Es kann mitunter sehr amüsant sein, sich einmal in den frühen Filmsünden namhafter Hollywood-Stars umzuschauen. Sylvester Stallone verdingte sich zu Beginn seiner Karriere als laienhafter Porno-Darsteller in „Randy“, der einfach nur zu peinlich war, um auch nur einen Augenblick lang erotisch zu sein. Und auch der „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger begann seine Hollywood-Karriere mit einem Streifen, den er wohl am liebsten aus seiner Biographie streichen würde: „Hercules in New York“. Ein Film, der vor allen Dingen durch eines zu überzeugen vermag: seine unfreiwillige Komik.
Arnold Schwarzenegger spielt also den Titelhelden Hercules, der so langsam die Schnauze voll vom Einheitsbrei im Olymp hat und gerne einmal neue Abenteuer erleben würde. Nach einem Streit mit seinem Vater Zeus (Ernest Graves) wird er ins moderne New York verbannt. Durch seine unglaubliche Stärke macht sich Hercules recht schnell einen Namen als Ringer, doch sein Ruhm verfliegt, als Nemesis ihn seiner Kräfte beraubt und er so den Zorn von Kleinkriminellen auf sich zieht, die durch den Verlust von Hercules’ Kraft bei Wetten einige Verluste verbuchen mussten…
Ei ähm Hörgjuläss… Ssann of Suuuhssss…
Wo dieser Film in der deutschen Synchronisation bereits ein gehöriges Stück an Trash-Unterhaltung zu bieten hat, entfaltet die Original-Fassung ein wahres Feuerwerk an kultigem Trash. Dem amerikanischen Publikum wurde seinerzeit das größte Vergnügen an diesem Film untersagt, da Regisseur Arthur A. Seidelman der österreichische Akzent seines Hauptdarstellers zu stark war: der Film wurde nachsynchronisiert. Und dabei weiß Arnie doch vor allen Dingen dadurch zu überzeugen, dass es ihm in jeder seiner rar gesäten Dialogszenen gelingt, der englischen Sprache neue Nuancen zu entlocken, die dem Oxford-Englisch so weit entfernt scheinen, dass man ihm schon fast eine Professur der Philologie anbieten möchte, da er hier ganz offensichtlich eine neue auf dem Englischen basierende Sprache entwickelt hat.
Doch nicht nur dieser Aspekt verlangt den Lachmuskeln des Zuschauers einiges ab. „Hercules in New York“ birgt so einige filmische Schmankerl, die so wundervoll abstrus wirken, dass sich jederzeit die Frage stellt, ob Seidelman diesen Film wirklich ernst gemeint hat oder dann doch jederzeit darauf abgezielt hat, unterhaltsamen antiken Müll abzuliefern. Alleine jene Szene, in der Hercules im Central Park gegen einen „Bären“ (einen wirklich miserabel kostümierten Schauspieler) kämpft, kann wohl aus heutiger Sicht als einer der denkwürdigsten Ringkämpfe der Filmgeschichte angesehen werden. Und auch eine minutenlange Dialogszene, die auf dem Olymp zwischen Nemesis und Juno geführt wird, birgt in der Originalfassung Haarsträubendes: dass spielende Kinder im Hintergrund zu hören sind, kann man ja noch irgendwie verkraften und eventuell damit erklären, dass es wohl auch auf dem Olymp Kinder geben könnte. Doch die Geräusche von vorbeifahrenden Autos, die zeitweise sogar störend den Dialog überdecken, möge Arthur Allan Seidelman doch bitte etwas genauer erklären… Liegt es nun daran, dass die griechischen Gottheiten in einem von allen unbemerkten Augenblick von Volkswagen gesponserte Dienstwagen angeschafft haben, oder dann doch daran, dass diese Szenen im Central Park gedreht wurden? Eine Frage, die mich wohl noch lange Zeit beschäftigen wird...
Plot und unterdurchschnittliche schauspielerische Leistungen können noch als unterhaltsam angesehen werden. Doch durch eines werden die Nerven des Publikums dann doch auf eine schier unerträgliche Zerreißprobe gestellt: John Balamos’ musikalischer Beitrag zu diesem Film entpuppt sich als immer wiederkehrende Bemühung, durch Bouzouki-Musik die Herkunft des Halbgottes Hercules in die Erinnerung der Zuschauer einzubrennen. Wer vor dem Genuss dieses Streifens der griechischen Volksmusik noch etwas positives abverlangen konnte, dürfte sich 90 Minuten später den nächsten Gang zum Lieblings-Griechen reiflich überlegen…
Begleitet durch diese (und einige andere) filmische Unzulänglichkeiten entwickelt sich „Hercules in New York“ letztlich zu einer einzigen Muskelschau für den jungen Arnold Schwarzenegger – hier noch in den Credits als „Arnold Strong“ gelistet. Eine peinliche Jugendsünde Schwarzeneggers, die vor allen Dingen aufgrund des späteren Bekanntheitsgrades des Hauptdarstellers einen aus filmhistorischer Sicht sehr wichtigen Beitrag und potentiellen Leitartikel im Ratgeber „Wie starte ich meine Karriere als Weltstar?“ darstellt. Chips-Tüte auf, kühles Bier dazu (die Menge macht’s!) und ab geht’s! Auf der Trash-Skala nicht hoch genug zu bewerten, schafft Schwarzeneggers erster Auftritt auf der Leinwand in der „bereinigten“ Wertung gerade noch so 4 von 10 Punkten. Viel Vergnügen!