Review

Hier haben wir es mit einem "Meisterwerk des erotischen Filmes" zu tun, das in den 70er-Jahren das Kinopublikum geschockt haben soll.
In der Tat hat Regisseur Just Jaeckins ("Emmanuelle", "Gwendoline", "Lady Chatterleys Liebhaber") Film eine kontroverse Thematik als zentrales Thema: "Sado-Masoschismus" und die Unterwerfung der Frau des Mannes gegenüber. Alles Themen, die den emanzipierteren Damen unter uns einem Schlag ins Gesicht gleich kommen. Sicherlich gibt es heutzutage einige, darunter auch Frauen, die sado-masoschistisch veranlagt sind, aber einen ganzen Film über dieses Thema machen; geht das gut?

Nunja, erstmal muss ich anmerken, dass die gezeigten "S/M"-Szenen vielleicht damals schockiert haben, heute aber nicht mehr unbedingt das Maß aller Dinge darstellen; was ich sehr positiv bewerte, denn ich persönlich mag solche Art von Filmen überhaupt nicht.
Desweiteren kann man dem Regisseur nicht vorwerfen, dass er auch in diesem Film nicht sein Gespühr für passende Erotik an den Tag legen würde. Allein schon die Anwesenheit der Hauptdarstellerin, Corinne Clery, lässt den Zuschauer fasziniert in seinem Sessel sitzen. Sie ist atemberaubend schön, absolut sinnlich und überzeugt in der Titelrolle in jeder Sekunde. Am Anfang eine überrascht naive "Nymphe", dann selbst angewidert von den Demütigungen, entdeckt sie ihre Lust am Schmerz bis sie selbst fast zu einer "Meisterin" wird und damit dem Manne "ebenbürtig". Das alles nimmt sie in Kauf, wegen der tiefen Liebe zu Rene. Das sieht man ihr auch an, denn immer wenn sie Rene (Udo Kier) ansieht, strahlen ihre Augen und sie ist vollkommen zufrieden, vergessen sind die Demütigungen und der Schmerz.
Dies wirft im Grunde eine interessante Frage auf: Wie weit sind Frauen, aber auch Männer im Stande zu gehen, im Namen der Liebe!?

Den Vorwurf einen fleischgewordenen (geheimen) Männertraum inszeniert zu haben, muss sich Just Jaeckin jedoch gefallen lassen. Über weite Strecken des Filmes dienen diese betörend schönen Frauen einfach nur als Lustobjekte der Männer. Sie haben sich hinzugeben, wenn die Männer es wollen, und sie laufen ständig nackt herum. Sogar im normalen Leben haben die Frauen sich zu unterwerfen, wenn Mitglieder dieser "S/M"-Sekte sich zu Erkennen geben und Sex haben wollen. Dies ist schon arg fragwürdig und wenn sich die weiblichen Zuschauerinnen nun "angewidert" wegdrehen möchten, kann ihnen das niemand verdenken.
Dass die Romanvorlage ausgerechnet von einer Frau geschrieben wurde, kann bewusst als "Ironie" tituliert werden. Dieser Roman soll in seinen Demütigungen sogar noch weiter gehen als der Film, was durchaus sein könnte, denn Jaeckin spült die Thematik meistens weich. Ihn interessiert die erotische Komponente mehr als die Kontroverse. Aber wie schon eingangs erwähnt rechne ich ihm das positiv an, denn richtig harte "Sexploitation"-Filme sind nicht ganz mein Genre, was manche garantiert etwas anders sehen werden.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass dem Regisseur ein Film gelungen ist, der über weite Teile "seltsam" fasziniert und mit schönen urtypischen 70er-Jahre-Bildkompositionen aufwartet, dabei aber unheimlich ruhig, für viele fast langweilig, inszeniert ist. Die atemberaubende Corinne Clery, der (Film-)Männer sowohl auch (Film-)Frauen nicht widerstehen können, wertet das Gesehene auf jeden Fall auf. Hinzu kommt der Auftritt eines sehr jungen Udo Kiers, dessen Kultstatus nicht abzusprechen ist und der seine Sache sehr gut macht. Die teilweise doch recht schöne Musikuntermalung soll hier auch seine Erwähnung finden.
Als einen "Meilenstein des erotischen Filmes" würde ich ihn nicht titulieren, eher als guten Softerotikfilm, mit guten Darstellern aber einem sehr fragwürdigen Frauenbild, welches durch die eher seichte "Weichspül-Erotikinszenierung" nicht ganz verschleiert werden kann.
Wer auf 70er-Jahre-Filme steht und sich auch des Themas wegen nicht abschrecken lässt, kann einen Blick riskieren. Auf Grund der sleazigen 70's-Atmosphäre, der Musik und der unheimlich sinnlichen und wunderschönen Corinne Clery kann man ihn sich auf jeden Fall mal anschauen.

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