"Requiem for a Dream" - ein konsequent unverblümtes Drogendrama von Darren Aronofsky, das von dem psychischen, physischen sowie gesellschaftlichen Abstieg seiner Protagonisten erzählt. Marion, Harry, Tyrone und Sara - vier Menschen, vier tragische Schicksale und die zerstörerische Rolle der Drogen.
"Requiem for a Dream" verfolgt seine Figuren nicht einmal ein ganzes Jahr lang. Darren Aronofsky teilt seinen Film nach Jahreszeiten auf. Im Sommer ist die Welt der Protagonisten noch in Ordnung, im Herbst beginnt sie bereits zu zerbröseln und im Winter erreicht sie ihren vorläufigen Tiefpunkt. Ob es noch tiefer für sie geht, bleibt ungewiss. Die Jahreszeiten bilden das dramaturgische Gerüst, sie symbolisieren je nach ihrer Bedeutung die Entwicklung der Charaktere. Und einzig und allein in dem nach der natürlichen Gesetzmäßigkeit eigentlich folgenden Frühling, den Aronofsky uns vorenthält, kann man Hoffnung schöpfen. Vielleicht einen Neuanfang, ein Wiederaufleben alter Lebensfreuden?
So aber sehen wir "Requiem for a Dream" in der Depression enden. Aronofsky konfrontiert uns mit dem Verfall: Harrys Arm hat sich durch das viele Fixen schwer entzündet, seine Freundin Marion begleiten wir in ihr abgründiges Schicksal als Prostituierte und Harrys Mutter Sara fristet am Ende ihr Dasein als psychisches Wrack. Aronofsky deckt hierbei eine enorme Breite von Motiven ab. Natürlich geht es in erster Linie um die Sucht - um die Sucht nach der befriedigenden Droge, die von Körper und Geist bereits Besitz ergriffen hat. Harry sieht seinen entzündeten Arm, und doch fixt er immer weiter, selbst als seine Gliedmaße langsam aber sicher ein Fäulnisstadium erreicht hat. Marion tut auf ihre Weise alles, um an neuen Stoff zu gelangen. Sie setzt sich freiwillig der Demütigung und der Perversion aus.
Die zweifellos interessanteste Figur ist Sara Goldfarb. Sie befindet sich in einer gar nicht einmal so abwegigen Konstellation. Sie ist alt, lebt allein und liebt das Fernsehen. Ein möglicher bevorstehender Auftritt in ihrer Lieblings-TV-Show treibt ihre Vision an - der Scheinwerfer ist auf sie gerichtet, sie trägt ihr rotes Kleid und strahlt überglücklich in die Kameras. Doch damit das rote Kleid passt, muss abgenommen werden; nicht für sich, sondern für das Publikum, und zwar mittels Appetitszüglern. Sara gelangt in den Strudel des körperlichen und geistigen Zerfalls - durch das Verfolgen eines illusorischen Schönheitsideals und nicht zuletzt auch durch das bittere Alleinsein.
Den Absturz seiner Charaktere inszeniert Darren Aronofsky nun schonungslos. "Requiem for a Dream" ist kein Film der halben Sachen, aber auch kein Film, zu dem man sich gerne Zugang verschafft. Aronofsky involviert den Zuschauer nicht allzu stark ins Geschehen. Vielmehr überkommt einen das Gefühl, an einem Sitz festgebunden und hilflos den Bildern ausgesetzt zu sein. Was wir sehen, ist ein albtraumhafter Trip. Im Zusammenspiel mit der Akustik und den groß aufspielenden Darstellern werden die Horrorvisionen der Figuren entworfen. Split Screens, Schlüsselloch-Perspektive, Zeitrafferaufnahmen und zum Teil ultraschnelle Schnitte.
Sicherlich ist der gesamte Fahrplan, hier den menschlichen Abstieg von Charakteren verfolgen zu wollen, nicht neu. Doch "Requiem for a Dream" ist - auch aufgrund seiner Vielschichtigkeit - ein einmalig pessimistisches Drogendrama. Willkommen in einer Welt, in der Junkies für Drogen ihren Körper verkaufen und schädigen. Willkommen in einer Gesellschaft, in der Schönheitsidealen um jeden Preis nachgeeifert wird und in der allein gelassene Menschen einsam in ihrer Wohnung vegetieren. Willkommen in der Realität. (8+/10)