Review

Reichlich Diskussionsstoff lieferte Pasolini mit seinem Streifen "Die 120 Tage von Sodom". Schrott oder große Kunst? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ich für meinen Teil fand den Film recht unterhaltsam, finde aber, dass man durchaus mehr aus dem Stoff hätte machen können.

4 Faschisten verschanzen sich mit ein paar Soldaten und (Ehe?-)Frauen in ein Schloss, wobei sie je 9 Jungen und 9 Mädchen als Sklaven halten, die keinerlei Rechte haben. Sie müssen alles tun, was von ihnen verlangt wird. Als da wäre: Sex, egal mit Mann oder Frau, wie ein Hund aus einem Napf essen und Exkremente verspeisen. Klingt total krank? Ist es auch. Zu guter Letzt erzählt eine ältere, den 4 Herren in Perversität nichts nachstehende Dame Geschichten aus ihrem Leben. Ratet mal, von was die handeln? Genau! Dadurch sollen die Jungen und Mädchen sexuell stimuliert werden. Die einzigen, die jedoch erregt werden, sind die Soldaten und die 4 durchgeknallten Faschisten.

Was genau ist jetzt der Sinn des Ganzen? Gibt es eine Botschaft, die uns der Film vermittelt, oder haben wir es hier schlicht und einfach mit einem sinnfreien Gewaltfilm zu tun, welcher die Menschenrechte mit Füssen tritt? Meiner Meinung nach trifft ersteres zu. Es wird die große Macht von Staat, Politik und Kirche angeprangert. Vermeintlich gesittete, geistreiche Personen sind hier der wahre Abschaum der Menschheit. Es wird klar aufgezeigt, was der Faschismus hier anrichtet. Nämlich Gewalt gegenüber sozial Schwächeren, denen sämtliche Rechte entzogen werden, und deren Menschenwürde mit Füssen getreten wird. Es wird von den "Sklaven" alles akzeptiert, was ihnen angetan wird, an ein Aufbegehren denkt niemand. Wer es auch nur wagt, den Mund aufzumachen, wird hart bestraft oder sogar getötet. Parallelen zum 3. Reich sind nicht zufällig, wobei hier eher auf die faschistoiden Ideen Mussolinis zurückgegriffen wird.

Leider kratzt der Film zu sehr an der Oberfläche. Die Charaktere hätte man viel besser ausarbeiten können, sie bleiben alle blass. Es werden nur Folterungen, Sexszenen und Geschichten über Ärsche und Sodomie gezeigt. Das allein reicht nun mal nicht ganz aus, um das kranke System damals anzuprangern. Natürlich wurde alles in diesem Film bewusst überzogen, aber mal ehrlich... sind wir nicht schon sehr nahe an dieser filmischen Fiktivität angelangt?

Hätte der Regisseur hier mehr herausgearbeitet, wäre der Film für mich persönlich ein Meisterwerk geworden. Trotzdem hat der Streifen auch nach fast 30 Jahren nichts von seiner schockierenden Wirkung verloren und regt zum Nachdenken an. Deswegen gebe ich auch 7 Punkte. Außerdem hat er kaum Längen, was ich ebenfalls positiv bewerte.

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