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Bei Automobilherstellern ist im 3 bis 4 Jahre Turnus ein Facelift innerhalb einer Modelreihe gang und gäbe, so erscheinen bei fast allen bekannten Marken und Modellen neue Editionen mit kleinsten Verbesserungen um neue Umsätze mit möglichst wenig Aufwand zu generieren. Im Falle der unter B-Movie und Kampfsportanhängern beliebten Filmreihe Kickboxer gab es 1995 mit dem bis heute letzten Teil der Originalserie nicht nur ein belangloses Update, Kickboxer 5 - The Redemption liefert nämlich eine wahrliche Rundum Erneuerung. Drehbuchautor, Regisseur und die komplette Darstellerriege inklusive Titelhelden wurden vollwertig ausgetauscht, die Produzenten versuchten, in das etwas festgefahrene Franchise frischen Wind zu bringen, dass ihnen, zumindest was die Action und  die Schauspieler betrifft, mit Kickboxer 5 - The Redemption auch über weite Strecken gelingt. Ob man diese Fortsetzung nun als notwendig erachtet, dass muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ich persönlich sehe Kickboxer 5 insgesamt als versöhnlichen Abschluss der teilweise etwas durchwachsenen Martial-Arts Pentalogie.

Ungeahndet dessen präsentiert das Skript von Rick Filon die mit Abstand sinnbefreiteste Story aller Kickboxer Filme. Der ehemalige Kickboxer Mr. Negaal (James Ryan) lockt amtierende Kickboxchampions der ganzen Welt in seine fingierte Kickboxliga mit fadenscheinigen Versprechungen und dem schnellen Geld. In Wahrheit möchte Negaal nämlich nur als Rache für seine ungerechtfertigte Abstrafung die Kämpfer töten und deren Weltmeisterschaftsgürtel  als Trophäe sammeln. David Sloane, Held von Teil 2 bis Teil 4, wird ebenfalls ermordet. Doch als Negaal den Neu-Champion Johny Styles (Denney Pierce) eliminiert, hat er sich unwissentlich mit den falschen Leuten angelegt. Elitekämpfer Matt Reeves (Mark Decascos) möchte gemeinsam mit dem Kickboxer Paul Croft (Geof Meed) den Tod seiner Freunde rächen und reist nach Südafrika, um Mr. Negaal das Handwerk zu legen...

Rick Filon wird seinen geistig umnachteten Mumpitz höchstwahrscheinlich als innovativ verkaufen und ja er hat absolut Recht, auf so eine paradoxe Idiotie  ist auch im nicht gerade für seine anspruchsvollen Plots bekannten Martial-Arts Genre noch niemand gekommen. Meine oberflächlich gehaltene Inhaltsangabe schmerzt schon beim Lesen und wenn man dann noch die konfusen Wendungen und Erklärungen neben den partiell auftretenden Handlungslängen im Film mal sachlich-nüchtern betrachtet, ist hier der oft gegebene Rat bei B-Movies angebrachter den je, Hirn aus, sonst tut es weh! Welche Befriedigung Mr. Negaal beispielsweise verspüren soll, wenn er die Gürtel seiner erledigten Kickboxer sammelt, weiß nur er persönlich. Darüber hinaus ist das Handeln von Kickboxer Paul Croft frei von jeglicher Nachvollziehbarkeit, der warum auch immer, Reeves verschont, obwohl er auf diesen angesetzt wurde, schlussendlich macht er dann mit ihm auf einmal gemeinsame Sache.

Wer in der Lage ist, den berühmt berüchtigen Bierdeckel-Plot auszublenden, den belohnt Regisseurin Kristine Peterson mit der besten Actionpräsentation seit Teil 2. Die zahlreichen Martial-Arts Zweikämpfe visualisiert sie temporeich und akrobatisch sowie stets übersichtlich mit einer einwandfreien technischen Realisierung. Der Härtegrad ist beachtlich, aber niemals übertrieben und die Fokussierung auf die einzelnen Duelle der Kontrahenten, vor allem in dem als Highlight  zu wertenden Showdown des Films, kann auf ganzer Linie überzeugen. Bei der lobenswerten  Inszenierung wundert es mich, dass sich für sie nach Kickboxer 5 - The Redemption keine weiteren Regieprojekte für Actionfilme aufgetan haben.

Einen großen Teil zum Aufstieg in höhere Actiondimensionen trägt auch das gefällig auftretende Ensemble bei. Ja, richtig gelesen, es gibt wirklich einen Kickboxerfilm, in dem die Akteure positiv  herrausstechen. Alleine Marc Decascos hievt mit seiner wuchtigen Präsenz sowie seiner markanten Ausstrahlung die Qualität der Darstellung auf ein erhabeneres Level und das dieser Mann mit hervorragenden Martial-Arts Fähigkeiten gesegnet ist, sollte sowieso hinreichend bekannt sein. Geof Meed mimt mit seinem erfrischenden Auftreten den perfekten Sidekick für Decascos, die teilweise humorigen Buddy-Movie Einflüsse haben dem Unterhaltungswert von Kickboxer 5 jedenfalls nicht geschadet. Als heimlicher Star des Films darf sich James Ryan  mit seiner diabolisch perfekten, charismatischen Performance als Hauptantagonist und Oberschurke fühlen, auch ihm gelingt es ebenfalls mit einer sehenswerten Kampfsportdarbietung zu punkten, endlich gibt es für den Titelhelden mal wieder einen ernstzunehmenden  Endgegner.

In der Kickboxerreihe nimmt Kickboxer 5 - The Redemption für mich persönlich hinter dem kultigen Original mit Jean Claude Van Damme und dem direkten Nachfolger Kickboxer 2 - Der Champ kehrt zurück den dritten Platz ein, Teil 3 und Teil 4 kann der Streifen jedenfalls mühelos in den Schatten stellen. Kickboxer 5 - The Redemption ist bestimmt keine perfekte Genreunterhaltung, kann aber dank prima realisierter Martial-Arts Action und den fähig agierenden Schauspielern die grottenschlechte Handlung fast vollständig vergessen machen, von daher hat sich der Film eine leicht überdurchschnittliche Wertung allemal verdient, 6 von 10 Punkte halte ich für absolut angemessen.

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