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Nach den Herren sind die Damen dran, was Nichts daran ändert, dass das Vorbild offenkundig dasselbe bleibt: God of Gamblers als der Paradefall eines Blockbusters, der sowohl seinen Produzenten das Geld in rauen Mengen geradezu in die Tasche treibt als auch den Darstellern scheinbar ewig währende Identifikation ermöglicht und auf Jahre hinaus immer wieder als Anregung und Beeinflussung für sogenanntes Re-Imagining mit vielleicht nicht gleichbleibenden, aber immerhin persistenten Erfolg gelten kann. Während sich schnell die Knights, Kings und Saints of Gambler an den Spieltischen der Leinwand tummeln, schoss das weibliche Geschlecht ein wenig verspätet, aber dann ebenso emsig nach; 1991/92 erschienen gleich drei Verweisungen auf die Queen of Gamble, den Anfang machte März '91 The Top Bet, der wiederum das Sequel einer ripoff-lastigen Hommage zum God of Gamblers ist. Nur ein Monat später folgte der hiesige, an den Kinokassen nur halb so erfolgreiche Versuch, die nahezu schon festgefrorenen Mechanismen des Subgenres ein nächstes Mal fern von Urheberschutz wiederzugeben. [Die abgewirtschaftete Mogelpackung Woman Gamble God ist gemeinhin zu vernachlässigen.]

Um den vermeintlichen Bestseller schicklicher Beurteilungskraft zu vervollständigen wurde hierbei die Raubdruck-Erleuchtung abermals auf ein noch anderes Konstrukt als Nebenpfeiler gelegt, die gleichermaßen populäre Her Fatal Ways Saga, die mit ihrem fish out of water Aspekt die wartende Menge ebenso anzog wie belustigte. Wo dort eine Polizistin vom chinesischen Festland in das urbane HK geschickt und in allerlei verwickelte Situation zur Bereicherung der Komik involviert wird, trifft es hier in der Überfülle narrativer Ergötzlichkeiten eine passionierte Spielerin, welche am Ende all des Trubels sozialer Aufstiegsphantasien - samt einer Prise schwammiger Anklage gegen die chinesischen Obrigkeit, den Kommunisten, die Noch-Nachbarn und baldigen Landesgenossen - natürlich ein großes Turnier bestreiten und entsprechend der Vorgaben vom Skript und der Erwartungen des Publikums gewinnen muss. Schließlich muss man weiterhin und gerade angesichts vom drohenden 1997 an den Traum von der mit Glück geschaffenen Zukunft, in der Millionen und Abermillionen über die Spieltisch geschoben werden, und somit den gerechten Lohn der Mühe glauben.

Ob die Minuten kleiner Rhetorik und großem Eigenbedarf bis dahin nun interpretiert, parodiert oder doch kopiert sind, lässt sich nur mit dem subjektiven Gefallen entscheiden; die Kunst dahinter als abwertend im Ausspruch des "O imitatores, servum pecus !" oder anerkennend im Sinne von Aus Alt mach neu zu betrachten. Selbst der Film äußert sich indirekt, da im anderen Kontext zu der Anleihe an Tradition und Gewohnheit und der Dunkelheit der Ideen; "It's nostalgic era, sure it's popular." sowie "This curreny of capitalists will end one day. But we can use of it for the moment.":

Nan [ Carol Cheng ] betreibt auf den Straßen Chinas einen kleinen Stand mit dem von Oben nicht gern gesehenen und schon gar nicht erlaubten Glücksspiel, bei dessen beruflicher Ausübung sie auch alle naselang von patrouillierenden Polizisten gestört wird. Mit dem bis dahin nur kleine Betrügereien und ihren Kartentricks ergaunerten Geld erkauft sie sich deswegen den Pass nach HK, wo sie Unterkunft bei ihrem als Stuntman beim Film angestellten Cousin Po [ Aaron Kwok ] und dessen Hauswirt Li [ Alex Man ] findet. Li, der sich eifrig an Pferdewetten und Mahjong beteiligt, ist von dem Neuzugang erst gar nicht, aber nach dem Herausfinden ihres Talentes umso mehr begeistert. Als Nan herausfindet, dass ihr baldiger Schwarm Fu Hon - hwa [ Simon Yam ] von seinem Bruder Fu Hon - san [ Ng Man-Tat ] mit Hilfe der Schwindlerin Francis Lee [ Sibelle Hu ] um seine Firmenanteile gebracht wird, springt sie ebenso eifrig in die Bresche, wie sich der schüchterne Po vollkommen verliebt an Fus Tochter Linda [ Gigi Lai ] heranmacht.

Überhaupt nicht von scheuer Beklommenheit oder auch verlogen wirkender Selbstgefälligkeit gehandicapped verhält sich die low-rent Golden Princess Amusement Co., Ltd. Distribution bei ihren Gags, die in Saus und Braus, nahezu immer und wie mit willensstarker Treffsicherheit auf das Ziel der political correctness bzw. eher dem Vermeiden und Angreifen dessen anlegen. Der Humor, wenn man denn so will, reibt sich dabei in wie unnatürlich erzwungener Lenkung ohne einzige feine Empfindung an nur den offensichtlichsten Schwächen der Charaktere ab; der Sexprotz oder wenigstens heimlich verborgene Lüstling bekommt genauso sein Fett ab wie der ortsansässige Finanzier vom Schlage eines Ebenezer Scrooge oder auf der anderen Seite der nur nach außen hin so gesetzestreue Kommunist. Erwischen tut es dabei auch vermehrt beliebt die sogenannten Scherze unter der Gürtellinie, wird sich in Proletarierprosa über kurzzeitig anwesende Homosexuelle und eine vermeintlich Interaktion mit ihnen - natürlich auf unfreiwilliger Basis - mokiert und gleich im Anschluss auch der frivole Querverweis zum einen ach so zufällig im Fernsehen laufenden AIDS Warnspot gemacht. Ähnlich plump, aber durch sein ausdauerndes Beharren und die dazugehörige Mimik von Alex Man auf primitive Art schon aufgeräumt drollig verhält sich ein Schwank, in dem die für einen Wettgewinn alles tuende Figur fälschlicherweise eingeredet ausgerechnet die Exkremente der startenden Rennpferde einsammelt, damit zum Verdruss anderer Passagier im vollbesetzten Bus heimfährt und die Beute schließlich noch verköstigt.

Man ist auch fast der Einzige im durchaus voluminösen Besetzungsteam, der sich vermehrt in die beiläufig schlampige, von einer unempfindlichen Seele regierten Kulturarena einbringen und ihm den sonst mangelnden Schein des Leichten geben mag; ein Großteil des weiteren Aufgebots schlummernder Potenz wartet sichtlich auf bessere Offerten [Simon Yam, Aaron Kwok], ist von dem Allezeitgleichen auf Dauer abgestumpft übersättigt [Carol Cheng, Sibelle Hu] oder passt nicht in die Rolle und gibt sich diesmal auch keinerlei Mühe, dies irgendwie mal ändern zu wollen [Ng Man-Tat]. Die so wenig vorhandene Spielfreude, das weitgehend Vorhersehbare im Ablauf und die sich breitmachende Preisgünstigkeit gerade im bestenfalls routiniert Inszenatorischen wirft das als Possenreißer ins Rennen gegangene Werk so beizeiten auf die Position des minderwertigen Nachzüglers, wenn auch nicht gleich des absoluten Schlusslichtes zurück. Nicht einmal die nörgelnde Action kann dieses vor dem Rücklicht bewahren, dazu ist das Gezeigte - Rauferei in der Mahjonghalle, vereitelter Raubzug im Casino, Hasche auf und an einer Yacht auf See - zu selten, zu steif, und ganz allgemein nur in schandbarer Optik eingefangen. Warum nun ausgerechnet in den abseits stehenden Szenen am Filmset mehr geklotzt als gekleckert, dort als Protestgeste ganze Drehorte in wuchtigen Explosionen zerstört oder Kriegsschauplätze von der Kamera eingefangen werden, bleibt das Geheimnis des hierfür nach neun Jahren vorläufigen Ruhestands in den Regiestuhl zurückgekehrten Siu Sang.

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