Travis Knight hat einen Mord mit angesehen, der einer Menge Gangster eine Menge Schwierigkeiten bereiten dürfte. So muss Travis vom FBI beschützt werden und sein Dasein in einem abgeschirmten Farmhaus fristen, zusammen mit seinen Eltern. Travis ist neun Jahre alt. Die angespannte Idylle auf der Farm wird jedoch bald zerschmettert, als die beiden Killer Cohen und Tate (Roy Scheider und Adam Baldwin) auftreten, Eltern und Leibwächter kaltblütig ermorden und den Jungen mitnehmen. Eine 350 Meilen-lange Fahrt durch Amerikas Straßen beginnt, die Stimmung ist gespannt, der Finger nah am Abzug. Und Travis tut alles, um zu überleben.
Die Prämisse hört sich zunächst irgendwie nach Kinderquatsch an: „Cleverer, kleiner Junge spielt zwei doofe Gangster gegeneinander aus“, aber „Cohen & Tate“ ist mitnichten ein Kinderfilm. Eric Reds Debütfilm ist ein eiskalter und brutaler Thriller, ein Roadmovie mit Killern und Psychopathen- und eben einem kleinen Jungen. Egal, wie unseriös sich die Story anhört, sie funktioniert. Das liegt natürlich an Reds geradlinigem Buch und der perfekten Inszenierung, aber auch an den tollen Schauspielern. Roy Scheider sieht man sowieso immer wieder gern, und die Rolle ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Er ist der stoische, kontrollierte Killer, jemand, der einen Auftrag erfüllt und Emotionen ausblendet.Adam Baldwins „Tate“ ist das komplette Gegenstück zu „Cohen“: laut, bösartig, psychopathisch, dumm und unkontrolliert. Baldwins Overacting funktioniert hier genauso gut wie Scheiders Zurückhaltung. Auch die Besetzung von Harley Cross, der den kleinen Travis spielt, ist durchaus gelungen.
Regisseur Eric Red ist vor allem durch seine Arbeit als Drehbuchautor bekannt, er schrieb Klassiker wie „The Hitcher“, außerdem „Near Dark“ und „Blue Steel“ für Kathryn Bigelow. Andere nennenswerte Drehbucharbeiten sind z.B. „The last Outlaw“, ein gelungener Geoff Murphy-Western mit Mickey Rourke.
Reds Spezialität sind brutale Roadmovies, existenzielle Action- und Initiationsfilme. Die Helden müssen durch die Hölle zu gehen, um dieser hinterher gestärkt zu entrinnen. Die Gewalt ist stets plötzlich und energiegeladen wie bei Peckinpah, sie ist natürlicher Bestandteil der „Initiation“. Die Antagonisten sind oft wilde oder auch melancholische Psychopathen, wie Rutger Hauers „Hitcher“. Adam Baldwins „Tate“ gehört sicherlich eher zur wilden Kategorie, er ähnelt besonders Bill Paxtons „Severen“ aus „Near Dark“ (auch optisch!).
Die meisten Regiearbeiten von Eric Red genießen keinen sonderlich guten Ruf, und tatsächlich ist „Cohen &Tate“ auch sein bester Film (mittlerweile hat er „100 Feet“ fertig gestellt, den hab ich noch nicht gesehen). Reds nachfolgende Filme haben etwas Halbgares („Undertow“, „Bad Moon“) oder leiden an abstrusen Plots („Body Parts“), an den Erfolg oder die Qualität von „Cohen & Tate“ konnte er jedenfalls nicht anknüpfen.
Erst mit dem Remake seines „Hitcher“ scheint er wieder gefragt zu sein, hat er danach doch einen weiteren Spielfilm realisieren können („100 Feet“). Jedenfalls hat Red die späten Achtziger Jahre mit seinen Drehbüchern und Filmen entscheidend mitgeprägt.
„Cohen & Tate“ ist noch immer ein Geheimtipp, selbst in den USA gibt es noch keine DVD. Definitiv ein Versäumnis, denn der Film ist ein klasse inszeniertes Kammerspiel (im Auto), lakonisch, hart, witzig- aber vor allem lakonisch. Scheiders letzter Satz bleibt definitiv im Gedächtnis!