Die zweite Verfilmung der Jason Bourne-Romantrilogie wurde häufig, wie schon der erste Film, von Kritikern wegen der ohne Effektspielereien inszenierten ''Old-School''-Actionszenen gelobt. Diesmal ist es jedoch ein Synonym für thematisch altbacken und überholt. Das geht in erster Linie auf die Kappe von Drehbuchautor Tony Gilroy. Ihm gelang es nicht, das Szenario ins neue Jahrhundert zu konvertieren. Eigentlich versucht er es gar nicht, bei ihm balgen sich wie vor 20 Jahren in Berlin die Geheimdienste. Doch füllen wir das Ding von hinten auf, waren ja schon die letzten Worte des Wasserbetterfinders:
Jason Bourne ( Matt Damon ) hat sich nach den Geschehnissen des ersten Teils mit Freundin ( Franka Potente ) in Goa unters Hippie-Volk gemischt und wird von Alpträumen an eine vergangene Berlin-Mission gequält. Dort bahnt sich währenddessen neues Unheil an, als ein russischer Auftragskiller ( Karl Urban ) einen CIA-Deal platzen lässt. Der legt die Fährte mittels eines gefälschten einzelnen(!), äußerst dezent platzierten ( häh, häh ) Fingerabdrucks gen Bourne. DNA-Analysen wurden wohl bei der Tatortsichtung vergessen. Nice shot, möchte man sagen, als er zehn Filmminuten später auch noch Potente aus dem Weg räumt. Doch die Kugel war für Bourne gedacht, um der Agency gleich die passende Leiche zu liefern. Der dagegen kann entkommen und macht sich auf den Weg, um endlich seine verlorene Identität und eine großangelegte Verschwörung aufzudecken. In Italien, Berlin und Moskau trifft man sich.
Schon Sam Peckinpah scheiterte mit ''Das Osterman-Weekend'' an einer Robert Ludlum-Vorlage. Hier liegt das Problem an der Schlampigkeit des Drehbuchs. Neben bereits erwähnten Unausgegorenheiten noch weitere: Bourne hat den Sitz der Berliner CIA-Filiale ermittelt und postiert sich mit einem Scharfschützengewehr auf dem gegenüberliegenden Dach. An seine Identität kann er sich nicht erinnern, doch an das Versteck der Waffe im Flughafenschließfach? Und das CIA-Büro hat keine Panzerglasfenster, keine verspiegelte Front, nicht einmal Rollladen und ist für jeden einsehbar? Und die Computerüberwachung in Italien schlägt an, als er bei der Einreise identifiziert wird, aber nicht gegen Ende des Films in den USA? Und das nach dem 11. September?
Handwerklich hat Paul Greengrass die Regie-Staffel recht sauber von Doug Liman ( hier als Produzent ), der Filmschnitt wechselt gut getimed zwischen den Handlungssträngen. Auch ist es tatsächlich mal befreiend, einen Thriller klassischer Machart zu sehen, ohne mit digitalen Effekten plattgebombt zu werden ( zumindest war keiner als solcher zu erkennen ). Einen dicken Minuspunkt gibt´s aber für die Kameraführung, das Gewackel macht einen wahnsinnig und in einigen Szenen unmöglich, Personen und Handlungen räumlich zu erfassen und einzuordnen. Verwunderlich, zeichnet sich Kameramann Oliver Wood doch unter anderem für die stilvolle Arbeit in John Woo´s ''Face/Off'' und die bessere im Vorgängerfilm verantwortlich. Vielleicht liegts doch an der Regie...?
Die Schauspieler hangeln sich tapfer durch, auch wenn sie zum Teil vom Drehbuch allein gelassen werden. Matt Damon ist mittlerweile alt und fit genug, einen knallharten Agenten und zerrissenen Menschen annehmbar rüberzubringen, im ersten Teil wirkte er noch etwas zu jugendlich. Stiles und Potente dagegen wetteifern um die kürzeste Screentime und werden später auch nicht vermisst. Urban aber ist richtig markant, eine große Hauptrolle sollte damit endlich mal drin sein. Und auch Joan Allen macht das Beste aus ihrer Standardrolle und zeigt Profil.
Ein anderer Punkt ist der vor allem in den USA riesige kommerzielle Erfolg des Films. Anscheinend ist den Amerikanern ein mittlerweile überholtes, fast Kalter-Krieg-ähnliches Agentenszenario leichter verdaulich als ein Film über aktuelle Bedrohungen.
Insgesamt ein Film mit einigen guten - vor allem schauspielerischen - Ansätzen und vielversprechender Grundkonstellation, die aber von den schwarzen Handlungslöchern und einigen kameratechnischen Schlampigkeiten verschluckt werden. Das nächste Mal vor dem Drehen das Buch bitte gegenlesen!