Man sollte doch manchmal auf sein Bauchgefühl vertrauen!
Und manchmal sollten gewisse Dreistigkeiten gleich pauschal mit brüllendem Gelächter an die Wand gedrückt werden. Fertig, aus!
Wenn also Jerry Bruckheimer, der Dauerproduzent aufgepumpter Actionware solider Bauart, einen Camelot-Streifen zusammenfinanziert und tönt, die einzig wahre, historisch verbürgte Version damit zu präsentieren, darf schon mal flugs zur Waffe gegriffen werden.
Das Ergebnis sieht ganz danach aus: ordentlich Geld wurde investiert, Schlachtengetümmel, Dreck und weniger forsch-mittelalterliches Rittertum a la John Boorman, dafür mehr historische Eckdaten wie den Übergang von der Römer- zur Keltenzeit.
Daß uns Artus als Legionär Arturius verkauft wird, geht ja dabei noch, seine Truppen mit ihren zum Schießen komischen Namen wie Galahad oder Lancelot als Angehörige eines osteuropäischen Kriegerstamms einzuordnen, entlockt uns schon einige gehörige Schmunzler. Und in dem Ton geht es weiter: der kriegsmüde Legionär mit seiner wenig gefüllten Tafelrunde; der letzte Auftrag, ehe die Recken endlich wieder frei sind, im dunklen Tann sitzen die bärtigen Pikten und planen Finsteres, weil Schottland schottisch bleiben soll und dann landen natürlich noch die Sachsen, denen man damals das Angeln noch nicht beigebracht hatte, weswegen sie im eroberten Land aus Rassenreinheit sogar die zu versklavende Bevölkerung komplett meucheln.
Die vielfach erzählte Artus-Sage erhält auf diese Art und Weise zwar erzählerisch endlich mal frisches Blut, doch der Ersatzplot krankt ebenfalls schon an jahrhundertealter Auszehrung. Da treffen die glorreichen Sieben auf die Konkurrenzarmee des 13.Kriegers und zwischendurch hört man Namen wie Artus, Lancelot und Guinevra.
Wobei die historischen Ungenauigkeiten (Armbrüste, sicher...klar...) noch nicht einmal die schlimmsten. Wahrhaft furchtbar dräuts, wenn die Charaktere den Mund aufmachen. Furchtbar gestelzte Dialoge, die nicht mal in „Excalibur“ so hölzern aufgesagt wurden, treiben hier auch noch die letzte Sau aus dem Stall. Und die Akteure wissen offenbar, wie es um ihre Texte steht. Clive Owen steht den künftigen König mit grenzenloser Verschlossenheit (man könnte auch Monotonie sagen), Ioan Gruffudd gibt einen Lancelot, dessen visuelle Bravoura durch das leblose Drehbuch gleich wieder abgetötet wird und Keira Knightley macht man Ganzkörperbodypainting auf Piktenamazone im geschnürten „Hasch mich, ich bin der Mischwald“-Leder-BH.
Der einzige, der so etwas wie Leben in diese Kostümplotte bringen kann, ist Ray Winstone, der ein bäriges Original namens Bors spielt, den einzigen Charakter, den man frei dazugedichtet hat.
Ergo verharkt sich der Film deutlich zwischen Anspruch und Umsetzung, will Neues bieten und hängt deswegen genau dort, wo auf die altbekannte Sage zurückgegriffen wird.
Natürlich können sich alle freuen, denen es nicht oft genug auf die Schnauze gibt, denn die Kampfszenen sind schön dreckig inszeniert, wenn auch mit der bewährt-blitzschnellen Schnitttechnik weitestgehend blutarm.
Aber wenn einem dann Klopfer winken, wie der blitzsauber in der Landschaft stehende Hadrianswall (der im 5.Jahrhundert schon deutlich angegriffen wirken müßte); wenn es zart zu schneien beginnt und das Ausweichen nach West-Südwest bedeutet, daß man kurz darauf in einem komplett zugefrorenen Mini-Fjord steht (im Drehbuch stand halt eine Kampfszene, das Wetter muß sich fügen), wenn es im Hintergrund ständig mystisch raucht und qualmt (wohl um das wechselhafte Wetter zu verschleiern), wenn Til Schweiger angepißt geifert und Stellan Skarsgard brummelt und dann Owen mit Standarte auf dem Hügel steht und es sich seine Mannen ganz musketierlike anders überlegen und doch lieber mitkämpfen wollen – dann, genau dann kommt der Film irgendwo im Niemandsland der Abenteuerblaupausen und der unfreiwilligen Parodien des Zitateblätterwalds an.
Ein albernes und mißglücktes Unternehmen, bei dem Geschmackssinn tapfer gelitten haben muß, wenn es noch so durchgehen soll. (3/10)