Amerika im Jahre 1970. Ein allseits gefeierter Bodybuilder aus Österreich hat soeben nach Amerika 'rübergemacht und plant nun selbstbewußt seinen Einstieg in's Filmgeschäft. Und wohl jeder denkende Mensch hätte dem jungen Muskelberg guten Gewissens schlechteste Karten für diese Profession bescheinigt. Nicht nur dass er sich aufgrund seiner unnatürlichen Statur nur für wenige Rollen eignete, er bewegte sich auch noch wie ein Klotz und hatte nicht zuletzt einen unverkennbaren österreichischen Akzent sowie mangelnde Englischkenntnisse am Start. - Der ein oder andere wird nun vielleicht schon ahnen, von wem hier die Rede ist.: Richtig! Arnold Schwarzenegger, dem heutigen Action-Urgestein.
Und eben selbiger damalige Schauspielanwärter geriet dann schließlich über einen Bekannten an die Produktion "Hercules in New York". Herkulesfilme seien leichtverdientes Geld, hatte man dem jungen Mann unter Freunden an der Gewichtheberbank anvertraut. Schauspielern müsse man nicht recht viel und seine Statur schien ideal für den Zweck. Das ist ja auch alles gut und schön, nur konnte Niemand damit rechnen, dass der damalige Arnie derart wenig schauspielerisches Talent besaß. Die Tatsache, dass dieser Film überhaupt je fertiggestellt wurde dürfte somit der Tatsache zuzuschreiben sein, dass auch die übrige Mannschaft nicht für fünf Cent etwas von ihrem Job verstand und so in Serie Szenen abdrehte und in den Film übernahm, die jeder Filmemacher der sein Salz wert ist verzweifelnd und haareraufend in die Tonne treten würde. Genaugenommen war's aber ohnehin egal. Denn selbst der talentierteste Regisseur hätte aus diesem Drehbuch nichts mehr Stimmiges zaubern können. Zu konzeptlos und stümperhaft war es, was man da zusammendiletiert hatte.
Kommen wir kurz für die Akten zum Plot: Herkules hat Zoff mit Vater Zeus und beschließt, sich zur Abwechslung einmal wieder auf der Erde umzusehen. Einen beherzten Sprung vom Olymp später weilt der Göttersohn im New York der Siebziger, wo er (denkbar orientierungslos) von dem Low-life Pretzie aufgegabelt wird. Der erkennt sofort das Potential seines massigen Freundes und bringt ihn passgenau im Gewichtheber- und Wrestling-Business ein. Von da an rollt der Rubel für die Beiden und Herkules gefällt das Erdenleben somit zunächst denkbar gut. Bis sich Mutter Hera einschaltet und dem ungeliebten Stiefsohn einige Steine in den Weg legt...
Klingt soweit ja noch ganz brauchbar. In Wahrheit ist es aber in Konzept und Umsetzung eine schiere Katastrophe von biblischen Ausmaßen: Man mixte römische und griechische Götter wild durcheinander, übermäßig Substanz hat die Story schon gar nicht und das Ganze wurde mit so wenig finanziellen Mitteln abgedreht, dass Zeus & Co. sogar im Central Park (hier als Olymp fungierend) residieren müssen und man sogar den Verkehr im Hintergrund vorbeirauschen hört. Das ganze wird dann in der englischen Fassung abgerundet durch Arnies Radebrech-Akzent inklusive Versprechern, die ernstlich achselzuckend mit in den Streifen mit übernommen wurden. Zumindest in der Urfassung. Denn beim erstmaligen Sichten ihres fertigen Werks ist wohl sogar den talentbefreiten Produzenten langsam aber sicher die Erkenntnis gedämmert, dass man das so nicht herausbringen konnte. Man griff also zu einer so eiligen wie nutzlosen Schadensbegrenzungsmaßnahme: Arnie wurde nachsynchronisiert. - Und zwar nur Arnie, was in einer amerikanischen Version denkbar unnatürlich wirkt. Zur Erläuterung: Jedesmal wenn Arnie den Mund aufmacht fällt die komplette Hintergundgeräuschkulisse aus und ein Charlton Heston-Film-Relikt von Sprecher müht sich, englisch korrekte Sätze auf die Lippen des Steirers zu pressen. Das sich das so entstandene Gesamtergebnis, nun ja, sagen wir suboptimal anhört brauche ich wohl nicht näher zu erläutern.
Herkules in New York ist somit eine Fallstudie für Regisseure zum Thema "Wie man es nicht macht..." und wäre mit Sicherheit längst dem verdienten Vergessen anheim gefallen. Wäre, ja wäre da nicht der Umstand das der Protagonist des Streifens mittlerweile eine Berühmtheit und Filmstar von Weltrang ist und somit schon mal für passionierte Fans des Action-Genres das Interesse an diesem Film geweckt wäre. Hinzu kommt, dass das Ganze schlicht und einfach so schlecht ist, dass es schon wieder ein nicht zu verachtendes (und unfreiwilliges) komische Potential entwickelt. Arnies unbeschreiblicher Akzent, Autogehupe auf dem Olymp, ein mutmaßlicher 1Euro-Jobber als Kostümbär... - Als Arnie-Fan sitzt man mit Lachtränen in den Augen vor diesem Machwerk, begierig darauf wartend welchen Overkill an Diletantismus die Macher wohl in der nächsten Szene wieder verbrochen haben mögen. Und so erlangte der Film sozusagen "post mortum" doch noch einen gerechtfertigten Kultstatus und ist für Fans des heutigen Gouverneurs allemal einen näheren Blick wert. Allerdings, und das sei explizit angemerkt, nur für die Englischsprachigen! Denn ein Gros seines komödiantischen Potentials bezieht der Film aus Arnold's unnachahmlicher Mundart, die in jeder nachsynchronisierten Fassung völlig verloren geht und den Film als das zurückläßt, was er eigentlich und zugegebenermaßen immer war und auch ist: Eine unglaubliche Verschwendung von Zelluloid. - Die finale Wertung dieses (Mach-) Werkes muß also dual erfolgen:
Reguläre Wertung: 1 von 10 Punkten
Wertung für Arnie Fans (Trashkult-Bonus eingerechnet): 8 von 10 Punkten