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Der Kleinwagenfahrer unter den Topagenten muss sich zum zweiten Mal seiner Haut erwehren. Nachdem Jason Bourne im ersten Teil das Geheimnis seiner Identität lüftete, wird er im Nachfolger Opfer einer Verschwörung höchster Geheimdienstler.
In der gemütlich erzählten Einleitung wird Jason Bournes Leben im indischen Goa erzählt. Noch immer ist er mit Freundin Maria (Franka Potente)zusammen, noch immer plagen ihn Erinnerungsfetzen aus seiner Vergangenheit. Schneller als erwartet in Form holt ihn die in Form eines russischen Killers wieder ein. Der scheitert zwar in dem Versuch Bourne zu umzubringen, tötet jedoch Maria.
Angetrieben in seiner Rache für den Tod Marias deckt Bourne Stück für Stück die Hintergründe für diesen Mordanschlags auf. Dabei wird er wiederum mit Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert, die ihm mit fingierten Spuren zum Hauptverdächtigen in einer CIA-Untersuchung machen. Seine Hatz geht über Neapel, Berlin und endet schließlich im winterlichen Moskau.
Mit gewohntem Hang zum Realismus, wird Jason Bourne durch ein trübes verregnetes Europa gehetzt. Für die leisen Momente aus dem ersten Teil bleibt dabei leider kaum Zeit, dafür ist die Geschichte wesentlich ausgefeilter, wendungs- und vor allem actionreicher. Offensichtlich inspiriert von der atemlosen Katz-und-Maus-Jagd in „Aus der Flucht“ (1993) sitzen Jason Bourne sein Verfolger stets nur einem Atemzug entfernt im Nacken, sodass praktisch jede seiner Aktionen in eine Verfolgung ausartet. „Eine zuviel“ ist man am Ende des Films geneigt zu sagen, obwohl gerade der Showdown in Moskau auch den Action-Höhepunkt des Films darstellt. Entstellt werden die spektakulären Sequenzen durch den überbordnenden Einsatz von Handkameratechnik, der Unmittelbarkeit und Realismus suggerieren soll, in machen Fällen aber schlichtweg zu Übelkeit führte. Ein Stilmittel, mit dem ich mich - in solchen Ausmaß eingesetzt - eindeutig nicht anfreunden kann. Für diese Inszenierung verantwortlich zeichnet sich Regisseur Paul Greengrass, der bereits in seinem Nordirland Drama „Bloody Sunday“ (2002) eine ähnliche Bildsprache verwendet. Doug Liman, Regisseur aus „Borune Identität“ beschränkte sich diesmal aufs produzieren.
Der Eingangs schon erwähnte Tod von Franka Potente ist zugleich die größte Stärke und Schwäche des Films. Schmerzlich vermisst man die ruhigen Szenen aus dem ersten Teil, die einerseits den Schauspielern dazu dienten, ihre Charaktere auszuloten und andererseits dem Zuschauer, um mit ihnen zu sympathisieren. Das Fehlen von Franka Potente, die in Teil Eins deutlich mehr als ein Love-Interest des Protagonisten gewesen ist, hat zur Folge, dass diesmal sämtliche Probleme, denen sich Bourne gegenübersieht auf die „harte Tour“ gelöst werden müssen. Er verkommt wieder zunehmend zu der Killermaschine, die er einst gewesen ist.
Ein Sympathieverlust der allerdings nicht grundlos vorgenommen worden ist. Indem er seine Wandlung zum Schlechten erkennt, schont er zunächst im finalen Duell den Killer von Maria, um wenig später bei der Tochter seines ersten Opfers Buße zu tun. Ein Sinneswandel, den der Film erstaunlich plausibel vermittelt.
Ein wenig mehr Hatz und ein wenig mehr Platz für Zwischentöne hätten den Film gut zu Gesicht gestanden. Ansonsten wird dem Zuschauer aber alles geboten, was er an Teil Eins gemocht hatte inklusive beinharter Kämpfe, Kletterpartien und einer Verfolgungsjagd mit einem Kleinwagen.

Daran werde ich mich noch lange erinnern:
Jason Bourne bastelt aus einem Toaster und einem Stück Stoff einen Zeitzünder für eine Gasexplosion.

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