Review

Hier wird der ungekürzte Director's Cut besprochen:

Regisseur Antoine Fuqua (The Replacement Killers) ging bei "King Arthur" auf die gleiche Weise vor, wie es Wolfgang Petersen mit "Troja" getan hat. Er entfernte allerlei Fantasy-Elemente wie Drachen, Hexen usw. und inszenierte den Film auf realitische Art, wie es eventuell hätte passiert sein können.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches herrscht in England Anarchie. Seit Jahren befinden sich die Ritter des Landes im Kampf um die Territorien. Als die barbarischen Sachsen in das Land einfallen und Krieg ausbricht, folgt eine Zeit des Aufruhrs und der Verwüstung. Ein Mann jedoch scheint alle wieder vereinen zu können. Gemeinsam mit den Rittern der Tafelrunde, der zukünftigen Königin Guinevere (Keira Knightley) und dem tapferen Krieger Lancelot (Ioan Gruffudd) ist der große Herrführer Arthur (Clive Owen) entschlossen, der Herrschaft der Gewalt ein Ende zu setzen und England zu retten.

Clive Owen (Die Bourne Identität) mag eine gewisse Ausstrahlung haben und er weiß sie auch einzusetzen, doch würde er als James Bond eher taugen. Zwar spielt er nicht mies, aber auch nicht wirklich super. Durchschnittlich halt. Keira Knightley (The Hole) hat hier mal ausnahmsweise mehr zu tun, als aus der Not gerettet zu werden. Sie spielt Guinevere als kämpferische Amazone, der Arthur den Finger und einiges mehr einrenkt. Frauen, die wie Guinevere halbnackt in die Schlacht zogen, gab es wirklich, die den Römern nicht nur die Stirn boten. Ioan Gruffudd (The Gathering) ähnelt mit seinen beiden Schwertern um Rücken eher einem Ninja Turtle und er starrt auch ständig mit großen Augen durch die Gegend, doch er gibt eine passable Darstellung von Lancelot ab. Auf der Seite der stets angepissten Sachsen haben wir Stellan Skarsgard (Deep Blue Sea), der als Sachenführer eine ordentliche Leistung vorweisen kann. Dummerweise wird sein Sohn von "Bernd das Brot"-Visage Til Schweiger (Der Eisbär) gespielt, der auch hier nur grimmig guckt und rummotzt. Durfte Til in "The Replacement Killers", seiner ersten Zusammenarbeit mit Antoine Fuqua noch nicht einmal die Klappe aufreißen, so hat ihm der Regisseur hier wohl gesagt: "So, lieber Til. In diesem Film darfste auch mal ein bisschen sprechen. Aber nicht zu viel, das kommt sonst nicht gut rüber!" Leider ließ es Schweiger sich nicht nehmen, seinen Part für die deutsche Fassung auch noch selber zu synchronisieren. So klingt er mehr wie ein verärgerter Schuljunge als ein starker Krieger.

Zum Glück hat Produzent Jerry Bruckheimer (Con Air) diesen Film nicht von KrachWumBum-Michael Bay (Pearl Harbor) realisiseren lassen, da dieser das Werk wohl komplett gegen die Wand gefahren hätte. Doch die Arthur-Saga wäre eh nichts für Michael Bay gewesen. Denn schließlich gab es damals weder Hubschrauber noch US-Flaggen sowie aufgesetzten Patriotismus. Daher war Fuqua für Bruckheimer die bessere Wahl gewesen. Die Schlachten wurden (zumindest im Director's Cut) recht hart und blutig gestaltet. Auch wenn sie nicht opulent wirken wie in "Gladiator", "Last Samurai" oder "Troja", so sind sie doch sehr anschaulich. Es wird geköpft, Hände abgehackt und Hälser durchbohrt - das ist doch immerhin auch was. Lediglich bei der Eissee-Szene kann man sehen, dass der Computer eingesetzt wurde. Die Optik wirkt düster und rauh, so, dass man merkt, dass das frühe Mittelalter eben kein Zuckerschlecken war. Dann bekommt auch noch die frühere Politik der Kirche (Christen, Christen über alles... und alle Heiden dürfen misshandelt werden) eines auf den Deckel und Keira Knightley darf sogar einen Bischof umnieten. Mich wunderts, dass die konservative Kirche Amerikas bei solchen Szenen nicht wieder was zum rumjammern hatte.

Insgesamt ist "King Arthur" ein ordentliches Früh-Mittelalter-Epos, dass allerdings nicht an "Gladiator", "Braveheart" oder "Last Samurai" hereinreicht.

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