Was man nicht im Kopf hat, hat man im Bizeps
Hercules hat keinen Bock mehr auf den langweiligen Olymp. Arnie hat keinen Bock mehr auf das langweilige Österreich. Also beschließt er nach New York zu gehen und den Big Apple aufzumischen. Also beschliesst er nach Hollywood zu gehen und die Traumfabrik aufzumischen. Als Wrestler, als Muskelmann, als Übermensch, als Fish-out-of-Water, als Sensation. Als Schauspieler, als Ikone, als Bodybuildingbester, als Politiker, als Legende. Und so sehen wir den ersten Film von Arnold Schwarzenegger, eine Art dilettantische Superheldenkomödie, die zeigt, dass es für niemanden zu spät oder unmöglich ist, sich extrem zu steigern, es zu schaffen. Vor allem als Schauspieler. Denn es ist wirklich absolut verblüffend, wie schlecht Arnie hier spielt - und wie weit er es dennoch geschafft hat…
Blitz & Donner & Humbug!
Arnold ist ohne Frage einer der beeindruckendsten Männer des 20. Jahrhunderts. Nahezu alles was er sich vornahm, schaffte er und in allen drei komplett unterschiedlichen Jobkategorien (Bodybuilding, Schauspiel, Politik) hievte er sich spektakulär und willensstark an die Spitze. Private Fehltritte und Fragwürdigkeiten sind zwar da, aber da ist jetzt auch nichts Unverzeihliches dabei. Und geht uns eigentlich auch nichts an. Und all das wird noch beeindruckender, wenn man seine Anfänge in diesem Megastinker von göttlichem Gurkenmaß ansieht. „Herkules in New York“ ist schon wahnsinnig schlecht. Und Arnold auch. Vielleicht sogar das Schlechteste an einem insgesamt auch schon katastrophalen Film. Was seine Entwicklung nur noch mehr unterstreicht, ich kann mich nur wiederholen. Diesem Frühwerk hilft seine damals in den Sternen stehende Zukunft aber natürlich auch nicht. Dilettantismus an jeder Ecke, vom Schnitt über die „Kostüme“ bis hin zu den Fights. Selten sieht man eine Pferdekutsche am Times Square. Und 1969 war er in gewisser, trashiger und teils augenzwinkernder Weise seiner Zeit auch etwas voraus. Es gibt definitiv heftige Lacher - wenn Arnie im Central Park gegen einen riesigen Plüschbären kämpft oder wenn er mal wieder aus Versehen in die Kamera guckt oder an ihr vorbei, fast fragend ob er seinen Text korrekt auswendig gelernt hat. Da kann ich nicht anders als laut zu lachen. Aber erstens ist das oft nicht beabsichtigt und zweitens sind's eben nur Momente der Ungläubigkeit und der Bescheuertheit. Meistens überwiegt insgesamt allerdings das Staunen, das irgendwer das hier als fertigen und brauchbaren Film durchgewunken hat. Kurz vor Ende noch 'nen Bösewicht eingeführt. Etliche lose Ende von Nebengeschichtchen. Gewichtheben als Showdown. Mehr Akzent als in einer Englischschulstunde von Fünftklässlern. Weniger Sinn als in einer Talkshow, weniger Spannung als auf einer Hochzeit. Durchgehend unterirdisch.
Fazit: zwischen urkomisch und strunzdumm, zwischen Trash und Kurzweile, zwischen sehenswerten Beginnen einer Legende und filmischem Bodensatz. „Hercules In New York“ ist schwer zu bewerten. Aber ich hatte meinen Spaß. Mächtig Spaß. Aus den völlig falschen Gründen. Obwohl - ist Spaß nicht Spaß? Daher wie gesagt schwer fair und wirklich mein Grinsen wiederspiegelnd zu benoten.