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Der kleine Mark (Elijah Wood) hat kaum den Tod seiner Mutter verkraftet, als sein Vater auch schon für zwei Wochen geschäftlich verreisen muß und seinen emotionell schwer angeschlagenen Sohn für diese Zeit bei dessen Onkel und Tante unterbringt. Hier lernt Mark auch seinen Cousin Henry (Macaulay Culkin) und dessen kleine Schwester Connie kennen. Anfangs erscheint es, als würden die Jungen gute Freunde werden, doch Henry entpuppt sich recht schnell als wenig liebenswerter Zeitgenosse: Erst tötet er mit einer selbstgebauten Armbrust einen Hund; dann verursacht er durch von einer Autobahnbrücke geworfenen Puppe einen Auffahrunfall und schließlich versucht er auch noch seine Schwester umzubringen. Mark erkennt recht bald, daß sein Cousin eine ernsthafte Bedrohung für die ganze Familie darstellt, doch niemand glaubt seinen Anschuldigungen. Als Henrys Mutter schließlich hinter ein schreckliches Geheimnis ihres Sohnes kommt, schwebt auch sie recht bald in tödlicher Gefahr...

"Das zweite Gesicht" (Originaltitel: "The Good Son") entstand bereits 1993 und suchte in den vergangenen Jahren auch schon wiederholt die deutschen Fernsehschirme heim. Regisseur Joseph Ruben variiert hier auf oberflächliche Art das alte "Bad Boy"-Thema und setzt in erster Linie auf die Vermarktung seines Hauptdarstellers Macaulay "Kevin allein zu Haus" Culkin, der dem Zuschauer hier als diabolischer kindlicher Soziopath präsentiert wird. Doch leider funktioniert dies nur rudimentär: Zwar wirkt Culkin recht unsympathisch, aber sein Spiel ist viel zu glatt und aufgesetzt, um auch nur ansatzweise wirklich bedrohlich zu wirken oder die offensichtliche psychische Derangiertheit Henrys überzeugend darzustellen. Das schauspielerische Talent seines Gegenparts Elijah Wood, der in jüngster Zeit als Frodo in "The Lord Of The Rings" zu größerer Bekanntheit gelangte, weist ebenfalls starke Defizite auf und erschöpft sich in theatralischem Augenrollen. Die Geschichte als solche ergeht sich in platten Gemeinplätzen, so zeugt es deutlich vom begrenzten Horizont der Macher dieses Films, daß Henrys erster "böser" Akt darin besteht, seinen Cousin Mark zum Rauchen zu verführen. Wer raucht, der quält auch Tiere und kleine Mädchen, so viel ist klar... Das oben erwähnte schreckliche Geheimnis Henrys, dessen Entdeckung schließlich zu einem leidlich dramatischen Showdown führt, ist leider schon nach der ersten halben Stunde vorhersehbar und auch optisch wird in diesem konventionell inszenierten Film nichts bemerkenswertes geboten: Das interessanteste sind hier noch die Aufnahmen der reizvollen neuenglischen Küstenlandschaft...

Wer Suspense mit bösem Kindlein will, der sei hier lieber an Mervyn LeRoys bitterbösen Klassiker "The Bad Seed" verwiesen. Culkin & Co spült man besser ins Klo.

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