olsen tauchen ebenfalls in den Credits auf. Zahlreiche Nachbarn des Regisseurs sind offenbar auch noch hier und da helfend eingesprungen. Ein Großteil der Darsteller hat zudem Aufgaben hinter der Kamera übernommen. Um die Freunde nicht zu verprellen, konnte Olsen sich wohl nicht dazu durchringen, auch nur einen Meter belichtetes Filmmaterial im Schneideraum zu lassen. So entstehen dann wahre Home-Movie-Epen. Da bleibt auch kein Platz mehr für Timing oder Dramaturgie, und so hat Olsen bei THE DARK SIDE OF MIDNIGHT so ziemlich alles das falsch gemacht, was Amateur-Erstlings-Epen-Regisseure so oft falsch machen. 

Handwerklich ist der Film durchaus passabel, auch wenn die Lichtsetzung in vielen Szenen wenig kunstvoll ausgefallen ist. Der ansprechende Titelsong weckt positive Erwartungen, doch was dann folgt ist eine amateurhafte Aneinanderreihung von Slasher-Film Klischees. John Carpenters „Halloween“ hat es dem Regisseur wohl ganz besonders angetan, da er diesem Werk in vielen Szenen (vergeblich) nacheifert und auch die Musik mehr schlecht als recht imitiert.  Darüber hinaus ist der Film für ein „Troma-Release“ erstaunlich trocken. Die wenigen Blutstropfen, die sich in den Film verirrt haben, muss man schon mit der Lupe suchen. 

Soviel Sympathie man auch haben mag für ambitionierte Amateurfilmer, ein Werk wie dieses kann einem den Spaß am Filme schauen wirklich verderben. Hätte Olsen den Film auf z.B. 80 Minuten gekürzt wäre vielleicht etwas daraus geworden. So ist ein weiterer Film entstanden, den die Welt nicht braucht.
Im Abspann dankt Wes Olsen noch 20 verschiedenen Einzelpersonen und Eheleuten (Mr. & Mrs.), zweifellos alles Leute, in deren Wohnungen der Film gedreht wurde, oder die Olsen Geld, ihr Auto oder sonst was zur Verfügung gestellt haben. Einen weiteren Film hat Wes Olsen nicht inszeniert.

Die niederländische VHS von „Hollywood Electric“ hat eine Laufzeit von 113:30 Minuten. Im Web kursiert eine Fassung mit einer Laufzeit von 88:56 Minuten. In Deutschland kam der Film unter dem Titel BLOOD CITY 1987 (FSK 18) bei „LVF Laser-Video-Film Communication“ aka „Rebell Video“ als VHS auf den Markt. 

Aus der Werbung:
Er ist der Creeper - wild, bestialisch und schlau. Es kümmert ihn einen Dreck, daß alle Bullen der Stadt ihn kennen!
Die 4. Dimension der Angst! (VHS)
By Knife, By Rope, By Axe, Bye Bye! (GB VHS)

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