Review

Alle paar Jahre probiere ich probeweise mal wieder Salatgurken, um dann festzustellen, daß ich sie immer noch nicht mag.
So geht es auch mit manchen Filmen, die einem vor zig Jahren mal vor die Mattscheibe liefen, die man damals für Schrott hielt, aber nun sind ja seit der Volljährigkeit zwei Dekaden perdu und da kann man sich ja ggf. mal geirrt haben.

Das gilt, wie kürzlich wieder festgestellt, aber nicht für das Leinwanddebut unseres allerliebsten Actionstars Arnold Schwarzeneggers, der, noch in seinen seligen Twenties, kurz vor Terminierung der 60er in dem unvergeßlichen „Herkules in New York“ debutierte, als in den USA eigentlich schon gar keine Sandalenfilme mehr angesagt waren.
Arnold war nun mal spitz auf die Filmindustrie (Ruhm plus Mädels) und da verlockte dieses Vehikel dem mehrfach gekrönten Bodybuilder natürlich gar mächtig. Insofern sollte man auch mimisch (und Schwarzenegger hat sich im Laufe seiner Karriere deutlich gebessert) nicht allzuviel von ihm erwarten, aber diese Trashschwarte zieht jedem ernstgemeinten Sehversuch die Söckchen aus.

Arnold gibt in dieser „Modernisierung“ den Sohn des Zeus, der von dem Leben auf dem Olymp gehörig angeödet ist, was auch kein Wunder ist, denn der findet in einem abgeschlossenen Landschaftsgarten europäischer Prägung statt und außer daß sich ein paar megaschlecht geschminkte Walle-Walle-Umhang-Trägerinnen wie die schwulen Elfen hüpfend durch die Rabatten jagen, passiert da nüscht viel.
Zeus selbst ist der angejahrte Männe mit dem angeklebten Rauschebart und hat wohl den Glauben an die Menschheit und den Fun des Reisens verboten, weswegen er Herkules auch keinen Ausflug erlaubt, bis dieser ihn so provoziert, daß er sein Pappblitzchen gegen ihn wirft und puff, erschreckt der Muscleman schon alte Frauen beim Vorbleiflug am Jumbojetfenster.

Drunten auf Erden führt sich der Vergnügungswillige jedoch auf wie die arrogante Axt im Walde, mischt eine Schiffsbesatzung und Dockarbeiter auf und gibt sich auch sonst wie der Halbgötterarsch von Erbadel. In dem muckeligen Bretzelverkäufer Pretzie findet er einen guten, aber inkompetenten Freund und viele Bekannte.
Das ist aber auch egal, denn es werden sowieso nur Ausreden gesucht, damit Arnold sein Hemd ausziehen kann und die Muckis sich zuwinken dürfen. Da staunen dann die Collegestudenten, die Bösen gegen ins Hafenbecken und in einer besondern beknackten Episoden ringt er noch im Central Park einen entsprungenen Bären nieder, der unübersehbar von einem Kerl im Bärenmarkekostüm gespielt wird, der sich auf allen Vieren wie ein Gorilla bewegt.

Damit der Gute nicht mit Mimik überlastet wird, spinnt nach einer halben Stunde der Olymp hauptsächlich böse Intrigen. Merkur flattert mal rein und wieder weg, Pluto wird aus der Unterwelt auf ihn angesetzt (und schwult etwas rum), die Nemesis soll ihm die Göttlichkeit rauben und Hera ist sowieso nur eine hasserfüllte Schlampe. Wie gut, daß die restliche Bettlakentussis im Garten dann doch mehr auf Arnold-Einölen aus sind und ihn wiederhaben wollen.

Drunten in New York ist fortan Sightseeing angesagt, Arnold soll Ringer oder Kämpfer werden, Pretzie kriegt Probleme mit der Sportmafia und das alles führt nach Nemesis Einsatz (samt Arnolds Verlieren in einem Gewichtheberwettkampf) zu einem Wagenrennen durch New York und einer mörderischen Klopperei in einem Pappzylinderlager, bei dem auch noch Samson und Atlas mitprügeln.

Langweilig – das ist das Beste, was mir zu diesem amateurhaften Schrott einfällt.
Die erste halbe Stunde ist ja noch ganz trashig blöde, aber danach wird der Film zu einem endlosen Geduldsspiel, den man mit Olympdiskussionen und den beknackten Dialogen der Gangster auf Spiellänge gestreckt hat. Die Figuren, also Herkules, Pretzie und ein hübsches Mägdelein samt Vati haben in der Handlung eigentlich nichts zu tun und eilen nur durch die Gegend, um dann Arnold mal wieder sich ausziehen zu lassen, aber erstrebenswert ist seine Leistung trotzdem nicht.
Die Kloppereien sind geradezu außergewöhnlich inkompetent in Szene gesetzt, jeder Spencer/Hill-Fan wird Magengrimmen kriegen, wenn hier Leute so tun, als wären sie von etwas getroffen worden, was erst Sekunden später in ihre Reichweite gerät oder im Schlußfight der Schnitt die statischen Aufnahmen überhaupt nicht kaschieren kann, kein Tempo, kein Spaß, keine Spannung.
Überhaupt rennen immer nur alle gegen Arnold an und fallen dann meistens von sich aus aus dem Weg oder werden ohnmächtig weggeschubst, von dem Bären mal gar nicht zu reden.
Kostengünstig wars außerdem, minimum ein Viertel spielt im Göttergarten, ein weiteres im Central Park, wo man stets und ständig endet. Eine ironische Auseinandersetzung des altgedienten Göttersohns mit der modernen Technik sucht man vergebens oder ist irritiert, wenn Arnold mal einfache Worte nicht versteht oder Gabelstapler als Wagen definiert, dann aber später Verschiedens einfach und locker akzeptiert und identifiziert.

Schwarzenegger selbst wechselt hier noch relativ selten den Gesichtsausdruck, sein Babyface ist auch nicht eben das Interessanteste, Arnold Stangs Pretzie ist aber auch nicht der Typ, der das ausgleichen könnte. Der Cast besteht dann eben doch nur aus Sparmimen, die meistens ereignisarm rumfaseln. Also schaut man lieber auf die Muckis und die sind nun wirklich hübsch aufgeblasen. Dennoch sollte man den Film bitte getrost vergessen und sich nicht wundern, wenn man wegen akuten Einschläferns nie den Schluß sieht – der Anfang ist tatsächlich das Beste am Film. Im Ganzen...naja, beknackt und überflüssig. Sorry, Arnie! (1/10)

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