Review

Inhalt: Vier Menschen, vier Schicksale. Die Witwe Sara treibt sich für einen Fernsehauftritt mit einer radikalen Diät in den Wahnsinn, Harry und seine Freundin berauschen sich fernab der wahren Welt und Harrys bester Freund versucht sich als Drogendealer. Alle vier Personen überschreiten ihre Grenzen, versumpfen in ihrer eigenen Hölle.

Über den Film
Der Neuling Darren Aronofsky präsentiert sich mit „A Requiem for a Dream“ als reifer Filmemacher, der es versteht gute Dialoge und exzellente Schauspieler nahtlos mit Videoclip-Techniken und sonstigen visuellen Spielereien zu verbinden. „Requiem for a Dream“ ist ein nahegehendes, emotionales Erlebnis, das kein Filmfreund verpassen darf. Der beste Antidrogenfilm der MTV Generation.

Noch nie war der Zuschauer den Charakteren so nahe wie hier in „Requiem for a Dream“. Die 4 Figuren, die im Mittelpunkt der Handlung stehen, wirken lebendig und echt. Es handelt sich nicht um Abziehbilder von Junkies oder sonstige Klischeefiguren sondern um Menschen, die man kennen könnte. Ihre dargestellten Leidenswege sind sicherlich extrem, aber die Ausgangssituation ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Ihr Abstieg wird schrittweise und subtil gezeigt, und zwar auf eine Art und Weise wie man sie noch nicht gesehen hat.

Was Aronofsky hier alles an abgefahrenen Kamerafahrten, extrem schnellen Schnitten, Computereffekten und immer wiederkehrenden Montagen abliefert, ist mehr als beeindruckend. Die einzelnen Shots zu beschreiben wäre müßig, man muss sie einfach mit eigenen Augen gesehen haben. Nie jedoch wirken die zahlreichen Effekte störend oder oberflächlich. Sie sind immer Teil der Handlung, die Einnahme von Drogen wird fast nur mit schnellen Montage Schnitten gezeigt. Die unmittelbare Wirkung der einzelnen Drogen auf die Charaktere wird auch sehr deutlich dargestellt, ohne übertrieben zu wirken.

Die Besetzung
Die nahezu perfekte visuelle Umsetzung des Films trifft auf eine hervorragende Besetzung. Die Performance von Ellen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connelly und Marlon Wayans sind allesamt absolut überragend. Ellen Burstyn ist grandios als verbitterte Witwerin auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben. Zuerst fast komödiantisch und pathetisch aber gegen Ende des Films hin fällt ihr Charakter der inneren Selbstzerstörung zum Opfer, der einen im wahrsten Sinne des Wortes mitleiden lässt. Ebenso der Abstieg ihres Sohnes Harry, gespielt von Jared Leto (American Psycho, Fight Club). Die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmt, ihre gemeinsamen Szenen sind mit die besten Dialogszenen. Nur die Romanze zwischen Marion (Jennifer Connelly) und Harry ist streckenweise noch intensiver und ergreifender. Jennifer Connelly (Labyrinth, Beautiful Mind) liefert eine grandiose Leistung ab, und das in einer äußerst schwierigen Rolle, die wohl kaum eine Hollywood Schauspielerin ihres Alters übernommen hätte. Dass Marlon Wayans bei diesen Lobeshymnen als vierter Hauptcharakter etwas zu kurz kommt, liegt an seiner etwas benachteiligten Rolle, doch auch er wirkt als Figur glaubwürdig und seine schauspielerischen Fähigkeiten sind beeindruckend und verdienen Respekt, wenn man diese Rolle einmal mit denen aus Scary Movie 1 und 2 vergleicht.

Fazit
Mit „Requiem for a Dream“ hat Darren Aronofsky einen Film geschaffen, der im Grunde für jedermann ist. Die Handlung ist nicht wild aus der Luft gegriffen sondern bietet eine realistische Dramaturgie. Die visuellen Effekte die Aronofsky benutzt unterstützen nur die wahnsinnig starke emotionale Wirkung des ganzen Films. Ohne moralisch zu wirken, zeigt uns Aronofsky wofür Drogen wirklich stehen. Er bedarf keiner Klischeefiguren und moralischen Zeigefingern, er zeigt etwas, dass real aussieht. Das sind keine Abziehbilder, die sich hier dem Verfall preisgeben; alles wirkt erschreckend glaubhaft.

„Requiem for a Dream“ ist einer der Filme, die einen noch länger beschäftigen. Der geniale Score ist schwer aus dem Kopf zu bekommen, zumal zu den Erinnerungen an den Ton auch noch die unglaublichen Bilder kommen. Es gibt wohl nur wenige Filme, die eine so starke Wirkung auf den Zuschauer haben wie dieser. Es geht auch nicht darum, dass man jetzt Drogen automatisch schlecht findet. Die Handlung soll aufzeigen, was Drogen anrichten können. Niemand hält den Charakteren Moralpredigten, sie gehen einfach ihres Weges. Durch die exzellenten Schauspieler entsteht dabei eine sehr enge emotionale Bindung an die Charaktere, denn schließlich kann man ihre Zukunft erahnen. Die teilweise sehr krasse Darstellungsweise der ganzen Handlung, durch die nach und nach schneller werdenden Szenen, verstärkt diese Gefühle noch. Für „Requiem for a Dream“ sollte man sich Zeit nehmen. Der Film ist nicht kompliziert, aber die Wirkung dürfte viele Leute überraschen und gleichzeitig erschrecken. Manche Leute gehen soweit zu sagen, dass „Requiem for a Dream“ der beste Film ist, den sie je gesehen haben, und dass sie ihn nie wieder sehen möchten.

Als Zuschauer beendet man diesen Film mit einem unguten und deprimierenden Gefühl, egal ob einen die Thematik des Film nun schockt oder nicht. Gibt man ihm eine Chance wird man mit den Charakteren mitfühlen und ihre Selbstzerstörung erahnen. Der Film ist sozusagen eine folterähnliche aber unvergessliche Erfahrung. Ich selbst für meinen Teil erwarte nicht den Film in Zukunft öfters anzuschauen, aber es ist ein gutes Gefühl ihn zu kennen und ihn im Regal stehen zu haben..... Der Score wird mich verfolgen und die letzten 20 Minuten des Filmes werden mir wohl für immer in meinem Gedächtnis bleiben.

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