Review

Kevin kommt allein in die Hölle


Nach „Home Alone“ war Macaulay Culkin auf dem Popularitätshöhepunkt und der (freche, aber grundsätzlich herzensgute) Liebling der Nation. Ach, der Welt! Und dann nahm er in „The Good Son“ fast eine 180-Grad-Kurve und spielte ein gewieftes, menschenfeindliches und böses Kind, das dem kleinen „Frodo“ das Leben zur Hölle macht... mindestens ein Geniestreich im Casting und zwei richtig starke Jungdarsteller, die nicht ohne Grund Stars waren/wurden/sind. Aber was kann dieser elegante und etwas cheesy Bad Child-Thriller noch? 

Leider keine Bäume ausreißen. Aber das muss ja auch nicht sein. Die beiden Jungs machen ihre Sache top, auch wenn Culkin einem erst recht spät die Haare zu Berge stehen lässt, nie der allerbeste Schauspieler war. Das abgelegene „Haus an der Klippe“ ist idyllisch und schön gefilmt. Ein solches Duell bis auf's Blut sieht man in diesem Alter selten bis nie. Und wenn er in locker unter 90 Minuten in's  Ziel einläuft, ist er keine Minute zu lang geblieben. Eher im Gegenteil - das letzte Drittel und das Finale wirken etwas gehetzt und plötzlich und abgehakt. Insgesamt hätte „The Good Son“ auch ruhig noch böser, blutiger und fieser ausfallen dürfen. Für meinen Geschmack. Manchmal läuft gefühlt nur die Sparflamme der Andeutungen und des Offs. Doch ansonsten ist das ein schöner Appetitanreger für größere Taten. Und eine Anregung in Sachen „die Natur des Bösen“. 

Fazit: getragen von zwei meist herausragenden Kinderstars, einem psychologisch-interessanten Kern, einer feinen Location und (angeschnittenen) verstörenden Aussagen zu psychopathischen Kindern bzw. dem (oft grundlos) Bösen im Menschen allgemein. Spannend. Konzentriert. Kurzweilig. Selbst wenn man nicht durchgängig vor Culkin Angst hat und alles eher wie eine Fingerübung wirkt, die das Mainstreampublikum nie zu sehr verschrecken will. 

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