Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung vom Label Marketing!

Der reißerische deutsche Verleihtitel "Großangriff der Zombies" ist irreführend, denn wer hier aufgrund des Titels einen Film mit schlurfenden und Gedärme fressenden Untoten erwartet, wird sicherlich beim ersten Auftauchen der Kreaturen enttäuscht sein.
Weder der italienische noch der englische Originaltitel deuten auf Zombies hin, auch wird in keinem Satz des Films auch nur einmal das Wort "Zombie" erwähnt.

Vielmehr handelt Umberto Lenzis Horrorfilm von einem Störfall in einem Atomreaktor. Die dabei in die Atmosphäre gelangte Strahlung verwandelt die Menschen in mörderische Bestien mit ungeahnten Superkräften, deren Zellstruktur durch frisches Blut regeneriert wird und sie unsterblich erscheinen lässt. Nur durch die vollständige Zerstörung des Gehirns sind sie aufzuhalten. Doch bis das Militär zu dieser Erkenntnis kommt ist es bereits zu spät.

Regisseur Lenzi bedient sich diverser Stilmittel aus den herkömmlichen Zombiefilmen, erweitert diese durch die Idee mit den sehr beweglichen und organisiert agierenden Monstern und schafft es in vielen Szenen, eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und die Spannung zu steigern.
Dabei legt er gleich von Beginn an ein enormes Tempo vor, das er bis zum Ende konsequent durchhält,  und serviert dem Zuschauer einen Angriff der Kreaturen nach dem anderen.

Diese sind technisch nicht immer perfekt umgesetzt, hier und da schleichen sich des öfteren diverse Regiefehler ein. Beispielsweise stimmen mehrmals die Wunden der Opfer nicht mit der Art des Angriffs überein oder bei mehreren Einschüssen  ist keinerlei Blut zu sehen.
Die Effekte sind dabei sehr preisgünstig ausgefallen, nehmen aber im Verlauf des Films immer mehr an Härte zu und verfehlen nicht ihre Wirkung beim Zuschauer.
Stelvio Ciprianis Score ist sehr düster und untermalt die apokalytische Atmosphäre sehr gut. Bei den Angriffen passt sich Ciprianis Komposition dem schnelleren Tempo der Inszenierung an.

Darstellerisch fallen dem Fan lediglich drei bekannte Namen auf: Hugo Stiglitz, Francisco Rabal und der alternde Hollywood-Star Mel Ferrer, der hier noch am überzeugendsten agiert.

"Großangriff der Zombies" ist Trash pur und für italienische Verhältnisse und das minimale Produktionsbudget ordentlich umgesetzt. Ständig wechselnde Locations und viel Action sorgen für ein Höchstmaß an Unterhaltung.
 
Damit auch der Exploitation-Faktor nicht zu kurz kommt, gibt es eine kurze Sexszene und die Kamera hält voyeuristisch fest, wenn den weiblichen Opfern die Blusen zerrissen werden.
Auch der absurde, vollkommen sinnfreie Dialog zwischen Major Warren und seiner Frau über Metaphysik und die unheimliche Ausstrahlung ihrer Tonskulpturen sorgt für Kopfschütteln, unzählige Situationen für unfreiwillige Komik.

Dennoch ist Umberto Lenzi einer der spannendsten und innovativsten Vertreter des Genre gelungen und kann mit Recht mit Werken wie Lucio Fulcis "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" oder "Leichenhaus der lebenden Toten" in einem Atemzug genannt werden.

Wer sich damit anfreunden kann, dass Zombies bereits lange Zeit vor "28 Days/Weeks Later" sich schnell bewegen und mit Waffen umgehen konnten, wird bei "Nightmare City" bestens unterhalten und mit einer verblüffenden Schlusspointe überrascht.

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