Review

Southern Animality

Grindhouse-Klassiker Nr. 276

Platt könnte man sagen, in "Poor Pretty Eddie" treffen Blacksploitation und Backwood-Horror aufeinander. Doch so leicht macht es einem dieser berüchtigte Drive-In-Klassiker nicht. Es geht um eine erfolgreiche, schwarze Sängerin, die auf der Durchreise in den Hinterwäldern der Südstaaten eine Autopanne hat. Doch anstatt ihr zu helfen, vergewaltigt sie der gutaussehende, aber in seiner Traumwelt lebende Elvis-Lookalike (!)... nun wandelt die afroamerikanische Goldkehle zwischen Rache und Trauma an seiner Seite.

Das hört nach übelstem Exploitation-Krawall an, mit Gore, Sex und Perversionen. Sicher wurde er damals auch teilweise so beworben und eine gewisse Zwielichtigkeit kann die Produktion nicht gänzlich verbergen. Doch wenn man ihn genauer unter die Lupe nimmt, stellt man schnell fest, dass hinter der reißerischen Ausgangslage viel mehr steckt und vor allem aus ihr viel mehr gemacht wurde. Vor allem (schnitt)technisch ist das weit über allem, was sonst so aus dieser Ecke kommt. Die Atmosphäre lässt einen schwitzen, die Südstaatler werden trotz ihrer Grausamkeit und Dummheit nie als einseitige Monster dargestellt und der mundharmonika-lastige Soundtrack hat etwas ganz Spezielles. Wie der komplette, überraschend gezügelte und clevere Film, der nie schwarz-weiß malt. Und obendrauf könnte man das Ganze auf die komplette USA und die dortige Behandlung von Dunkelhäutigen und deren Schockzustand assoziieren. 

Fazit: von wegen Südstaaten-Gastfreundlichkeit. "Poor Pretty Eddie" ist Backwood-Psychoterror der alptraumhaftesten Sorte. Bahnhofskino zum Unwohlfühlen. Exploitation mit großer Klappe und noch mehr dahinter. Ungewöhnlich vielschichtig. Psychologisch grausam und wertvoll!

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