Ellen Burstyn spielt eine einsame Witwe, die eine TV-Sucht entwickelt hat und nun, da sie möglicherweise in eine ihrer Lieblingssendungen eingeladen werden soll, Diätpillen und andere Mittel schluckt, um wieder in ihr feierliches rotes Kleid zu passen. Ihr, sie nur selten besuchender Sohn, gespielt von Jared Leto, dealt derweil mit seiner Freundin, gespielt von Jennifer Connelly, und einem guten Freund, gespielt von Marlon Wayans, Drogen. Da die drei jedoch immer häufiger selbst zu ihrer Ware greifen und sich die örtlichen Geschäftsbedingungen allmählich verkomplizieren, wird es für sie immer schwieriger ihre Existenz im Drogengeschäft zu sichern. Für alle Beteiligten ziehen ihre Süchte schreckliche Konsequenzen nach sich.
Wer seinen verstörenden Experimentalfilm "Pi" gesehen hatte, konnte sich bereits ein Bild davon machen, welchen Ideenreichtum Darren Aronofsky bei der Ausarbeitung seiner Drehbücher an den Tag legt und wie viel Innovation er auch in seinen Inszenierungen zeigt. Während sich Aronofsky bei seinem Nachfolgewerk "The Fountain" mit seinen Ideen und Innovationen übernahm und zuletzt in "The Wrestler" ein wenig zurückhielt, handelt es sich bei "Requiem for a Dream" ebenfalls um ein absolutes filmisches Unikat, das nicht umsonst zum Kultfilm avancierte.
Aber von vorn: Aronofsky stellt zunächst einmal seine Charaktere vor, zeigt auf, warum und wie schnell sie in ihre jeweilige Suchtsituation (TV / Muntermacher / Rauschgift) gekommen sind, bzw. worin die Träume der einzelnen Charaktere liegen (Aufstieg / Gründung einer eigenen Existenz / Der Auftritt in einer TV-Show im Lieblingskleid) und dann beginnt er mit seiner Geschichte. Bereits am Anfang und dann zunehmend im Mittelteil sind ein paar inszenatorische, vor allem visuelle, Kniffe dabei, schnelle Bilderfluten, wenn einer der Beteiligten Drogen nimmt, aber noch steht die Geschichte im Vordergrund, die anfangs noch nicht so recht fesselt, doch dann zunehmend an Fahrt aufnimmt.
Dabei zeichnet sich immer deutlicher ab, dass keiner der vier Figuren seinen Traum erreichen wird und, dass alle beim Versuch scheitern werden. So bleibt Aronofsky zu jedem Zeitpunkt im Rahmen des Realistischen, Denkbaren, sodass "Requiem for a Dream" zunehmend bedrückender und depressiver gerät. Dabei lässt er es jedoch ein wenig außer Acht, den Film zumindest anfangs nicht ganz so distanziert zu gestalten, so fällt es hier stellenweise etwas schwer, Bezug zum Film aufzubauen, aber zum Ende hin gelingt dies dann auch so.
Dann kommt es also zum Scheitern der Charaktere, das zwar vorhersehbar war - nicht jedoch der Grund und der Verlauf - aber ohne den moralischen Dampfhammer, ohne lange Aufnahmen von den ausgebrannten Gesichtern, ohne melancholische Musik, ja beinahe komplett ohne Worte vermittelt wird. Aronofsky beschränkt sich hier nur noch auf seine abschreckenden, verstörenden aber doch faszinierenden und eindringlichen Bilder. Zunehmend schneller verknüpft er mit rasanten Schnitten das tragische Schicksal seiner Charaktere, ihre Ausweglosigkeit, ihre Verzweiflung, ihr mittlerweile vollkommen unabwendbarer Niedergang werden in unerträgliche Bilder und Schnittfolgen gefasst, die einen kaum mehr loslassen, wobei an dieser Stelle auch der hervorragende, ebenso eindringliche Score zu nennen ist, und dann endet Aronofskys Werk und lässt seine Zuschauer mit dem Abspann allein. Aber so beeindruckend seine finale Bilderflut auch sein mag, eines vernachlässigt Aronofsky dann doch: mit etwas weniger Verfremdung in der ersten Filmhälfte und etwas besser ausgearbeiteten Charakteren wäre "Requiem for a Dream" einer der besten Filme aller Zeiten geworden.
Da "Requiem for a Dream" vor allem durch seine Bilder getragen wird, spielen natürlich auch die Darsteller eine nicht unerhebliche Rolle und hier ist es besonders Ellen Burstyn, die grandios aufspielt. Die Oscarpreisträgerin, die schon seit den frühen 70ern zu den besten Charakterdarstellern Hollywoods gehört, spielt den verwitweten TV-Junkie beängstigend überzeugend, bringt die Anfälle und Halluzinationen ihrer Figur vollkommen authentisch auf die Leinwand, während sie ihren gebrochenen Charakter auch in den wenigen Gesprächen mit dem Sohn zu jedem Zeitpunkt emotional sehr präzise spielt und somit einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt. An Burstyn kommt keiner der übrigen Darsteller heran, auch wenn Jennifer Connelly, die vor allem in den folgenden Projekten "A beautiful Mind", "Dark Water" und "Das Haus aus Sand und Nebel" ganz groß aufspielen sollte, ihre Figur ordentlich spielt und recht sympathisch auf die Leinwand bringt, während Jared Leto eher unauffällig agiert und Marlon Wayans nicht über ein solides Niveau hinauskommt.
Fazit:
Die überragende Ellen Burstyn und die erschreckenden Bilder, die besonders zum Ende hin enorm eindringlich und unerträglich ausfallen, gerade, weil sie realistische Tragödien beleuchten, machen "Requiem for a Dream" zu einem hervorragenden Drama, auch wenn der distanzierte Stil zunächst dafür sorgt, dass Aronofskys Kultfilm etwas langsam anläuft und Aronofsky seine Charaktere vielleicht noch ein bisschen tiefer hätte konstruieren sollen, statt sich allein auf die Wirkung seiner verstörenden Bilder zu verlassen. Dennoch: Unbedingt ansehen!
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