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Mako (Meiko Kaji) ist Anführerin der Weibergang 'Alleycats' und hat eine mehr als freundschaftliche Beziehung zu Baron (Tatsuya Fuji), der ebenfalls eine Bande führt. Als einer von Barons Untergebenen von einem Mischling (Halb Japaner, halb etwas anderes) sich seiner Freundin beraubt fühlt, wird Barons tiefsitzender Hass auf alle Halbblüter neu entfacht (denn seine Schwester wurde einst von eben jenen misshandelt) und eine üble Hetzjagd auf und Diskriminierung gegen die Mischlinge wird in Gang gesetzt. Dumm nur, dass Mako sich ebenfalls in ein Halbblut zu vergucken beginnt: Der selbstbewusste Kazuma (Rikiya Yasuoka) und die Girls müssen sich also irgendwie gegen Barons Schergen durchsetzen...

Stray Cat Rock: Sex Hunter zählt zwar durchaus zu den bekannten Filmen mit der süßen Kaji, doch hat er leider so seine Schwächen. Er ist inszenatorisch voll und ganz Exploitation. Schrille Farben und peppige Musik sind häufig anzutreffen und untermalen das Geschehen in gelungener Art. Doch gerade die peppige Musik wirkt planlos integriert und passt eher zufällig mal zum Dargestellten. Der Film behandelt ausschließlich ernste Themen und da kann die 70-Jahre-Mucke schon mal stören. Denn platt ist der Film keinesfalls: Charaktere wie der Baron und Mako sind tiefsinnig gestaltet und verleihen dem Film zumindest Anspruch.

Japan-typisch bleibt es dem Zuschauer zu weiten Teilen selbst überlassen, die Motive hinter den Denkweisen der Charaktere zu erkennen. Nur selten wird mit dem Finger derart darauf hingewiesen, wie es in der Rückblende über die Vergewaltigung der Schwester Barons geschieht. Auch das Verhältnis zwischen Baron und Mako ist aus Sichtweise beider Figuren interessant: Weder der Baron noch der Zuschauer weiß zu jeder Zeit, ob nun der Baron Mako kontrolliert oder umgekehrt; es prallen starke Individuen aufeinander und auch wenn sich Baron selbst als starken Mann sieht, so verweist ihn Mako doch in einer Schlüsselszene in seine Schranken. Doch auch Mako hat ihre Zwiespälte: Von dem Mischling Kazuma fasziniert, weiß sie selbst am dramatischen Ende noch nicht, was sie von ihren Gefühlen halten soll. Nach außen hin gibt sie sich stets hart, doch erst die extreme Situation am Schluss kann sie dazu bewegen, Kazuma ihre Gefühle preiszugeben. Dass es hier bereits zu spät ist, stellt eine der tragischen Tatsachen dar, die dem Film anzurechnen sind.

Leider gibt sich der Film nämlich ansonsten recht nüchtern, was aufgrund der peppigen Aufmachung verwundert. Aus den tiefgründigen Charakteren wird nicht alles herausgeholt; zu häufig verfällt der Film in dumpfe Schlägereien und der Hauptstory abträgliche Dialoge; es entsteht keine kontinuierliche Spannungskurve. Vielleicht ist dem Film auch einfach zu wenig Inhalt gegeben. Die spröden Außenaufnahmen verwundern mit ihrer ideenlosen Aufmachung obendrein.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut: Allen voran sorgt Meiko Kaji alleine schon für solide Unterhaltung und auch Yasuoka vermag mit seinem überzeugendem Minenspiel der Kazuma-Figur Leben einzuhauchen. Fuji als Baron hingegen fällt ein wenig ab, trotzdem ist seine Figur nicht weniger glaubhaft. Viel problematischer ist eigentlich die Unentschlossenheit bei der Protagonistenwahl: Einen richtigenen Hauptcharakter gibt es nicht; sowohl Kazuma, als auch Mako kann man diese Funktion zuschreiben und selbst Baron ist eigenständig genug. So wirkt der Film unfreiwillig wie ein Episodenfilm mit drei einzelnen Protagonisten, die nebeneinander nur in wenigen Szenen harmonisch existieren. Somit ist der Film in seiner Gestaltung nicht stringent genug.

Insgesamt offenbart sich hier ein gelungener, teils anspruchsvoller Exploitationfilm auf japanisch - in vielerlei Hinsicht. Tiefsinnige Charaktere verwundern im Genre, der Ansatz gefällt aber und ist zugleich die große Starke. Es bleibt aber beim Ansatz; der Film ist nicht immer harmonisch gestaltet und bisweilen staubtrocken. Es gibt eine Handvoll wirklich guter Szenen, aber das reicht nicht zum must see!

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