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Selten spielt eine Fortsetzung auf dem gleichen hohen Niveau wie das Original. Bei "Die Bourne Verschwörung" ist es aber tatsächlich so. Paul Greengrass (Bloody Sunday, Todeskommando Irak) löst Doug Liman (Mr. & Mrs. Smith, Go), Regisseur des Vorgängers, ab und macht einen guten Job. Dennoch ließ es sich Liman nicht nehmen einen Produzenten-Posten einzunehmen, damit Greengrass ja keinen Bockmist verzapft.

An seine brutale Vergangenheit kann Jason Bourne (Matt Damon) sich immer noch nicht erinnern, aber mit seiner Freundin Marie (Franka Potente) plant er eine friedliche Zukunft. Doch seine Hoffnung auf ein normales Leben findet ein jähes Ende, als er nur knapp einem Anschlag des russischen Killers Kirill (Karl Urban) entkommt, wobei Marie allerdings stirbt. Von einem unbekannten Feind gejagt zeigt Bourne, dass er keine leichte Beute ist und niemand seine Fähigkeiten, seine Entschlossenheit und seinen Überlebenswillen unterschätzen sollte.

Erneut mimt Matt Damon (Dogma, Ocean's 11) den Agenten ohne Erinnerung. Dabei geht er von Maries Tod motiviert noch härter und kompromissloser vor als im ersten Teil. Jedoch lässt man ihm Platz für emotionale Momente, was man u.a. bei Maries Ableben und dem Geständnis bei der Russin gegen Filmende sieht. Sein Gegner wird diesmal von Karl Urban (Riddick, Herr der Ringe) gespielt, der einen brauchbaren Feind abgiebt, auch wenn er nicht so charismatisch wie Clive Owen (King Arthur, Sin City) und Chris Cooper (Der Patriot, American Beauty) ist. Auch Joan Allen (Face/Off, Blutmond) gibt eine gute Performance ab, während Brian Cox (X-Men 2, Blutmond) den korrupten CIA-Mann zum Besten gibt. Lediglich Julia Stiles ("O", Vertrauter Feind) bleibt blass. Von Franka Potente (Lola rennt, Schlaraffenland) bekommt man hingegen nicht viel zu sehen, da sie gleich zu Beginn vom Russen beseitigt wird. "Von wegen deutscher Exportschlager! Weg damit!" haben sich die Produzenten und der Drehbuchautor gedacht. Allerdings gibt ihr Tod Bourne erst den Anlass sich nach Good Old Germany aufzumachen und den CIA-Knilchen einen Denkzettel zu verpassen.

An Locations hat "Die Bourne Verschwörung" einiges zu bieten, da Bourne von Indien über Neapel, München, Berlin bis nach Moskau tingelt. Das lässt Erinnerungen an die 007-Filme aufkommen, auch wenn Bournes Feldzug nicht dermaßen unlogisch und mit Spezialeffekten vollgestopft daher kommt wie die Einsätze von James Bond. Denn sowohl die Story als auch die Action wurde auf realitische Weise in Szene gesetzt, was auch ein Vorteil des ersten Teils war. So wird man vermutlich niemals erleben, dass Bourne in Slow-Motion auf 'nem Motorrad aus zehn Meter Höhe segelt und beidhändig fehlerfrei herumballert, während er sich vermutlich mit dem Pimmel am Lenker festhält, wie man es u.a. in "3 Engel für Charlie - Volle Power" und "I, Robot" zu sehen bekam. Eher prügelt sich Jason Bourne mit realitischen Kampfeinlagen durch den Film und weiß auch stets seine Puste fachgerecht einzusetzen. Dennoch konnte es Greengrass es nicht bleiben lassen, die eine oder andere Action-Szene mit schnellen Schnitten zu versehen, was den Spaß an der Action etwas mindert. Zudem ist Bourne ein Mensch aus Fleisch und Blut, der erschöpft und blutend vor seinen Verfolgern davon humpelt und eben kein Stehaufmännchen a'la James Bond ist, der meistens nur ein paar Kratzer abbekommt. Action-Höhepunkt ist dann die finale Verfolgungsjagd zwischen Kirill und Bourne in Moskau, wo man es ordentliche krachen lässt. Zudem hat man sich auch storymäßig was einfallen lassen, damit es nie langweilig wird. So denken die CIA-Knalltüten erst, dass Bourne ihre Agenten in Berlin umgenietet hätte, obwohl hinter den Morden die Russen stecken, um sich an Bourne zu rächen, da man noch eine Rechnung offen hat. Natürlich dürfen auch intrigante Spielchen innerhalb der CIA nicht ausbleiben. Das alles hört sich erstmal nach haufenweise Thriller-Klischees an, doch wurde das Ganze effektiv und spannend verpackt, so, dass der Film keineswegs klischeehaft wirkt. Schön ist auch zu sehen, dass sich Bourne in heimischen Städten austobt und auch unsere grünen Streifenhörnchen zum Einsatz kommen dürfen. In internationalen Produktionen sind diese nämlich selten bis garnicht vorhanden. Selbstverständlich wird dann erstmal die G-36 ausgepackt, um zu demonstrieren, was die deutsche Waffenindustrie zu bieten hat. Bewirken können die German-Cops gegen Bourne trotzdem nix, da dieser eben ein listiger Fuchs ist.

Da es allerdings insgesamt nur drei Bourne-Romane gibt, dürfte vermutliche lediglich noch eine Fortsetzung folgen, auch wenn bislang kein dritter Film geplant ist. Ob es danach genauso weiter gehen wird wie bei den 007-Filmen, wo nun pseudo-orginelle Drehbuchfritzen die hirnrissigsten Storys hervorzaubern, da alle Bond-Romane bereits verfilmt wurden? Man darf also gespannt sein, ob und wie es mit unserem beliebten Amnesie-Agenten weitergeht.

"Die Bourne Verschwörung" ist ein spannender Thriller, wo Charaktere und Handlung statt Dauer-Action im Vordergrund stehen. Mag die Zukunft von Jason Bourne momentan noch in den Sternen stehen, so hätte ich gerne mehr solcher Filme serviert bekommen, da sich hier auch ein mehrmaliges Ansehen lohnt.

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