Review

Mit „Die Bourne Verschwörung“ meldet sich Jason Bourne auf angenehm hohen Niveau zurück und steht dem Vorgänger nur etwas nach.
Der Vorgänger orientierte sich ja bereits nur grob an der literarischen Vorlage und so fehlen auch diverse Anschlusspunkte, die Ludlums zweiter Roman der Bourne-Trilogie bot. Daher hat auch nur der Anfang geringfügige Ähnlichkeiten zum Buch: Jason Bourne (Matt Damon) lebt glücklich Marie Kreutz (Franka Potente), seiner großen Liebe, zusammen und erinnert sich bruchstückhaft an sein früheres Leben. Das sind jedoch die einzigen Gemeinsamkeiten (im Buch sind sie verheiratet, leben in Amerika unter dem Schutz des CIA usw.) und der Rest des Films erzählt eine ganz andere Geschichte als der Roman.
In Berlin läuft derweil eine CIA-Operation schief: Bei einem Deal werden zwei Agenten von dem russischen Killer Kirill (Karl Urban) ermordet, der zugleich den Verdacht auf jemand anders lenkt, indem er einen Fingerabdruck von diesem hinterlässt: Jason Bourne. Pamela Landy (Joan Allen), die Leiterin der Operation, will den Schuldigen natürlich stellen. Damit kommt der Plot zackig wie stimmungsvoll in Fahrt, sodass schnell schönes Agentenfilm-Feeling aufkommt.

Kirill fliegt nach Goa in Indien, wo sich Bourne und Marie verstecken, aber Bourne bemerkt seinen Verfolger und versucht mit Marie zu fliehen. Doch Kirill feuert auf ihren Wagen, trifft Marie und hält beide für tot, als das Auto von einer Brücke stürzt. Doch Bourne überlebt, nur für Marie kommt jede Hilfe zu spät. Damit wagt es „Die Bourne Verschwörung“ schon zu Beginn ausgetretene Pfade zu verlassen, denn wenn man schon so früh eine zentrale Figur des Vorgängers killt, dann muss sich der Zuschauer auf Überraschungen gefasst machen und darf kein 08/15-Sequel erwarten.
Bourne glaubt, dass Maries Mörder vom CIA geschickt wurde und denkt, dass er wieder gejagt wird. Damit hat er gar nicht so unrecht, denn nach dem Tod der Agenten beginnt Landys Team nach ihm zu suchen. Doch Bourne fasst einen Entschluss: Mit Hilfe seiner Agentenkenntnisse will er zurückschlagen…
„Die Bourne Verschwörung“ kommt nicht an den Vorgänger heran, aber ist auch nur ein kleines bisschen schwächer. Grund hierfür ist vor allem der Regiewechsel von Doug Liman zu Paul Greengrass. Greengrass’ Stil ist nüchterner als der des Vorgängers und benutzt für diesen realistischeren Look auch viel Handkamera, was leider nicht immer zum Vorteil des Films ist.

Gerade die Actionszenen verlieren durch Greengrass’ Stil stellenweise, da dieser sehr hektisch ist. Dies gibt den Szenen zwar viel Dynamik und macht Bourne Hetze wie Anstrengung klar, aber stellenweise ist die Kameraführung in den Actionszenen schlicht und einfach zu unübersichtlich. Vor allem der längere Wohnungsfight verliert etwas, denn durch die Machart kommt die exzellente Kampfchoreographie nicht voll zur Geltung. Dies meisten anderen Kämpfe beendet Bourne souverän und schnell; ansonsten bietet der Film noch einige Verfolgungsjagden, unter denen vor allem die finale Jagd hervorzuheben ist. Denn dieser Showdown hat zwar auch ein wenig mit der Machart zu kämpfen, bietet aber ansonsten eine perfekte Autojagd in bester „Ronin“-Tradition, die mit aufregenden Stunts und dem richtigen Gefühl für Tempo gemacht wurde.
Die Geschichte ist sehr spannend gemacht und schafft wie schon der Vorgänger den sehr guten Spagat zwischen zu komplex und zu simpel. „Die Bourne Verschwörung“ wartet auch wieder mit vielen überraschenden Wendungen auf, von denen Maries Tod zu Anfang nur eine ist, und der Film baut seinen Spannungsbogen konsequent auf, sodass er keine Sekunde lang langweilig wird. Das Tempo ist hoch, weshalb an sich nur Greengrass’ Regie das einzige Manko bleibt.

Sehr schön ist auch das Bemühen um Charaktertiefe. So arten Bournes Gefühle nach dem Verlust nicht in einen simplen Tötungstrip aus, sondern seine Rache ist sehr viel subtiler und überlegter. Dabei kommt Bourne sehr deutlich als zerrissener Charakter rüber, der gar nicht mehr kämpfen oder töten will und gegen Ende sogar einen mutigen Schritt zur Vergebung tut. Sein Schmerz nach dem Verlust seiner geliebten Marie bringt in ihm eine neue Seite zum Vorschein, die sehr schön durch kleine Gesten deutlich wird (z.B. beim Verbrennen der Fotos, als er eines doch behält).
Matt Damon spielt die Rolle auch beim zweiten Mal super und kann Bourne gefühlsmäßig sehr überzeugend zum Leben erwecken, sodass auch die dramatischen Aspekte sehr gut rüberkommen. Erfreulichweise sind wieder die Darsteller aus dem ersten Teil herangezogen worden, wobei Joan Allen, Brian Cox und Julia Stiles ihr Können dieses Mal in größeren Rollen zeigen können, während Franka Potente drehbuchbedingt weniger zu tun hat. Karl Urban ist ein charismatischer Gegner für Bourne, auch wenn er nicht an die Opponenten aus dem Vorgänger heranreicht. Auch die Nebendarsteller sind sehr überzeugend.

So ist auch „Die Bourne Verschwörung“ ein sehr spannender Agententhriller mit flotten Actioneinlagen, aber aufgrund der etwas zu hektischen Regie ist Bournes zweiter Einsatz geringfügig schwächer als der Vorgänger.

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