Review

Eine geradezu ekelerregend direkte Gefühlsplotte, die uns hier mit reichlich Stars aufgepumpt vorgesetzt wird, gemacht anscheinend für ein weitgehend schwarzes Publikum, um deren Kino-Heil bei derart platten und teilweise rassistischen Weihnachtsbotschaften man ernsthaft fürchten muß.

Nun gut, es ist ein Remake, da kann man für den Plot relativ wenig - aber man hätte sich ja mal etwas Neues einfallen lassen können.
Hat man doch, werden alle Fans jetzt sehnsüchtig rufen. Whitney Houston ist doch dabei, ein richtig dicker Star. Und singen kann sie auch noch.
Und deswegen wird man auch über die vollen zwei Stunden mit Gesangparts gepestet, ohne die der Film die nötigen dreißig Minuten kürzer wäre, um ihn irgendwie als Kitsch noch ertragen zu können. Denn Whitney probt nicht nur mit der Kirchengruppe, sie singt auch ihrem Sohnemann ein Schlaflied (das aber nicht wirkt), singt zwischendurch mal im Off und dann in ihrer Stammeskneipe zum Klavier von Lionel Ritchie. Und zum guten Schluß jault sie auch noch die Kinderweihnachtsgeschichte voll, weil sie die vorgesehene Maria mit einer Pipi-Puppe naß gemacht hat und darob erbost aus der Aufführung abhaut (vermutlich eher, weil man sie so plump herausgeschrieben hat).
Wem also das ständige Gesinge noch nicht den Nerv geraubt hat (oder gerade nichts zu Bügeln hat), der darf sich dann an der Rettung des arbeitsmüden Reverends ergötzen, dem gleichzeitig geraten wird, sich mehr um seine Schäfchen UND seine Frau zu kümmern, obwohl das doch eigentlich der Grund ist, warum er an Entscheidungschwierigkeiten leidet.
Trotzdem lehnt er den guten und göttlichen Dudley ständig ab, dessen Anwesenheit in diesem Film eigentlich überflüssig ist, denn wie in jedem guten Fernsehfilm kommt der Gottesmann von selbst darauf, daß er was falsch macht und was man dagegen tun kann.

Leider ist dies aber kein Fernsehfilm und deswegen sind noch reichlich überflüssig-kitschige Füllsel mit dabei, die uns partout nicht interessieren wollen und nebenbei noch absolut hirnrissig sind. Da holt der Reverend mittels aufrüttelnder Rede einen Jungen aus der U-Haft, für einen Fall, über den jeder Staatsanwalt nur gesagt hätte, man möge ihn mit derart schwachem Beweismaterial nicht belasten. Da will ein gerissener Spekulant (immerhin auch schwarz: Gregory Hines) Kirche und Viertel einebnen und alle schreien hurra (bis auf den Reverend und der auch erst nach Whitneys Intervention), doch nachdem Dudley auf einen freundlichen Besuch bei diesem vorbeigekommen ist, sitzt er am Weihnachtstage in der Kirche und schwört dem Mammon ab. Da jammert der bezaubernd grenzdebile Sohn von Whitney (der auch noch der Erzähler ist und so klingt, als wäre er auf Betäubungsmitteln) einem guten Freund hinterher und am Ende steht er, hach wir sind ja alle wieder so aktiv, daheim unter dem nächsten Weihnachtsbaum und wir sind alle soo glücklich...entschuldigung, ich muß das letzte Essen noch mal durchgehen....

Denzel Washington ist, wie gesagt, in diesem Film erfreulich überflüssig und nebenbei auch die einzige sympathische Figur, was vielleicht an seinem strahlenden Dauerlächeln liegt. Houston ist okay, wenn sie nur Sprechparts hat und Vance ist ebenso okay wie der Rest der Besetzung, die bei einem derartigen Kitschsumpf das Beste daraus macht.
Wobei wir auch schon beim Hauptanklagepunkt wären, denn diese Ansammlung von Gutmenschenbildern, die zur Weihnachtszeit die göttliche Intervention benötigen ist kaum zu verdauen, da sie dramatisch die volle Länge auf der Stelle tritt. Dudley ist wirkungslos, die angebliche Romanze mit Whitney entwickelt sich nicht (er kommt also nicht richtig in Gefühlnöte), beim Reverend weiß man nie, wo das Problem ist und der Erzähler wirkt kaum menschlicher als H.J.Osment in "A.I." oder als sei er gerade aus einem Hundezwinger geflohen.

Dafür bekommt aber das breitärschigste und geschmackloseste Product Placement vor "Head and Shoulders" in "Evolution", wenn Dudley verwirrt vor einem Windows Computer steht und sich das Logo dann in seinem Engelshandbuch wiederfindet. Zusammmen mit reichlich Schwarzen-Klischees, die wir schon aus "Der Prinz aus Zamunda" kennen und der komplett WEIßEN Einrichtung des reichen Schwarzen Hines (da fühle ich mich als "Weißer" schon fast beleidigt für so viel Plumpheit) und ich befinde mich im verabscheuungswürdigsten und gleichzeitig langweiligsten Weihnachtsmovie der 90er. Und da ist "Das Wunder von Manhattan" schon eingerechnet. Bleibt nur noch zu erwähnen, daß kurz vor Schluß doch tatsächlich eine Weiße in diesem All-Black-Cast vorkommt, übrigens eine biestig-doofe Aufnahmeleiterin. Na ja, wen wunderts? (2/10)

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