Review

Lasst den Mann doch mal in Ruhe!

Während Doug Limans "Die Bourne Identität" unseren Helden wider Willen, Jason Bourne, extrem nah, persönlich & nachvollziehbar zeichnete, auch mit ruhigeren Phasen inmitten der Verfolgungsjagden & mitsamt einer süßen Liebesstory, ist die Fortsetzung wesentlich hektischer & unpersönlicher. Ein ausgewachsener Thriller & weit weniger dramatisch für mich, trotz sehr persönlichen Motiven für Bourne. Kühler, schneller, direkter, mehr der mittlerweile in die Geschichte eingegangene Bourne-Style, jedoch nicht wirklich besser. Nur das überraschend intime Finale geht einem wirklich nah, der Rest, sogar der Beginn samt seiner Liebe Marie in Indien, gerät etwas flach & fast objektiv. Was der damals neue Star-Regisseur Paul Greengrass, der auf ewig am ehesten mit der Bourne-Serie verbunden werden wird, in die Actionsequenzen an Tempo, Style & Shaky-Cam-Charakter legt, verliert er etwas in möglichen ruhigeren Abschnitten. Wäre da nicht der erste Teil, hätte man absolut gar kein Interesse am Geschehen oder Sympathie für Bourne - zum Glück verlaufen die Bourne-Filme in meinem Gedächtnis fast mehr zu einem einzigen Abenteuer, als jede andere Filmreihe, sodass die drei ähnlichen, aber anders akzentuierten Teile (Drama/Thriller/Action) voneinander profitieren, miteinander steigen & fallen.

Teil 2 ist wie der Name schon sagt, ein klassischer Verschwörungsthriller mit erheblichen Rache-Aspekt. Das ist eine gelungene Symbiose aus dem realistischsten Stil, der je einem Geheimagenten über gezogen wurde & "Ein Mann sieht Rot". Matt Damon wird hier endgültig zu seiner ikonischen Figur & weiß jederzeit, welche Knöpfe er drücken muss, ohne in den Autopilot zu verfallen. Franka Potente bleibt hier eher blass & spielt eine wesentlich kleinere Rolle als im ersten Teil, außerdem hat Bourne nun leider weniger Killer-Ex-Kollegen, die ihn ausschalten wollen. Der eine der da ist, Karl Urban, ist jedoch tödlich, eiskalt, wortlos & ein würdiger Gegenspieler, selbst wenn man immer weiß, dass gegen Bourne im Endeffekt keiner eine Chance hat. Zum Glück, sonst hätte es den Höhepunkt der Reihe/Teil 3 nicht mehr gegeben. Bournes eigentliche Gegner, die amerikanischen Geheimdienste, unterschiedlich, im Konflikt & sehr interessant dargestellt von Joan Allen & Brian Cox, sind ebenfalls Highlights & vielschichtiger als man erwartet.

"Die Bourne Verschwörung" bietet weniger & vor allem weniger gute Action als alle anderen Teile, dafür jedoch recht viel Spannung. Thriller eben. Die wenigen Fights & Verfolgungsjagden sind weder so klar dargestellt wie in Teil 1, noch so brachial & hart wie in Teil 3. Oft fast schon zu hektisch & unübersichtlich. Außerdem tritt man entwicklungs- & informationstechnisch, was unseren Protagonisten betrifft, etwas auf der Stelle & weiß am Ende nicht viel mehr als vor dem Film. Da bot Teil 1 einfach mehr Substanz & Ergebnisse. Was diese etwas undurchsichtige Verschwörung jedoch trotzdem aus dem Thriller-Durchschnitt & über den Jeremy Renner-Bourne (& "Jason Bourne") hebt, sind die üblichen Bourne-Tugenden, die man nicht als selbstverständlich nehmen sollte & die auch in Teil 2 noch absolut frisch & Trend setzend wirken: Energie, Bodenhaftung, Tempo, Adrenalin, Realismus, Technik & Anti-Hollywood-Feeling. Kein Geheimagenten ist so tödlich & gleichzeitig so ein sympathischer Milchbubi, so unauffällig & so normal. Das macht Jason Bourne fast zu so etwas wie einer Konstante & Freund. Das Teil 2 seinen größten Teil in Berlin spielt, ist ein weiteres Schmankerl aus deutscher Sicht & es ist einfach cool, bekannte Locations wieder zu erkennen oder gar für dramatische Action genutzt zu sehen. 

Fazit: auch die zweite Runde quer durch Europa mit dem Vergiss-Mein-Nicht-Agenten ist sehenswert, selbst wenn die Intensität trotz Paul "Wackelkamera" Greengrass nicht noch mehr gesteigert werden kann & diese berlinerische Bourne-Episode, die für mich schwächste, unpersönlichste der originalen Trilogie ist!

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