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„Requiem for a dream“… Die Totenmesse für einen einzigen Traum wird hier gebetet… Das ist er also, der von allen Seiten so hochgelobte (Anti-)Drogenfilm von „Pi“-Regisseur Darren Aronofsky. Und auch ich muss mich in den Kanon der Begeisterung einreihen, denn was uns hier gezeigt wird ist ein filmisches Meisterwerk.

„Requiem for a dream“ zeigt uns die Geschichte von vier gescheiterten Existenzen. Vier gescheiterte Existenzen, von denen jede für sich einen Ausweg aus ihrer Tristesse finden will und diesen Ausweg letztlich scheinbar nur noch mit Hilfe von Drogen begehen kann. Da wäre zum einen Sara Goldfarb (Ellen Burstyn), die in dem Moment, in der ihr mitgeteilt wird, dass sie in ihrer Lieblings-Fernsehshow auftreten soll, in einen wahren Schlankheitswahn verfällt und schließlich nach und nach von Diätpillen abhängig wird. Auch ihr Sohn Harry (Jared Leto) ist den Drogen vollkommen verfallen und versucht gemeinsam mit seinem Kumpel Tyrone (Marlon Wayans) das schnelle und einfache Geld im Drogenmilieu zu machen. Und da wäre schließlich Harrys Freundin Marion (Jennifer Connely), die ebenfalls schon tief in ihrer Drogensucht steckt und letztlich auch nicht mehr davor zurückschreckt, sich zu prostituieren, um an den nächsten Schuss zu kommen.

Vier Hauptcharaktere, jedoch ist keiner dieser vier Charaktere ein richtiger, typischer Held. Das mag vielleicht befremdlich wirken, im Falle von „Requiem for a dream“ ist die ganze Sache jedoch sehr stimmig. Denn Sara, Harry, Tyrone und Marion stellen typische Antihelden dar, deren physischer und psychischer Zerfall gleichzeitig die Klimax der gesamten Geschichte bildet. Sie sind vier Menschen, mit deren Handlungen sich der Zuschauer nicht so recht identifizieren will (und auch nicht soll), die dem Zuschauer aber dennoch auf eine seltsame Art und Weise ans Herz wachsen und mit denen man am Ende sogar ein wenig Mitleid hat. Denn so komisch es erscheinen mag, jeder der vier Protagonisten verfolgt seine Ideale. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Traum: Sara, die die Erfüllung ihres Traums zum Greifen nah hat, denn sie darf endlich im Fernsehen auftreten. Harry und Tyrone, die noch immer vom großen Geld und der endgültigen Unabhängigkeit träumen. Und Marion, die Designerin werden will. Traurig nur, dass alle vier die endgültige Erfüllung ihrer Träume offensichtlich nur mit Hilfe von Drogen erreichen können.

Aronofsky setzt auf Kontinuität. Jede Szene, in der sich die Hauptfiguren wieder einen Schuss geben oder etwas einschmeißen, ist exakt gleich aufgebaut. Schnelle, kurze Schnitte mit ein und denselben akustischen Untermalungen signalisieren dem Zuschauer immer wieder: Jetzt ist es wieder so weit… Beeindruckend sind ebenfalls die Szenen, in denen Aronofsky bewusst den Zeitraffer auf seine Hauptdarsteller setzt, um seinem Publikum zu zeigen, dass sie schon nicht mehr in der uns bekannten Realität leben, dass sie kein richtiger Bestandteil unserer Gesellschaft mehr sind. Optisch ist „Requiem for a dream“ ein richtiger Leckerbissen, und das von der ersten bis zur letzten Minute.

„Requiem for a dream“ versetzt dem Zuschauer einen Schlag in die Magengrube nach dem anderen, was sich im Finale schließlich dazu entwickelt, dass der Zuschauer mit seinen Emotionen allein gelassen wird. Man fühlt mit den vier Antihelden mit, obgleich man weiß, dass sie es ja eigentlich „nicht anders verdient haben“… Man kann den Zerfall der vier Protagonisten hautnah nachvollziehen, ohne dass man auch nur einmal etwas mit Drogen zu tun hatte. Aronofsky belehrt den Zuschauer hier knallhart über die (Aus-)Wirkungen von Drogen, ohne dass er mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt. Diesen Film sollte man sich nur dann anschauen, wenn man danach auch mit einem Kloß im Hals und einer nicht gerade positiven Grundstimmung leben kann. Lässt man sich auf den Film und seine Botschaft ein, so muss man einfach begeistert sein. So wie ich… 10 Punkte!

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