Zum Zeitpunkt der Entstehung der Fernsehserie um den Privatdetektiv Thomas Magnum (Tom Selleck), lag das Ende des Vietnam-Krieges erst wenige Jahre zurück. Aus heutiger Sicht wirkt der Umgang mit den Auswirkungen dieses Ereignisses etwas oberflächlich, aber damals trafen die Macher der Serie den richtigen Nerv, denn die Stärke des Privatdetektives Thomas Magnum liegt in seiner charakterlichen Ambivalenz, die für die damaligen Verhältnisse schon genügend Kritik am Militärapparat verkörperte.
Die Mischung aus unstetem Privatdetektiv-Dasein und militärischer Vergangenheit funktioniert vor allem durch die Nebenfiguren TC (Roger E. Mosley) und Rick (Larry Manetti), mit denen er gemeinsam in Vietnam kämpfte. Während TC als Eigner einer privaten Hubschrauber-Fluggesellschaft eher seriös geworden ist, hat Rick als Nachtclub-Besitzer beste Kontakte zur Unterwelt. Der Zusammenhalt der Drei ist von entscheidender Bedeutung für die Identifikation mit Thomas Magnum, denn ihre Kameradschaft gibt seinem sonstigen Leben den notwendigen konservativen Halt.
"Wer braucht schon Schnee auf Hawaii?" gilt als Pilotfilm zur Serie, weil er sich einerseits über zwei Folgen der ersten Season erstreckt, andererseits die Figuren erstmals vorstellte. Neben TC und Rick spielt dabei die wichtigste Nebenrolle der Engländer Higgins (John Hillerman), der den Gegenentwurf zum flippigen Magnum gibt. Überaus korrekt in Kleidung und Umgang, arbeitet er als Verwalter des schwerreichen Besitzers eines großen Anwesens auf Hawaii, incl. zweier Blondinen und einem roten Ferrari. Magnum wohnt dort in einer Art Ferienwohnung, weil er sich um die Sicherheit der Anlage verdient gemacht hatte, und darf in der Regel den Ferrari benutzen.
Die Reibungen zwischen diesen gegensätzlichen Lebensentwürfen gehören zum komischen Potential der Serie, sind aber letztlich vom gegenseitigen Respekt geprägt, womit Magnums Rolle endgültig definiert ist - als ein ehemaliger Soldat, der sich ums Vaterland verdient gemacht hat, über ausreichend Fähigkeiten im Nahkampf und im Umgang mit der Waffe verfügt, die Freundschaft zu den ehemaligen Kampfgenossen pflegt, aber gleichzeitig dem militärischen Dienst entsagt hat und lieber ein hedonistisches Leben ohne Verpflichtungen führt - nicht ohne Grund auf Hawaii, das damals deutlich liberaler als das us-amerikanische Festland war.
Das sich der "Pilotfilm" vor allem Magnums militärischer Vergangenheit widmet, die immer wieder mit Szenen aus dem Vietnamkrieg in Rückblenden geschildert wird, ist nur folgerichtig, denn nur so können die einzelnen Charaktere schlüssig vorgestellt werden. Zu Beginn soll Magnum einen alten Kameraden am Flughafen abholen, aber da er wie immer zu spät kommt, sind ihm schon ein paar Verbrecher zuvor gekommen, die Lieutenant Dan Cook (Allan Williams) unter falschem Vorwand mitnahmen und ihn dann ermordeten. Allerdings ohne einen Verdacht zu erregen, denn in seinem Bauch sind Kokainpatronen geplatzt, wie sie von Schmugglern verwendet werden. Damit glaubt Cooks Vorgesetzter an einen Unfall und hält den Toten zudem für einen Verbrecher, dem keine militärischen Ehren zuteil werden.
Da Magnum seinen alten Kameraden kennt, glaubt er nicht an die Drogen-Theorie, und als dann noch dessen kleine Schwester Alice (Pamela Susan Shoop) eintrifft, zu der er früher Gefühle hegte, machen sie sich gemeinsam mit Rick und TC auf die Suche nach der Wahrheit. Dieses Muster ist typisch für eine Nachkriegszeit und kommt immer wieder im amerikanischen Film vor ( zum Beispiel "Späte Sühne" mit Humprey Bogart von 1947) - die ungebrochene Solidarität zwischen den Kämpfern, die keinen Zweifel am Charakter des Anderen zulässt. Das sowohl Cook, der zuletzt nur noch zu niederen Diensten eingeteilt wurde, als auch Magnum übel mitgespielt wurde, gehört ebenso in dieses Muster, aber natürlich trifft die Schuld daran nicht den Staat oder das Militär im Allgemeinen, sondern einen Vorgesetzten. Die Theorie vom Einzeltäter muss auch hier wieder als kritische Basis ausreichen.
Einen Mangel der Fernsehserie "Magnum" kann man daran nicht festmachen, aber die Schwäche der Pilotfolge wird dadurch deutlich. Die Serie lebt vor allem von Sellecks Charme und seinen Kommentaren aus dem Off, den Auseinandersetzungen mit Hiddings, der Freundschaft zu TC und Rick und den abwechselnden Liebschaften ohne Verpflichtungen. Die Kriminalfälle, die um die diversen "Running Gags" gestrickt werden, reichen in der Regel für eine 45minütige Folge aus, aber in dem anderthalbstündigen Pilotfilm wirkt die Story wenig konsequent, obwohl der Beginn durchaus vielversprechend ist. Zudem leistet der Film sich unfreiwillig komische Szenen, wie die Verfolgungsjagd der Verbrecher auf Magnums Ferrari. Nachvollziehbar ist noch dessen Angst, wie er die 60000 Dollar aufbringen soll, wenn das Auto beschädigt wird. Das dann aber keine Kugel aus dem ständig abgefeuerten Maschinengewehr den Ferrari auch trifft, ist schlicht lächerlich.
Wenn ein Pilotfilm vor allem den Betrachter in die Serie einweisen soll, dann erfüllt "Wer braucht schon Schnee auf Hawaii?" seine Funktion. Rein filmisch betrachtet bleibt er aber hinter der Qualität der Serie zurück (5/10).