Mal wieder etwas für die Hartgesottenen unter uns. Bad Ole alias Fred Olen Ray alias Edward Raymond (so sein Pseudonym hier) hat Ausschuss vom Stapel gelassen und zwar ausnahmsweise nicht unter seinem Royal Oaks-Studio, sondern für die nicht minder durch unterirdische Machwerke bekannte U.F.O. (Unified Film Organization). Quasi ein Gastspiel bei einer weiteren Recyclingfirma, denn nichts anderes stellt „Mach 2“ dar.
Ich muss ganz ehrlich zugeben, so langsam aber sicher mache ich ein Hobby daraus Rays und Wynorskis Filme zu sezieren, um dann festzustellen, woher denn die ganzen geliehenen Zelluloidmeter überhaupt sind. Hier hat man es einmal nicht ganz so schwer, weil die Kandidaten doch sehr eindeutig zu erkennen sind. Der Großteil des Zugkidnappings zu Beginn, inklusive der „da steht ein schwarzes Auto auf den Gleisen, der Zug fährt dagegen und es gibt einen dicken Flammenball“ – Szene ist mal eben aus Worth Keeters „Hijack“, alle Bilder der Concorde (starten, fliegen, landen, egal) aus „The Concorde: Airport '79“ (so viele Concorde-Filme gab es ja nicht...) und die Autoverfolgungsjagd in den Bergen kurz vor Schluss stammt aus Charles Bronsons „The Mechanic“. Außerdem sind die Kampfjets sicher nicht auf Rays Mist gewachsen (Könnte teilweise „Top Gun“ gewesen sein, Szenen waren aber zu aufgezoomt, um es sicher sagen zu können) und der Fallschirmsprung, der mir witzigerweise neulich erst in „Surface to Air“ (auch von Royal Oaks) untergekommen ist und dort ganz offensichtlich schon nichts zu suchen hatte, stammt auch aus irgendwelchen Archiven. Man hat sich also ausführlich bedient.
Der zweite Grund sich diese miesen, wie am Fließband produzierten Machwerke anzuschauen, ist die Herausforderung so viele Ex-Stars wie möglich im Film zu erkennen und wenn es nur Kurzauftritte sind. Erwischt hat es hier, neben den John Carpenter – Veteranen Austin Stoker („Assault on Precinct 13“) und Charles Cyphers („Assault on Precinct 13“, „Halloween“, „The Fog“), unseren „Star Trek“ - Klingonen Michael Dorn, besser bekannt als Worf, einen alt gewordenen Lance Guest (immerhin der Jimmy aus „Halloween II“ und der Haiexperte Michael Brody aus „Jaws: The Revenge“) auch B-Routinier Cliff Robertson (u.a. auch „Spider-Man“). Last but not least gönnt sich Produzent Andrew Stevens (ehemals Royals Oaks und Franchise Pictures) noch einen Auftritt als schwer verkleideter Kommandant eines Flugzeugträgers seinen Miniauftritt. Na, wenn das nichts ist!
Aber die eigentlich Hauptfigur ist eine ganz andere. Der ehemalige Footballer Brian Bosworth, der Anfang der Neunziger nach seiner aktiven Sportlaufbahn mal eben dachte mit Vokuhila-Frisur in „Stone Cold“ durchstarten zu können und vier Jahre später mit „One Tough Bastard“ immerhin noch brauchbare B-Ware ablieferte, sich aber längst eingestehen musste, dass er kein Actionstar werden würde, ist ganz tief gesunken und gibt hier den Filmhelden Jack Tyree – einen Captain der Air Force, der nicht fliegen kann. Auweia...
Soviel zu den Hintergrundinformationen. Zum Film selbst gibt es nur das Übliche zu berichten: Er ist verdammt schlecht. Steve Latshaw, der diese Drehbücher wohl auch ständig unter Alkoholgenuss zusammenrotzt, weiß nun auch endlich, dass die Amis Kriegstreiber sind und sich an Konflikten anderer bereichern, indem sie gleich beide Seiten mit Waffen versorgen. Weil der Herausforderer und Spitzenkandidat für die anstehende Präsidentenwahl Beweise zugespielt bekommt, dass der aktuelle Vize seinen Rüssel tief in solchen Geschäften stecken hat, muss er beseitigt werden und zwar so unauffällig wie möglich. Also heuert man ein paar willige Jungs vom Secret Service an, setzt die mit in die Concorde, mit der der Senator seine Reise antritt und plant diese abstürzen zu lassen, ohne vorher zu vergessen, sich für skrupellose Terroristen auszugeben. Was ein Plan...
Action gibt es schon mal gar nicht und was dann zu sehen ist, stammt sowieso nicht von Ray. Ein paar harmlose Kloppe- und Ballereien an Bord sind das Äußerste. Bosworth macht sich dabei total zum Affen, indem er coole Oneliner reißt, die ihn zur Witzfigur machen, weil er gar nicht das Charisma mitbringt, um solche Sprüche halbironisch an den Zuschauer zu bringen.
Viel zu viel Gequassel später und nichtssagende Dialoge weiter (Glaube da sind Rays Filme echt Weltklasse, wenn von Wynorski auch harte Konkurrenz droht) wird dann eben auch mal ein Schott in mehreren Tausend Metern Höhe aufgestoßen, ohne das irgendwas rausgeblasen wird (!) und man winkt mit einem weißen Taschentuch raus (Ohne Scheiß!), damit die Kampfflieger erkennen, dass die Concorde wieder in freundlich gesinnter Hand ist. Davor weicht Bosworth, obwohl sein Filmego noch nie einen Steuerknüppel (Also den eines Flugzeugs...) in der Hand hielt, fachmännisch Raketenbeschuss aus und landet die Mühle. Derweil wird die zerstörte Funkanlage von der Senatorberaterin repariert, weil der werte Herr Papa Fernsehtechniker war (!). Ja, da kommt Freunde auf! Vor allem, weil sich „Mach 2“ stets höllisch ernst nimmt.
Man muss sich wirklich halbamüsierend an den Quatsch, den Ray hier mit einer dreisten Ernsthaftigkeit verzapft, hochziehen oder einfach, was naheliegender wäre, die Vorspultaste betätigen, um es schneller hinter sich zu bringen. Von der ersten bis zur letzten Minute muss man sich sonst den Qualen hingeben. Die Ideen sind zusammengeklaut, die stumpfsinnigen Dialoge zwischen den im Grunde völlig uninteressanten Protagonisten erreichen einen Nervfaktor ungeahnten Ausmaßes (oft wird schlicht aneinander vorbei geredet), Authentizität sucht man eh mit der Lupe (In so einem Krisenfall werden lediglich mal eben zwei NSA-Agenten in den Tower geschickt, die da im Grunde auch nur ihre Eier schaukeln) und die schauspielerischen Qualitäten lassen doch auch zu wünschen übrig.
Fazit:
Lasst bloß die Finger von dem Scheiß. „Mach 2“ ist nicht mal unfreiwillig komisch, sondern einfach nur stinklangweilig, weil vollgestopft mit einer Dilettanten-Riege, miesen Dialogen und handzahmer Actionkost. Aufgrund des mal wieder massiven Szenenklaus, dreister Realismusaushebelung und dem Fehlen von auch nur ansatzweise unterhaltsamen Filmsekunden, entgeht der Film nur haarscharf der Höchststrafe. Naja, vielleicht auch noch, weil man echt ins Staunen kommt, wen man hier so alles in Nebenrollen fungieren sieht.