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Yamakasi – Was ist das eigentlich?
Der Name ist nicht dem kommerziellen Geiste des französischen Geldgeiers Luc Besson entsprungen, obwohl der das Drehbuch zum Vorgänger schrieb, welcher wiederum hierzulande unter dem Titel „Yamakasi - Die Samurai der Moderne“ auf DVD veröffentlicht wurde und mit allzu typischen Humor Bessons streckenweise etwas albern geriet, in Frankreichs Kinos dafür aber umso erfolgreicher lief.
Auf die Idee zu diesem Film brachte ihn damals die Gruppe Yamakasi selbst, denn die genießen seit längerem einen legendären Ruf in Paris. Aufgewachsen im Stadtviertel Lisses inmitten von Plattenbausiedlungen, fanden sich Jugendliche zusammen, um die tristen, heruntergekommenen Bauten als Spielplatz zu nutzen und sich als Samurai zu gebärden. In ihrer Freizeit sprangen sie über Hindernisse, Dächer und Häuserschluchten, kletterten an Regenrinnen herum und steigerten ihr Geschick regelmäßig, bis sie selbst in schwindelerregenden Höhen ihrem akrobatischen Sport nachgehen konnten. Im Vordergrund stand nicht der Wettbewerb oder das Training, sondern der Spaß und die eigene Philosophie, die in beiden Filmen weitestgehend vernachlässigt wird. Besson fand die Geschichte der Jungs und Mädels so interessant, dass er mit ihnen über sie einen Film machen wollte. Heraus kam „Yamakasi - Die Samurai der Moderne“.
Dieser Extremsport, auch Free-running oder Le Parkour genannt, beeinflusst nicht nur Frankreichs Filmlandschaft nachhaltig (Siehe „Banlieue 13“), sondern genießt inzwischen auch einen großen Zulauf, der dem Sport allerdings viel von seiner Underground-Mentalität nimmt. Sponsoren stehen inzwischen Schlange und die Werbung hat sie als Werkzeug entdeckt...

Die Fortsetzung hat, abgesehen von den Hauptdarstellern, im Grunde nicht sonderlich viel mit dem Original gemeinsam. Man schlägt deutlich in die gleiche Kerbe, die der französische Actionfilm momentan auszeichnet: Rasant, kurzweilig und optisch versiert, inhaltlich aber blass. Genau darauf läuft es bei „Die Samurai der Moderne – Die dunkle Seite“ auch hinaus.
Julien Serie, schon am Erstling als Autor und Co-Regisseur mitbeteiligt, geht ohne Frankreichs Erfolgsproduzenten Luc Besson nun eigene Wege, setzt sich dieses Mal selbst auf den Regiestuhl und schrieb das Drehbuch, wobei er sich mit Xin Xin Xiong (Action-Director bei Filmen wie „Double Team“ und „Simon Sez“) und Stunt-Choreograph Seng Kawee ( u.a. „Men of War“, „Street Fighter“) gleich zwei Fachmänner ans Set holte, die ihn in den halsbrecherischen Hangeleinlagen der sieben Akteure in Bangkok entscheidend unterstützen. Dorthin zieht es sie nämlich.

Thailand, das selbst mit Filmen wie „Born To Fight“ jüngst internationale Aufmerksamkeit erregt, scheint seit neustem wieder ein gefragtes Produktionsland zu sein, weil die exotischen Kulissen, lange Jahre ungebraucht und ignoriert, Neugier und Interesse wecken, und damit frischer als amerikanische oder europäische Locations sind. „Sniper 3“ und „Vampires: The Turning“ sprachen dieses Jahr bekanntlich eine sehr ähnliche Sprache. Nun zieht es also auch die Franzosen dorthin, zumal die Produktionskosten dort weitaus geringer sein dürften.

Wie Serie seine Gruppe dort in einen Konflikt zwischen einem Triadenboss und dessen Nachwuchs involviert schien ihn dabei nicht wesentlich zu interessieren, denn ihr Kurzausflug nach Bangkok basiert letztlich nur auf der Entscheidung einem Freund dabei zu helfen eine Sporthalle für Straßenkinder einzurichten (Wie finanziert man so was eigentlich?). Eher versehentlich legt man sich vor Ort mit einem diebischen Fassadenkletterer an und schon ist man mitten im Getümmel zwischen Dieben, die zur Triade dazu gehören wollen, einem konspirierenden Nachwuchsgauner und dem altehrwürdigen China-Boss.

Der Plot ist hier schlicht das Klebemittel, um die zahlreichen Kletter- und Kampfeinlagen zu verbinden. Jene Gruppe von Dieben fühlt sich angepisst, dass die Franzmänner in ihrem Gebiet die Halle betreiben, das gibt wiederum Reibereien. Schließlich ist der Anführer von ihnen gar kein schlimmer Finger, sondern will einfach nur bei den Triaden dazu gehören, während seine Schwester sich in einen Yamakasi verknallt. Diese versuchen dann das Geschwisterpaar rauszupauken und so weiter und so fort.

Wenn die Yamakasis loslegen, gibt es einiges für Augen und Ohren und das nicht nur weil Julien Serie den Film in die von Frankreichs Filmwirtschaft wohl auch so langsam patentierte farbenkräftige Hochglanzoptik verpackt und einen fetzigen Score dazuknüppelt, sondern weil die Jungs absolut beeindruckende Stunts zum Besten geben. Da kann einem Angst und Bange werden, wenn die durch die Lüfte sausen, an Gerüsten abrutschen und sich ohne Netz und doppelten Boden mit den Gegnern zu prügeln beginnen. In diese Situationen wäre eine bessere Fightchoreographie zwar wünschenswert gewesen, aber leider sind die ja keine Martial-Arts-Künstler, weswegen man sich auch mit soliden und keinesfalls spektakulären Moves zufrieden geben muss. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn Serie hier und da in längeren Takes verweilt wäre, um die rasanten Aktionen besser zu zelebrieren. Vielleicht auch ein Zugeständnis bezüglich der Alterseinstufung. Waffen werden hier bisweilen zwar genauso eingesetzt wie Explosionen, sie treten aber eindeutig in den Hintergrund. Hier geht es um möglichst akrobatische Kletterorgien.

Dass nebenbei noch versucht wird mit abgedroschenen Phrasen und philosophischen Mauscheleien den reichlich oberflächlich abgehandelten Charakteren so etwas wie Hintergrund zu verschaffen und Anspruch zu wecken, wo gar keiner schläft, ist zwar nett gemeint, wirkt hier allerdings meist etwas lächerlich und aufgesetzt. Auch weil sie nur so kurzfristig angesprochen werden. Ganz als ob man nicht wüsste, ob man solche Elemente mit hineinbringen sollte oder nicht und sich letztlich für den Mittelweg entschied.

Das trübt die Kurzweiligkeit des Films allerdings nur in kleinen Momenten. Keine Frage, schauspielerisch hat die Truppe zudem nichts anzubieten, aber ihre Körperbeherrschung lässt Neid aufkommen und beeindruckt. Genau davon lebt der Film auch während seiner gut 90 Minuten.
Deshalb sollte man an „Die Samurai der Moderne – Die dunkle Seite“ nicht mit den Erwartungen gehen, einen Film im Stil des Vorgängers zu sehen oder es gar mit Samurais zu tun zu bekommen. Ich persönlich fand die Fortsetzung übrigens etwas besser.


Fazit:
Die Edeloptik gepaart mit sehenswerten Stunts und Klettereien, sowie der unverbrauchten Kulisse Bangkoks, das mit seinen Märkten, Gassen, Lagerhäusern und traditionellen Bauten eine ganz eigene Atmosphäre entfaltet, die sich vom amerikanischen und europäischen Einerlei abhebt, hieven „Die Samurai der Moderne – Die dunkle Seite“ in den guten Durchschnitt. So faszinierend die akrobatischen Hangeleien auch sind, auf die Dauer sind sie zu wenig, um den Film voranzubringen. Da die Fights sich dabei auch nur auf einem mittelprächtigen Niveau bewegen, der Plot selbst keine Interesse an seinen Figuren hat, sich nicht mit der dortigen Kultur selbst auseinandersetzt und seinen halbherzig konzipierten Triadenkonflikt auch nur mäßig spannend gestaltet, sowie die Akteure durchschnittlich agieren, kommt summa summarum das Mittelmaß bei heraus. Keine Frage, kurzweilig ist der Film allemal und er unterhält während seiner 90 Minuten auch, nur satt macht er mich als Actionfan nicht.

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